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Wie sich Milo Moiré im «Club» selbst entlarvte

Die Nacktkünstlerin diskutierte gestern im «Club» angezogen zum Thema Schönheitsdruck. Schaffte sie es, ihr Profil zu schärfen?

Man erkennt sie kaum: Milo Moiré mit Kleidern auf dem Barfüsser-Platz in Basel. (17. Juni 2015)
Man erkennt sie kaum: Milo Moiré mit Kleidern auf dem Barfüsser-Platz in Basel. (17. Juni 2015)
Georgios Kefalas, Keystone
Nacktselfies: Neben der Art Basel hat Milo Moiré für ihre Performance «Naked Selfies» eine Kamera aufgestellt. (17. Juni 2015)
Nacktselfies: Neben der Art Basel hat Milo Moiré für ihre Performance «Naked Selfies» eine Kamera aufgestellt. (17. Juni 2015)
Georgios Kefalas, Keystone
... Art Basel. (19. Juni 2014)
... Art Basel. (19. Juni 2014)
Georgios Kefalas, Keystone
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Sie trug Kleider. Klar, das erwartet man in einer Diskussionssendung. Dennoch, so mancher Zuschauer hatte sich vor dem Einschalten für einen kurzen Moment sicherlich gefragt: Kommt Milo Moiré nackt in den «Club»? Schliesslich kennt man die 34-Jährige ja vor allem von ihren kleiderlosen Performances.

2013 tauchte sie erstmals in einer breiten Öffentlichkeit auf. Damals fuhr sie für «The Script System» nackt mit dem Tram durch Düsseldorf; ihren Körper zierten lediglich Aufschriften der fehlenden Kleidungsstücke. Im Jahr darauf liess sie für «The Plop Egg Painting» an der Art Cologne mit Farbe gefüllte Eier aus ihrer Vagina auf eine Leinwand fallen. Seither stürzt sich der Boulevard im deutschsprachigen Raum auf jede ihrer Aktionen; seither gehört Moiré zu den meistgegoogelten Personen Europas.

Von der Kunstwelt hingegen wird die Nacktkünstlerin weitgehend verschmäht. Man sieht, weshalb dem so ist. «Die Nacktheit ist das Mittel, um meine Botschaft zu überbringen», erklärt Moiré ihr Tun gerne. Doch ihre Botschaften erscheinen vage, trendorientiert, beliebig: Zum 1. August hält sie den Schweizer Pass vor die Vagina; für einen veganen Lebensstil setzt sie Himbeeren auf die Nippel; nackt posiert sie für ein geeintes Europa, nackt posiert sie gegen sexuelle Übergriffe.

Moiré und das «Attraktivitäts-Ranking»

Im gestrigen «Club» also sollte Milo Moiré mitdiskutieren zum Thema Körperkult, Schönheitsdruck und Body Shaming. Würde sie ihr Profil als Künstlerin in dieser Runde schärfen können? Die Antwort ist Nein. Im Gegenteil. Partout akzeptierte sie nicht, dass Schönheit eine gesellschaftliche Norm ist und als solche wandelbar. Sie sprach von einer «messbaren, objektiven Schönheit» und meinte damit: das heutige Schlankheitsideal. Während sich also die Runde einig war, dass der Mensch in der westlichen Gesellschaft wieder weniger nach dick und dünn beurteilt werden müsse, sagte Moiré Sätze wie: «Es sind nicht alle Menschen mit Schönheit gesegnet.»

Das ging dann so weit, dass Moiré der Body-Positivity-Bewegung ihre Sympathie zusprach, um im nächsten Moment Bloggerin Morena Diaz im hypothetischen «Attraktivitäts-Ranking» auf die Ränge zu verweisen: hinter das Fitness-Model Anja Zeidler und sich selber. Das war ein ordentliches Fettnäpfchen, wenn nicht an sich bereits wieder Body Shaming. Anstatt sich also als jene kritische Gesellschaftskommentatorin zu positionieren, als die sie sich gerne sieht, entlarvte sich Moiré im «Club» als Teil des Systems Körperwahn.

Am Freitag zieht Milo Moiré nun bei «Celebrity Big Brother» von Sat 1 ein. Sie wolle einmal ihre persönliche Seite zeigen, verkündete sie dazu auf Facebook. Keine Kunstaktion also? Dann bleiben die Kleider in dem Fall an, oder?

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