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Wenn nichts mehr bleibt, bleibt uns die Serie

Die populären Fernsehserien befriedigen eine Sehnsucht nach Geborgenheit.

Wer in Grossstädten lebt, kennt das Phänomen des schnellen Wandels. Wo letzte Woche noch der Kiosk war, ist heute ein Coiffeur und nächste Woche eine Bar. Auch Freunde und Kollegen sind oft nur temporär an einem Ort. Man spricht miteinander eher über Skype als im Café oder trifft sich alle paar Monate oder Jahre in einer der Städte, in der man gerade lebt oder die in der Mitte liegen. Alles nur eine Frage der Organisation. Wer TV-Serien schaut, kennt das Phänomen der langsamen Verbundenheit. Auch die sogenannten Qualitätsserien erstrecken sich über einen langen Zeitraum und erzählen in solch epischer Breite und Vielfalt, dass es bei einigen Serien bis zu 100 Stunden braucht, um die ganze Geschichte zu erfahren. Das bindet, und es wächst die Sehnsucht, die Serie so lange und so oft es geht zu verfolgen. Auch das nur eine Frage der Organisation.

Serien wie «The Wire», «Breaking Bad», «Mad Men», «Homeland» oder «Boardwalk Empire», über die seit Jahren diskutiert und philosophiert wird, werden nicht selten von den gleichen Leuten geschaut, die den festen Wohnsitz gegen die Bahn oder das Flugzeug eingetauscht haben. Wer durch Zug­abteile schlendert und sich umschaut, sieht überall Bekannte – auf den Bildschirmen. Aber auch der Rest der Be­völkerung scheint ergriffen zu werden vom Bedürfnis, ein Gegengewicht zu ­haben, das unserem mobilitätsgierigen, hyperflexiblen und beschleunigten Zeitalter etwas entgegensetzt: Kontinuität, Sicherheit, Geborgenheit.

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