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Geschliffenes Deutsch

Martin Ebel über ein Verb, das stark oder schwach konjugiert wird und so vieles bedeuten kann.

Ich schleiffte oder ich schliff? Martin Ebel klärt auf. (Video: Anthony Ackermann, Sacha Schwarz)

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Herzlich willkommen zum guten Deutsch in aller Kürze. Von starken und schwachen Verben hatten wir es schon früher einmal. Die starken bilden die Vergangenheitsformen, indem sie den Stammvokal ändern, die schwachen durch Vor- oder Nachsilben.

Manche Verben können und tun beides. Das kann zu Verunsicherungen und Verwechslungen führen. Mein heutiges Beispiel ist das Verb schleifen. Das meint einmal, stark konjugiert, so viel wie glätten, polieren, aber auch schärfen. Der Juwelier schleift den Diamanten, der Koch das Messer. Die Vergangenheitsformen lauten: schliff, geschliffen, der Stammvokal ei, in diesem Fall ein Diphthong, wird zu i. Aus dem Partizip kann man ein Adjektiv bilden: Sie sprechen, wenn Sie unsere Videos regelmässig verfolgen, ein geschliffenes Deutsch.

Die andere Variante, schwach konjugiert, behält den Stammvokal bei. Auch die Bedeutung ist eine andere: niederlegen, dem Erdboden gleichmachen. Nach der Belagerung befahl der Befehlshaber, die Burg zu schleifen. Schleifte, geschleift heissen die Vergangenheitsformen. Auch die Bedeutung «über den Boden ziehen» wird schwach konjugiert: Der Mörder schleifte die Leiche über den Parkplatz. Die Polizei erkannte das an den Schleifspuren – so das abgeleitete Substantiv, und nicht etwa Schliffspuren.

Im Mittelhochdeutschen haben sich auch die Infinitive noch unterschieden. «Slifen» bedeutete «gleiten», das abgeleitete Kausativum «sleifen» oder «sleipfen»: gleiten machen. Das ist interessant, aber nicht notwendig zu wissen. Es reicht, wenn Sie die aktuellen Formen auseinanderhalten. Denn Sprache ist unser Schatz, hüten und pflegen wir sie.

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