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Wenn dein Doppelgänger stirbt

Im neuen Münster-«Tatort» schauen Kommissar Thiel und Rechtsmediziner Boerne aus ermittlungstaktischen Gründen in den Spiegel.

Thiel und Boerne schauen in den Spiegel; ihre Wohnungen werden kriminaltechnisch untersucht.
Thiel und Boerne schauen in den Spiegel; ihre Wohnungen werden kriminaltechnisch untersucht.
Das Erste

Hat jeder Mensch einen Doppelgänger? Diese Frage wird tatsächlich oft gegoogelt; die Antwort lautet, statistisch gesehen: ja, sogar sieben. Bei über 7,6 Milliarden Menschen ist das auch keine allzu grosse Überraschung, und digitale Doppelgänger-Suchprogramme, die Fotos abgleichen, sind offenbar ein einträgliches Geschäft. Im neuen Münster-«Tatort» hat Drehbuchautor Benjamin Hessler – der etliche Folgen der Serie «Mord mit Aussicht» geschrieben hat – die Doppelgänger-Faszination nun noch potenziert. Die erste Ermordete in «Spieglein, Spieglein» sieht der Staatsanwältin Klemm (Mechthild Grossmann) verteufelt ähnlich und trägt sogar die gleiche Zigarettensorte auf sich. Da wirds «Alberich» (Christine Urspruch), der kleinwüchsigen Assistentin des Rechtsmediziners Boerne (Jan J. Liefers), ganz flau bei der Obduktion. Vollends aus den Latschen kippt sie, als die nächste Leiche angeliefert wird: eine kleinwüchsige Kellnerin ihres Alters – und ausgestattet mit «Alberichs» Schal – ein selbst gestrickter, Zufall ausgeschlossen.

Komik garantiert

Aha, da treibt jemand sein böses Spiel mit der Münsteraner Mordkommission rund um Kommissar Thiel (Axel Prahl). Dass Thiel seine Schuhe und Boerne seine Mütze vermisst, lässt Blutiges ahnen. Überhaupt, Autor Hessler hat sich das Motiv vom rachedurstigen, psychopathischen Serientäter gekrallt und munter auf ulkig gedreht. Boerne, Thiel und Co. sind die unfreiwilligen Modelle für die nichtsahnenden Opfer und müssen sich aus ermittlungstaktischen Gründen selbst unter die Lupe nehmen: Komik garantiert. Ein Highlight ist zudem Castorf-Star Kathi Angerer als Verdächtige.

Ist das bloss doppelt gemoppelter Nonsense? Zugegeben, dies alles verfügt über keinerlei Relevanz, Gesellschaftskritik und gar künstlerische Hochseilartistik. Auch superspannend geht anders. Doch Regisseur Matthias Tiefenbacher rutscht immerhin nicht ab in albernen Klamauk, sondern holt aus Hesslers ironischer Übertreibung von Doppelgängermotiv und Serienmörderthrill das heraus, was Spass macht: eine hübsche Krimikomödie.

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