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Therapie für Til Schweiger

«Tschill Out» heisst der neue Hamburg-«Tatort» um den Macho-Kommissar. Es ist wörtlich zu verstehen.

Jetzt mit Wollmütze und ohne Geballer: Til Schweiger im Einsatz als Kommissar Nick Tschiller. Foto: NDR
Jetzt mit Wollmütze und ohne Geballer: Til Schweiger im Einsatz als Kommissar Nick Tschiller. Foto: NDR

Es ist so eine Sache mit Til Schweiger als «Tatort»-Kommissar Nick Tschiller: 2013 gab er in «Willkommen in Hamburg» einen fulminanten Einstand, sein erstes Wort war «fuck», und nach wenigen Minuten waren bereits drei Menschen tot. Als eine Art Mini-Bruce-Willis ballerte er sich durch die Plots, es wurde nie gespart mit Explosionen und Sprüchen. Zu Beginn war der raue Ton erfolgreich, aber dann wollten die Hamburger zu hoch hinaus: Der nach demselben Prinzip produzierte Kinofilm «Tschiller: Off Duty» floppte in den Sälen. Und als er dann am Fernsehen kam, erreichte er auch nicht die Quoten, die sich Schweiger gewohnt war. Was jetzt?

Schweiger hätte problemlos seine «Tatort»-Karriere an den Nagel hängen können. Doch der 56-Jährige, der ja auch als Regisseur und Schauspieler im Kino Höhenflüge (Hits wie «Keinohrhasen») und Tiefschläge (das US-Remake von «Honig im Kopf») kennt, ist keiner, der schnell aufgibt. Deshalb beendete er die Zusammenarbeit mit seinem Hausregisseur Christian Alvart, der alle Tschiller-Folgen inszeniert hatte. Holte für die Regie den «Polizeiruf 110»-Spezialisten Eoin Moore. Verordnete sich und seiner Figur eine Therapie. Und siehe, die scheint zu wirken.

«Ich kann nicht», muss der Kommissar gestehen

Wir begegnen Tschiller, wie er ruhig in die Sonne blinzelt. Er hat sich auf eine Nordseeinsel zurückgezogen, zusammen mit der ehemaligen Lehrerin seiner Tochter betreute er schwierige Jugendliche, die er durchs Wattenmeer und über Weiden hetzt. Ein Disziplinarverfahren hat er wegen der rabiaten früheren Einsätze auch am Hals, jetzt will er einfach ein anderer Mensch werden. Dabei geht selbstverständlich der Macho in ihm noch ab und zu mit ihm durch. Zum Beispiel versucht er zu Beginn, seine Therapeutin (Laura Tonke) zu verführen, muss aber ernüchtert feststellen: «Ich kann nicht.» Später, als die beiden wenigstens ein wenig kuscheln, schmeisst er sie – von nächtlichen Dämonen geplagt – aus dem Bett.

Die Therapeutin, die Kommissare und der Kronzeuge – alle auf derselben Insel. (Foto: NDR)
Die Therapeutin, die Kommissare und der Kronzeuge – alle auf derselben Insel. (Foto: NDR)

Das sind neue Ansätze in einem Tschiller-«Tatort». Es gibt einen einzigen Toten. Keine Explosionen. Und Til Schweiger verlässt in den 90 Minuten die Insel nie. Natürlich findet das Böse dann schon seinen Weg zu ihm, in Form eines gejagten Kronzeugen, der ihm sein Kollege Yalcin Gümer (Fahri Yardim) unterjubelt. Aber der unvermeidliche Showdown, bei dem man sich schon die schlimmsten Situationen mit Geiselnahmen (die arme Therapeutin, die unbeholfenen Jugendlichen) vorstellt, geht dann auch relativ ruhig über die Bühne: Tschiller, zum Beispiel, ballert nur mit einer Paintball-Pistole.

Eine neue Kollegin wird den Herren den Weg zeigen

Das ist durchaus gelungen. Klar, Til Schweiger ist schauspielerisch keiner, der die ganze Gefühlspalette eines reumütigen Machos in all ihren Feinheiten präsentieren kann. Aber er weiss seine Fähigkeiten – das Nuscheln! – effizient einzusetzen. Und in der Stadt gibt es mit der Polizeischulabgängerin Robin Pien (Zoe Moore) eine neue Kollegin, die dem eingespielten Altherrenteam in Zukunft einiges entgegensetzen kann.

Am Schluss sagt Schweiger-Tschiller zur Therapeutin: «Da ist noch ganz viel Zeugs in mir drin. Gefühle und so. Ich werde mich darum kümmern.» Und wir sind wirklich gespannt, wohin sein Weg führen wird.

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