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TV-Kritik: Am Wiener Sihlquai

Der «Tatort» aus Österreich handelte vom Billigstrich. Ein brutaler Film über eine brutale Realität.

Ungünstig ist es bisweilen, dass der Schweizer «Tatort»-Schauplatz das beschauliche Luzern ist. Das dringliche Thema der Folge aus Österreich hätte jedenfalls auch nach Zürich gepasst. Um Zwangsprostitution ging es, respektive um Roma-Frauen, die Freier zu Billigstpreisen befriedigen müssen. Und wie am Zürcher Sihlquai war die Polizei handlungsunfähig. Durch Prügel, Schulden und Drohungen gegen die Familie unter Druck gesetzt, taten die Prostituierten wie ihnen von den bulgarischen Zuhältern geheissen. Als sich eine der Frauen auflehnte, schickte ihr Zuhälter einen Roma-Jungen mit einer Wasserpistole vorbei. Im Spielzeug war Benzin, die Frau entzündete sich und verbrannte vor den Augen des 12-Jährigen.

Nicht nur war der Täter von Beginn weg bekannt und wegen seines Alters strafunmündig. Er wurde von Kommissarin Bibi Fellner beschützt und privat untergebracht. Der wahre Schuft kam nämlich in Gestalt des Zuhälters daher, ein hünenhafter Kampfsportler und Unsympath vor dem Herrn: primitiv, sexistisch, brutal. «Was ist der Unterschied zwischen einem Zuhälter und einem Polizisten?», fragte er Eisner kaugummikauend. Als der Inspektor schwieg, blaffte er: «Geile Karre, Schrottkarre.» Später verprügelte er Bibi Fellner, dass man glaubte, das Geräusch zersplitternder Knochen zu hören. Auch sonst herrschte gestern Gruselalarm; die Nahaufnahme des verbrannten Gesichts der Prostituierten erinnerte an einen zu lange gegrillten Cervelat – bis die Kamera die Augen zeigte.

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