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«Supermodel»: Derbe Sprüche, fade Show

Gestern Abend lief die vierte Folge der aktuellen Staffel von Supermodel auf 3plus. Der Zuschauer erfuhr, warum die Mädchen auf dem Laufsteg den Männern auf den Schritt schauen.

«So geht das nicht weiter»: Model-Coach Bruce Darnell sagt, was Sache ist.
«So geht das nicht weiter»: Model-Coach Bruce Darnell sagt, was Sache ist.

Der Titelsong der Sendung stammt von Pop-Sängerin Pink und heisst «So what». Was auf Deutsch so viel heisst wie: Na und? Vor dieser Frage standen auch die Macher von Supermodel, als sie die Kandidatinnen für diese Show auswählten. Denn es gibt da keine wirklich vielversprechenden Kandidatinnen dabei. Na und? 3plus zieht es trotzdem durch.

«Supermodel» mit Lakritze zwischen den Zähnen

Lange war aus rechtlichen Gründen nicht klar, ob die Show überhaupt stattfinden kann. Dieses Gerangel im Vorfeld scheint dafür gesorgt zu haben, dass sich der wirklich verheissungsvolle Modelnachwuchs der Schweiz offensichtlich von Supermodel fernhielt. Die ausgewählten Mädchen sind nicht hässlich, das ist es nicht. Aber sie könnten ebenso gut eine Gruppe Teenager aus einer Schulklasse sein: Wild zusammengewürfelt, ganz okay anzuschauen, manchmal sind sie nett zueinander, manchmal etwas zickig.

Das wären ja alles beste Zutaten für eine emotionale Sendung. Aber irgendwie will der Funke nicht springen. Und: Der Glamour-Faktor der Mädchen liegt bei Null. Oder darunter: An Castings gehen die Mädchen an-gezogen wie zum Supermarkt-Einkauf, eine kommt sogar mit Lakritze zwischen den Zähnen, eine andere kaut später vor der Kamera mit offenem Mund Kaugummi.

Reise nach Paris

Der Werbespot für das erste Shooting in dieser Sendung hebt den Glamour-Faktor der gesamten Show auch nicht eben an: Er handelt vom Kochen von Fertigreis. Das klingt etwa so spannend, wie es zum Zuschauen dann auch ist. Und was die darauf folgende Reise der Mädchen im Zug nach Paris betrifft, reicht ein Stichwort: Schulreise. Viel mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Doch dann kommt Model-Coach Bruce Darnell, und die Sonne geht auf. Wohlgemerkt, nicht für die Kandidatinnen, sondern für die Zuschauenden. Bruce spricht Klartext mit den Mädchen, die vor der grandiosen Kulisse des Eiffelturms mit ihren nicht ebenso grandiosen Lauf-Künsten vergeblich eine Mitarbeiterin der Kosmetikmarke Max Factor zu beeindrucken versuchen: «Langweilig, langweilig, einfach langweilig» – wahrscheinlich etwa so langweilig wie die Sendung bisher. «Jedesmal muss ich to the rescue kommen, so geht das nicht mehr.»

Darnell wirft den Mädchen eine Tüte voller High Heels vor die Füsse, ganz gemäss seinem Motto «Drama Baby Drama», und zum ersten Mal kommt Leben in die Bude. Und dann enthüllt er, wie es mit dem Modeln funktioniert: «Ich kann zwar immer noch nicht richtig Deutsch, aber ich verkaufe mich verdammt gut.» Wenigstens einer.

Frisch und frech

Ja, Bruce Darnell ist Bruce Darnell, wie er es bereits bei Germanys Next Top Model war: Frisch, frech und von Kopf bis Fuss auf Mode eingestellt. Moderatorin und Chef-Jurorin Franziska Knuppe hingegen ist nicht Heidi Klum. Doch sie bemüht sich redlich, dass man das nicht merkt. Das ist schade: Denn wenn Knuppe manchmal kurz vergisst, Klum zu imitieren, dann merkt man, dass sie durchaus das Potenzial hätte, die fade Show aufzupeppen.

Ganz ohne Pep, wenn auch unfreiwilligen, muss die Sendung dann doch nicht auskommen. Sobald nämlich die Kandidatinnen die Chance bekommen, miteinander zu sprechen oder interviewt werden, kriegt man was zu hören. Da fallen Sätze wie «Scheisse, Mann, ich bin wirklich so frustriert» oder «Um mich beim Laufen konzentrieren zu können, habe ich den umher-stehenden Männern immer auf den Penis geschaut. Also nicht wirklich auf den Penis, sondern in das Gebiet, wo er ist.»

Melanie Winiger: «Zieh einen BH an»

Genauso unter der Gürtellinie ist die Aussage einer Kandidatin, die befürchtet, dass sich eine ihrer Mitstreiterinnen für etwas Besseres hält: «Sie geht mir im Moment ein bisschen auf die Eierstöcke.» Gast-Jurorin und Ex-Miss-Schweiz Melanie Winiger, die ebenfalls für eine gewisse ungeschliffene Ausdrucksweise bekannt ist, versuchte erst gar nicht, mit diesen verbalen Ausbrüchen mitzuhalten.

Ihre Ratschläge waren dafür eher praktischer Natur. So sagt sie zu einer Kandidatin: «Zieh nächstes Mal doch einen BH an, das sieht sonst nicht gut aus, wenn du über den Laufsteg gehst.» Obwohl, so praktisch der Tipp ist: Ginge es in dieser Sendung um Geschmack und Anstand, hätte sie das dem Mädchen hinter der Bühne gesagt.

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