Töte dein Haustier

Eine Reality-Show wagt das Experiment: Lassen Familien ein Rind töten, wenn sie drei Wochen mit ihm gelebt haben?

Haus- oder Nutztier: Ein Kalb liegt im Stroh. (Archiv)
Foto: Florian Bärtschiger

Haus- oder Nutztier: Ein Kalb liegt im Stroh. (Archiv) Foto: Florian Bärtschiger

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Genre klingt nach einem Widerspruch in sich: moralisches Reality-TV. Bisher hat sich Wirklichkeitsfernsehen durch die Gleichgültigkeit gegenüber Werten ausgezeichnet. Künftig soll es Aufklärung betreiben.

Der britische Sender Channel 4 hat gerade das Format «Meat the Family» vorgestellt (ein Wortspiel aus «meet», treffen, und «meat», Fleisch). Die Idee klingt appetitlich: Eine karnivore Familie lebt drei Wochen mit einem Tier zusammen. Dieses gehört zur Art, dessen Fleisch die Familienangehörigen mit Vorliebe essen, Kalb, Huhn, Lamm. Nach drei Wochen hat die Familie die Wahl: Entweder sie geben das Tier zum Metzger und verspeisen es. Oder sie lassen es leben und werden Vegetarier. Töten oder verzichten.

Offen ist einzig der Ausgang des Experiments

Damit hinterfragt die Sendung die Unterscheidung zwischen Haus- und Nutztieren. Die erste Gruppe von Tieren verwöhnen wir mit edlem Futter, betrauern ihren Tod. Die zweite Gruppe halten wir zusammengepfercht in Ställen, ihr Leben kümmert uns nicht. Eine willkürliche Unterscheidung. Schweine gelten als mindestens so intelligent wie Hunde. Trotzdem lassen wir Schweine schlachten, während wir Hunden eine Krebsbestrahlung bezahlen. Die Behauptung der Show lautet: Unser immenser Fleischkonsum (in der Schweiz sind es rund 50 Kilo pro Person im Jahr) funktioniert nur dank der Entfremdung zur Fleischherstellung. Würden wir die Tiere kennen, sie aufwachsen sehen, eine Beziehung zu ihnen aufbauen, würden wir weniger von ihnen essen.

Umfrage

Wie würden Sie handeln, wenn Sie drei Monate mit einem Tier gelebt hätten?





Fernsehexperten sagen «Meat the Family» internationalen Erfolg voraus. Und eine Pionierrolle. Reality-TV-Shows würden sich künftig verstärkt mit Fragen des verantwortungsvollen Lebens auseinandersetzen. Schauplätze gäbe es viele: Schlachthöfe, Minen im Kongo, Kleiderfabriken in Bangladesh, rassistische Gruppierungen. Von Big Brother zur moralischen Anstalt. Die Zeiten sind ernster geworden.

Offen ist, wie das «Meat the Family»-Experiment ausgeht. Viele unserer älteren Verwandten haben noch nahe mit Hühnern oder Kühen zusammengelebt. Und diese dann gegessen, ohne schlecht zu schlafen deswegen. Vielleicht ist Töten doch einfacher als Verzichten.

Erstellt: 27.10.2019, 22:14 Uhr

Artikel zum Thema

«Ich töte das Tier, weil ich es essen möchte»

Interview Alena Steinbach ist Jägerin aus Überzeugung. Fleisch aus dem Supermarkt kauft die ehemalige Vegetarierin nie. Und auf den klassischen Wildteller steht sie weniger. Mehr...

Wie gefährlich ist der Fleischkonsum?

Bislang galt die Empfehlung, nur wenig rotes Fleisch zu essen. Forscher kommen nun zu einem anderen Schluss. Mehr...

In neun Schritten zum Vegetarier

Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist zu verführerisch? Wer auf eine vegetarische Lebensweise umstellen will, hat es unter Umständen schwer. Die besten Tipps für Anfänger. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Fast wie auf der Titanic: Ein Liebespaar betrachtet die untergehende Sonne im untergehenden Venedig (17. November 2019).
(Bild: Luca Bruno) Mehr...