Giga!

Wenn «mega» sich als Begeisterungsvokabel abgenutzt hat, muss man die Dosis steigern. Die Firma Tesla weiss, wie.

Von der Mega- zur «Giga-Factory»: Wo hört es denn auf? (Video: Anthony Ackermann)

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Giga!

Herzlich willkommen zum guten Deutsch in aller Kürze. Von der Vorsilbe «mega» hatten wir es schon mal. Auf Griechisch bedeutet sie schlicht «gross», in der Technik «eine Million», und bei unseren Teenagern die Steigerung von «lässig».

Begeisterungsvokabeln nutzen sich schnell ab. Wie bei Drogen muss man die Dosis steigern. «Mega» kam ja auf, weil «super» sich abgenutzt hatte. Was kommt als nächstes? Das zeigen die Pläne der Firma Tesla. Sie will in Brandenburg eine Fabrik für Elektro-Autos errichten. Eine grosse Fabrik. In der Tesla-Diktion wird es eine «Giga-Factory». Und zwar die Giga-Factory Nummer 4, drei weitere bestehen oder entstehen in den USA und in China.

Giga kommt vom Griechischen Gigas, der Riese. In den Naturwissenschaften steht die Vorsilbe für eine Milliarde. Ein Gigavolt also: eine Milliarde Volt, tausend Megavolt. Nun wird die Giga-Factory von Tesla nicht eine Milliarde Mitarbeiter beschäftigen, geplant sind 10’000. Das wäre, pedantisch gezählt, eine Ten-Kilo-Factory. Es gibt durchaus grössere Fabriken. Volkswagen in Wolfsburg beschäftigt 50’000 Mitarbeiter.

Aber lassen wir Tesla die Freude am Superlativ, pardon: am Gigalativ. Auch wenns mir etwas gaga vorkommt. Nun bin ich nur gespannt, ob ich demnächst in der S-Bahn den Teenagersatz hören werde: Du, die Party isch giga gsi!

Vergessen Sie nicht: Sprache ist unser Schatz, hüten und pflegen wir sie!

Erstellt: 04.01.2020, 07:14 Uhr

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