Wie der Bier-Gigant in den Polit-Hammer lief

Eigentlich war dieser Superbowl-Spot eine nette American-Dream-Story. Aber irgendwie kommt er jetzt zur Unzeit – zumindest für die eine Seite.

Adolphus Buschs beschwerlicher Weg zum Bierunternehmer: Die aktuelle Budweiser-Werbung.


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Wenn die USA etwas lieben, dann den American Dream. Geschichten von Tellerwäschern, die Millionäre wurden, oder, noch besser: von Immigranten, die im Land der Freiheit etwas Grosses vollbrachten. Und weil man sich diese Geschichten immer wieder gerne erzählt, setzte auch der Bierhersteller Budweiser für seine diesjährige Superbowl-Werbung auf den American Dream. Und landete so mitten in einer Kontroverse.

«Born the Hard Way» heisst der Clip, den Budweiser am Montag veröffentlichte, «auf die harte Tour geboren». Darin wird die Geschichte erzählt von Adolphus Busch, der 1857 von Deutschland in die USA auswandert. Der raue Atlantik wirft Busch während der Überfahrt umher, grobschlächtige New Yorker feinden ihn nach seiner Ankunft an: «Du bist hier nicht willkommen. Geh zurück, wo du herkommst.» Erst in einer Bar in St. Louis trifft er dann auf einen freundlichen Herrn, der ihm ein Bier spendiert: Eberhard Anheuser.

Keine 24 Stunden war der Gründermythos der Brauerei Anheuser-Busch online, schon fand sich Konzerntochter Budweiser in einer hitzigen Debatte. Rechte Kommentatoren werfen der Brauerei vor, Politik zu betreiben, rufen gar zum Boykott auf. Wenige Tage nach Donald Trumps Einreisestopp für Muslime wird sogar zum Politikum, was vor kurzem noch als patriotisch gegolten hätte.

5 Millionen Dollar für einen Slot

Budweiser beteuert, der Clip sei lange vor Donald Trumps Wahl und der aktuellen Einwanderungsdebatte entworfen worden. Die Idee sei es gewesen, mit der Geschichte des Visionärs Adolphus Busch die jungen Menschen von heute anzusprechen; jene jungen US-Bürger, die heute grosse Ziele anstrebten.

In der Werbebranche ist das aktuelle politische Klima offenbar bereits seit längerem ein Thema. Vermehrt verzichteten Kunden auf gewagte Kampagnen, berichtet Mike Sheldon von der Agentur Deutsch in der «Financial Times». Trumps Wahl habe die USA gespaltet, so der Werber, Firmen befürchteten, sie könnten nun gleich einen ganzen Teil der Bevölkerung verstimmen.

Dass sich diese Diskussion nun intensiviert, liegt auch am Zeitpunkt: Wenn in der Nacht auf den kommenden Montag das Endspiel der Football-Liga stattfindet, ist dies auch das grösste TV-Spektakel überhaupt. Unternehmen bezahlen bis zu 5 Millionen US-Dollar für einen Werbe-Slot, dafür locken einzigartige Zuschauerzahlen: Gut 120 Millionen Menschen schauen das Spiel in den USA an, 800 Millionen auf der ganzen Welt.

Das Bier umtaufen

Der Sportanlass ist so längst zur Werbeschlacht geworden. Die Veröffentlichung der Superbowl-Clips ist ein popkulturelles Ereignis: Mit welchen Stars, mit welcher ausgefallenen Idee wird wer zum Gesprächsstoff?

Dieses Jahr hat Budweiser die Aufmerksamkeit definitiv auf sich. Ob der Clip der Marke schadet, wird sich noch zeigen. Falls ja, muss die Firma sich dann halt etwas einfallen lassen. Nochmals ihr Bier umtaufen, zum Beispiel. Wie letztes Jahr, als sie den «patriotischen Sommer» ausrief und Budweiser plötzlich anders hiess: America.

Wir haben für Sie weitere aktuelle Superbowl-Clips zusammengetragen:

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Erstellt: 01.02.2017, 16:04 Uhr

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