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Gegen diese Frauen haben Sie keinen Stich

Eine New Yorker Journalistin untersucht in ihrem Buch weibliche Tattoos und deren Geschichte.

Angelehnt an die Motive mexikanischer Totenbräuche: Ein Werk von Saira Hunjan.
Angelehnt an die Motive mexikanischer Totenbräuche: Ein Werk von Saira Hunjan.
Sara Hunjan
Sie trat mit ihrem gezeichneten Körper auch im Zirkus auf: Irene «Bobbie» Libarry, geboren 1883.
Sie trat mit ihrem gezeichneten Körper auch im Zirkus auf: Irene «Bobbie» Libarry, geboren 1883.
Imogen Cunningham
Farbe statt Silikon: Nach einer Brustamputation lassen sich immer mehr Frauen tätowieren; in den USA bezahlt dafür teilweise sogar die Krankenversicherung.
Farbe statt Silikon: Nach einer Brustamputation lassen sich immer mehr Frauen tätowieren; in den USA bezahlt dafür teilweise sogar die Krankenversicherung.
Tina Bafaro
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Längst sind es nicht nur Delfine oder stacheldrahtähnliche Tribals à la Michelle Hunziker, die sich auf Knöcheln tümmeln und um Oberarme ranken. Tattoos, so scheint es, werden immer grösser, immer bunter, immer ausgefallener. Und vor allem: immer selbstverständlicher. Ein Totenkopf auf einem Blumenbeet, ein Albumcover oder eine grossflächige Unterwasserlandschaft: Alles schon gesehen auf den entblössten Oberschenkeln, Bäuchen und Rücken dieses endlich warmen Sommers.

Ausschliesslich mit der weiblichen Tattookultur beschäftigt sich Margot Mifflins Buch «Bodies of Subversion», dem die «New York Times» letzte Woche einen ausführlichen Artikel gewidmet hat: Gemäss einer aktuellen Umfrage in den USA sind erstmals mehr Frauen als Männer tätowiert: nämlich 23 Prozent im Vergleich zu 19 Prozent.

Hautbilderflut wird relativiert

Frauentattoos, so Mifflin, setzten ein Zeichen der Selbstbestimmung in Zeiten, in denen Kontroversen um Abtreibungsrechte und sexuelle Belästigung die Frage nach der Macht über den weiblichen Körper stellten. Neben dem lehrreichen sozialgeschichtlichen Abriss der Tattoogeschichte aus Frauenperspektive liefert Mifflin aber auch zahlreiche amüsante Tatsachen: So trug Winston Churchills Mutter auf ihrem Handgelenk das Sujet einer Schlange, die sich in ihren Schwanz beisst, als Symbol für die Ewigkeit.

Erstaunlich auch, wie die Lektüre von Mifflins Buch die heutige Hautbilderflut relativiert: 1897 soll die Zahl tätowierter Frauen in der Oberschicht bei 75 Prozent gelegen haben. Damals galt der Körperschmuck in diesen Kreisen nämlich als Zeichen guten Geschmacks. Stacheldraht und Delfine waren wohl keine darunter.

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