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TV-Kritik: «Die Jugend ist stinkbrav und politisch mumifiziert»

Botellónes, also Sauforgien, bedrohen den öffentlichen Frieden. Dem Noch-Nicht-Aber-Vielleicht-Ereignis stellte sich gestern auch der Club mit einer wenig berauschenden Diskussion.

Passiert ist nichts. Noch nicht. Aber das kann nicht ewig so bleiben. Seit einer Woche sind die Botellónes im Gespräch, in der Chronik des angekündigten Besäufnisses fehlt nur noch die Liturgie im Club. Halten wir fest: es geht um eine Art Jugendtreffen. Aber so genau weiss das niemand.

Gerade weil das so ist, muss nun unbedingt etwas getan werden. Angriff ist der Reflex, Jugendschutz die Parole von SP-Stadtpräsident Alexander Tschäppät, in roter Krawatte. Er hadert mit der namenlosen Bedrohung, einem Feind, der organisationstechnisch überlegen ist und sich weigert, Stellung zu beziehen. Überhaupt, diese Saufpartys, betrüblich. Niemand übernimmt Verantwortung und also weiss Tschäppät auch nicht, wohin er seine Polizei schicken soll, um die Jugend zu schützen. «Ich fühle mich hilflos.»

Sinn im Sonderangebot

Das ist das Stichwort für die Frauen, vertreten durch Vivien Jobé, Junge SP und eine Dame mit einer lila Haartönung, Katharina Gerber, Elterncoach. Sie ist eine Art Supernanny für Jugendliche. Was wohl ein unerschöpfliches Reservoir an Verständnis erfordert. «Kontrollverlust» lautet ihr Schlagwort, mit dem sie aber keineswegs um sich schlagen will, denn Jugendliche wollen doch nur spielen - äh, kommunizieren. Und im Saufgelage, da lauert auch ein Potential, eine Botschaft. Sinn im Sonderangebot sozusagen. Und die Lösung? «Wir bauchen mehr Dialog.»

Die Junge SVP, vertreten durch Rafael Wohlgemut, leckt sich angriffslustig die Lefzen. Wohlgemut fragt sich angesichts der drohenden Saufkatastrophe, wo all die Streetworker stecken, die auf der Lohnliste stehen. Daran erinnert, dass das Ereignis noch nicht stattgefunden hat, gibt er zu: «Die Medien haben das Thema, äh, hochdestilliert.»

Kurt Superbrain

Und falls sich jemand fragt, worüber denn hier nun geredet wird, kann er sich jederzeit an Kurt «Superbrain» Imhof wenden. Er schmeisst mit Studien und Statistiken um sich, kichert, mäandert durch die Entwicklungsphasen und Organisationsformen der Adoleszenz, um dann mit einem knackigen Punkt zu schliessen: «Die Jugend ist stinkbrav und politisch mumifiziert. Und die Jugendlichen trinken nur für die Kamera.»

Botellónes, was nun? Tschäppät hatte die beste Idee: «Die Eltern sollten mitgehen, dann wäre das Problem gelöst.» Leider erkannte er seinen eigenen Geistesblitz nicht. Ist ja auch bequemer, die Polizei zu schicken.

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