Wenn Bill Cosby Familienwerte predigt

Der ehemalige TV-Star sitzt seit seiner Verurteilung 2018 als Sexualverbrecher im Gefängnis. Nun hat er einen Tweet posten lassen, der die Gemüter erhitzt.

Bill Cosby nach dem Urteilsspruch im September 2018. Foto: Jacqueline Larma / AP Photo via Keystone

Bill Cosby nach dem Urteilsspruch im September 2018. Foto: Jacqueline Larma / AP Photo via Keystone

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Eben war Vatertag in den USA, und der Mann, der früher mal als exemplarischer «Dad Amerikas» gefeiert wurde, schickte einen Tweet ins Universum, indem er auf genau diesen Titel Bezug nahm. Es sei eine Ehre, Vater genannt zu werden, schrieb er. Und er rief dazu auf, «den Eid zu erneuern, unseren Daseinszweck zu erfüllen», nämlich die Familien und Gemeinden zu stärken. Daran angehängt ist ein Videoclip, in dem der junge Bill Cosby sich über Sklaverei, Rassismus und Sklaverei im Kopf äussert, die schwarze Familien zerbrachen.

Der Tweet klingt gut, hat aber einen Beigeschmack, wenn er von Bill Cosby stammt. Und also von jemandem, der derzeit eine Haftstrafe absitzt, weil er eine junge Frau unter Drogen gesetzt und sexuell missbraucht hat. Und dem das gleiche Verbrechen auch noch von sieben weiteren Frauen angelastet wird.

Der heute 81-jährige hat die diversen Vorwürfe oft bestritten und zeigt sich nicht reuevoll. Aber das Gericht sah die Tat zumindest im Fall von Andrea Constand als erwiesen an, weshalb Cosby in Pennsylvania im Gefängnis sitzt und als «gewaltbereiter Sexualverbrecher» registriert ist. Es war die erste Verurteilung eines Prominenten, seit die #MeToo-Bewegung 2017 Fahrt aufnahm.

Der Tweet wurde auf seinen Wunsch hin gepostet – doch das Internet deutete ihn nicht als einen Schritt auf dem Weg zur Reintegration. Sondern wütete über die Heuchelei und die Anmassung. Die Comic-Künstlerin Colleen Doran formulierte pointiert, was viele bewegte: «Stärke Familien dadurch, deiner Frau nicht untreu zu sein, dadurch, junge Frauen nicht als Option auf der Speisekarte zu behandeln, und dadurch, jungen Männern kein schlechtes Vorbild zu sein. Arschloch.»

Das Netz vergisst nicht

Ein Sprecher Cosbys erklärte dessen Auftritt auf der Twitterbühne als Versuch, Männer zu unterstützen, die nach einer langen Haftstrafe in die Freiheit entlassen werden. Um ihnen zu helfen, sich auf ihre Familien zu fokussieren und produktive Mitbürger zu sein. Diesen Impetus wollten ihm aber viele nicht abnehmen. Eine Zeugin aus dem Constand-Prozess sagte in einem Statement, sie sehe, dass der Vergewaltiger der Nation sich bemühe, «relevant zu bleiben, indem er als America’s Dad postet».

Man mag den Tweet unterschiedlich bewerten. Sicher ist aber, dass das Netz nicht nur allen Menschen eine riesige Plattform bietet, um im Gespräch zu bleiben oder überhaupt erst ins Gespräch zu kommen. Sondern auch, dass es nicht vergisst. Und nicht verzeiht.

Erstellt: 18.06.2019, 20:22 Uhr

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