Staubers Rücktritt bestätigt ein verdächtiges Muster bei SRF

Der Abschied der Moderatorin zeigt: Frauen jenseits der 50 haben es schwer vor der Kamera.

Am Bildschirm zählt Erfahrung. Darum sollte die Fernsehleitung Frauen über 50 explizit zum Weiterarbeiten vor der Kamera ermutigen. Foto: SRF

Am Bildschirm zählt Erfahrung. Darum sollte die Fernsehleitung Frauen über 50 explizit zum Weiterarbeiten vor der Kamera ermutigen. Foto: SRF

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Mit 56 Jahren ist für Katja Stauber Schluss. Sie gibt die Moderation der «Tagesschau» ab und wechselt in die Redaktion. Man kann es ihr nachfühlen. Nach 36 Jahren am Mikrofon und im grellen Studiolicht sucht sie eine andere Herausforderung. Klar. Alles Gute! Und: Danke!

Aber zu denken gibt die Meldung doch. Katja Staubers Rücktritt lange vor der Pensionsgrenze bestätigt ein verdächtiges Muster beim Schweizer Fernsehen: Frauen verschwinden viel zu oft in weit jüngerem Alter vom Bildschirm als ihre männlichen Kollegen. Charles Clerc trat mit 61 ab, Hansjörg Erny mit 60, genau wie Heiri Müller («Mister Tagesschau»). Kurt Aeschbacher blieb sogar bis 69. Beatrice Müller dagegen war 53, als sie die «Tagesschau» verliess, Dominique Rub («die Grande Dame der ‹Tagesschau›») 41 und jetzt eben Katja Stauber: 56.

Bei Männern steht Alter für Kompetenz

Das alles waren im besten Sinne «Aushängeschilder» des Schweizer Fernsehens, Persönlichkeiten, denen das Publikum gern noch weiter zugeschaut hätte. Zweifellos haben immer vor allem private Umstände und individuelle Karriereüberlegungen mitgespielt, wenn sich diese Moderatorinnen und Moderatoren für den Rücktritt entschieden oder eben fürs Bleiben bis zur (Früh-)Pensionierung. Dass es beim Schweizer Fernsehen eine offizielle Altersguillotine für Frauen vor der Kamera gibt, ist undenkbar. Und zu hoffen ist, dass auch kein inoffizieller diskreter Druck auf Moderatorinnen ausgeübt wird, sobald sie ein reiferes Alter erreichen.

Es gibt ja auch keinen Grund, anzunehmen, dass wir Fernsehzuschauerinnen und Fernsehzuschauer Frauen über 60 nicht mehr am Bildschirm sehen wollen. Umgekehrt gelten ja ergraute Häupter und verwitterte Gesichter bei Männern von jeher geradezu als Inbegriff der Seriosität und Kompetenz, auch und gerade im Fernsehjournalismus.

Darum muss die Fernsehleitung Moderatorinnen jenseits der 50 konsequent ermutigen, bei ihrem Metier zu bleiben. Am Bildschirm zählt Erfahrung – egal, ob Mann oder Frau.

Erstellt: 17.07.2019, 21:41 Uhr

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