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Gestohlene Momente

Die Bilder von Vivian Maier, dem «fotografierenden Kindermädchen», sind in der Zürcher Photobastei zu sehen.

Von Paulina Szczesniak

Die Geschichte ist zu gut, um sie nicht nochmals zu erzählen. 2007 ists, als der amerikanische Hobbyhistoriker John Maloof an einer Zwangsversteigerung einen Karton mit Fotonegativen ergattert. Für 380 Dollar. Von der Urheberin der ersteigerten Bilder, einer gewissen Vivian Maier, hat er noch nie gehört; das Internet ergibt auch keinen Treffer. Aber die Bilder – Stadtansichten, Schnappschüsse von Leuten auf der Strasse, urbane alltägliche Kuriositäten – gefallen ihm, also stellt er sie ins Netz. Das wird sein Leben verändern.

Das www-Völkchen überschlägt sich vor Begeisterung, will immer mehr sehen von dieser Vivian Maier. Also scannt Maloof fleissig weiter ein. Und macht es sich gleichzeitig zur Aufgabe, herauszufinden, wer diese Vivian Maier eigentlich war. Über eine auf ein Couvert aufgedruckte Adresse in dem ersteigerten Karton findet er ihren ehemaligen Arbeitgeber, besucht ihn – und erfährt: Vivian Maier war ein Kindermädchen. Einerseits. Andererseits, in ihren freien Stunden, streifte sie mit der Fotokamera um den Hals durch Chicago. Fast täglich füllte sie dabei ein Filmröllchen; insgesamt waren so weit über 100'000 Bilder entstanden. Und nicht etwa nette Versuche eines begeisterten Laien. Sondern Werke eines Profis mit sicherem Auge und Gespür für den viel beschworenen «entscheidenden Moment».

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