«Götz George blieb auch während der Drehpausen in seiner Rolle»

Der Schweizer Regisseur Urs Odermatt hat mit dem verstorbenen Götz George 2009 den Film «Mein Kampf» gedreht. Kennen gelernt hat er Götz George nicht.

Unnahbar und professionell: Götz George als Schlomo Herzl im Film «Mein Kampf».

Unnahbar und professionell: Götz George als Schlomo Herzl im Film «Mein Kampf». Bild: Jasmin Morgan

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Herr Odermatt, wie war Götz George privat?
Am Set von «Mein Kampf» hat er seine Rolle kaum verlassen. Das heisst: Eigentlich habe ich Götz George privat nicht kennen gelernt, sondern nur den Götz George in der Rolle des jüdischen Bibelverkäufers Schlomo Herzl.

Wurde der Tatort-Kommissar Schimanski ab und zu sichtbar?
Leider habe ich ihn in der Rolle von Schimanski kaum gesehen, deshalb kann ich das zu wenig beurteilen. Ich habe nur erlebt, wie er den Gutmenschen Schlomo Herzl als Götz George mit Georges Ruhrpott-Hintergrund perfekt verkörpert hat. Das hat einwandfrei funktioniert. Er war als Schauspieler sehr diszipliniert und professionell.

War er am Set manchmal etwas cholerisch, wie man ihn aus einigen Interviews kennt?
Von Cholerik habe ich nichts bemerkt, nein. Er war zwar immer sehr ruhig und höflich, aber auch sehr fordernd und bestimmend – man musste als Regisseur wirklich gut vorbereitet sein, und man musste wissen, was man wollte.

Wie hat er sich mit den Kollegen am Set verstanden?
Er hat perfekt in das «Mein Kampf»-Ensemble gepasst, das aus den verschiedensten Leuten bestand. Auf der einen Seite war da Götz George, der schon sehr viel Kameraerfahrung hatte und sehr professionell war, andererseits waren da die Debütantin Anna Unterberger, Bernd Birkhahn vom Burgtheater, der als alter Theaterschauspieler damals noch sehr wenig Filmerfahrung hatte, und Tom Schilling, der damalige Jungstar, der vor dem Dreh wohl nicht einmal genau wusste, wer Götz George war. Trotz den völlig verschiedenen Backgrounds haben die vier Protagonisten zusammengefunden.

Blieb Ihnen ein bestimmtes Erlebnis mit Götz George in Erinnerung?
Sechs Wochen bevor wir mit dem Dreh begannen, haben wir eine Leseprobe durchgeführt. Das bedeutet, Schauspieler und Regie treffen sich und lesen gemeinsam das Drehbuch, um herauszufinden, was auf einen zukommt. Und der Götz, wie er halt war – pünktlich, keine Sekunde zu früh, keine Sekunde zu spät –, kam mit leeren Händen. Dann dachte ich: «Ups, der hat sein Drehbuch vergessen!» Doch bald war klar: Er brauchte gar keines mehr. Er konnte das ganze Drehbuch bereits auswendig. Als die anderen noch ablesen mussten, hat er jede Silbe fehlerfrei ausgesprochen. Die Kollegen mussten erst einmal tief durchatmen.

Erstellt: 27.06.2016, 13:19 Uhr

Urs Odermatt

Urs Odermatt ist Schweizer Regisseur und Autor. Er lebt und arbeitet in Windisch. Der Regisseur ist der Sohn des Fotografen Arnold Odermatt.

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