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«Trump würden wir fertigmachen»

Zum Staffelstart mischt sich die Politserie «House of Cards» in das US-Wahlgetöse ein.

Manchmal imitiert die Kunst das Leben, manchmal ist es umgekehrt. Auf die TV-Serie «House of Cards» trifft beides zu. Ein fantastischer Kevin Spacey spielt in der Netflix-Produktion den gewissenlosen Politiker Frank Underwood, der sich bis in das Weisse Haus empordrängt. «House of Cards» will so eine systemkritische Innensicht der US-Politik bieten. Inzwischen ist die Serie derart erfolgreich, dass man nun im Smithsonian-Museum, wo die Porträts der US-Präsidenten hängen, temporär ein Abbild von Frank Underwood ausstellt.

Das Spiel mit den Wirklichkeitsebenen beherrschte die Serie, die morgen in die vierte Staffel geht, schon immer perfekt. Kürzlich erschienen während einer TV-Debatte der Republikaner Werbespots für «Präsident Underwood 2016»: Es gebe mehr Amerikaner, die Arbeit hätten, Soldaten, die wieder nach Hause kämen, und generell könnten die Menschen nun ruhiger schlafen. Das alles hätten sie Frank Underwood zu verdanken.

Kevin Spacey selbst zeigte sich auf seiner Instagram-Seite mit einem Foto vor dem Weissen Haus und dem Kommentar, er sei «ein Mann des Volkes», der gerne «ein Selfie vor seinem Heim aufnehme». Und in einem Interview sagte Michael Kelly, der Underwoods engsten Vertrauten Doug Stamper spielt: «Donald Trump ist mir extrem unheimlich. Frank und Doug würden ihn fertigmachen.»

Es soll inzwischen junge Amerikaner geben, die Underwood für einen echten Kandidaten im US-Wahlkampf halten. Als Kevin Spacey im Januar am WEF in Davos über «das Theatralische der amerikanischen Politik im Wahljahr» sprach, war der Rummel um ihn riesig – fast schien es, als sähen die Wirtschaftselite und die versammelten Journalisten in ihm ebenfalls mehr als einen Schauspieler.

Fingierte Skandale

Zweifelsohne ein raffiniertes Marketing. Doch wie realistisch ist «House of Cards» wirklich? Nun, politische Mechanismen werden mal mehr, mal weniger treffend geschildert. Als Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus hat Frank Underwood etwa viele Deals ausgehandelt, um für bestimmte Gesetze auf genügend Stimmen zählen zu können – so läuft das in der US-Politik tatsächlich. Vieles aber ist hanebüchen, etwa dass er den Vizepräsidenten und schliesslich auch den Präsidenten mit fingierten Skandalen aus dem Amt jagt, um dann ihre Positionen einzunehmen.

Eigentlich zeigt die Serie Politik, wie sie am Stammtisch imaginiert wird: Die da oben haben doch alle Dreck am Stecken! Die Authentizität ist behauptet, das Szenario hat mehr mit Shakespeares «Richard III.» als Washington zu tun – deshalb ist es so spannend. So verzichtet die Serie auch in der neusten Staffel auf konkrete politische Bezüge. Zwar begibt sich Underwood in den Wahlkampf, aber dieser ist klischiert inszeniert. Die Wähler sind eine dumpfe Masse, die sich nur für Skandale interessiert. Doch hadern nicht viele Amerikaner mit dem Zustand ihres Landes, leiden unter Abstiegsängsten und dem Gefühl, dass der amerikanische Traum für viele unerreichbar geworden ist? Beruht nicht darauf Donald Trumps Erfolg?

Bei allen Vermischungen, die die Serie virtuos herbeiführt, ist die Realität komplexer und ironischerweise verrückter als die Fiktion. Zwar gibt es keinen machiavellistischen Präsidenten, wie Underwood einer ist, aber es droht einer, der ein Einreisverbot für Muslime und eine Mauer an der mexikanischen Grenze will. Mal gucken, wie «House of Cards» das toppen will.

Die vierte Staffel von «House of Cards» läuft morgen auf Netflix Amerika und in der Schweiz auf Teleclub an.

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