Kann die Art Basel in Hongkong stattfinden?

Marc Spiegler, Direktor der Art Basel, über Kunst während der Proteste und die bevorstehenden Messen in Miami und Hongkong sowie den abgesagten Event in Abu Dhabi.

Blick auf das Convention Center in Hongkong, wo im März 2020 die Art Basel Hongkong stattfinden soll. Foto: Art Basel

Blick auf das Convention Center in Hongkong, wo im März 2020 die Art Basel Hongkong stattfinden soll. Foto: Art Basel

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Marc Spiegler, seit Monaten wird in Hongkong demonstriert. Die Aktionen haben sich in jüngster Zeit auch in die Altstadt ausgedehnt. Wird die Kunstmesse im März 2020 trotzdem stattfinden?
Ja, unbedingt. Wir verfolgen die Geschehnisse in Hongkong aufmerksam. In Hongkong passen sich die Unternehmen an die sich ständig verändernde Situation an, wobei einige Branchen stärker als andere betroffen sind. Das gilt auch für den Kunstbetrieb.

Die international tätige Zürcher Galerie Hauser und Wirth plante eine Ausstellung in Hongkong mit Annie Leibovitz, die sie jetzt aufgrund der Demonstrationen in der Stadt verschoben hat. Halten Sie das für einen guten Entscheid?
Wir möchten die Entscheidungen einzelner Galerien nicht kommentieren. Wir stellen aber fest, dass die Hongkong-Auktionen gut besucht waren. Sotheby’s verzeichnete im Oktober aussergewöhnlich hohe Umsätze. Auch die Herbstauktionen von Christie’s, die im Hongkong Convention Center stattfanden, in dem auch unsere Messe stattfindet, waren gut besucht. Zudem haben Galerien wie Ben Brown, Lehmann Maupin, Simon Lee und Gagosian in den letzten Wochen ihre Ausstellungen eröffnet. Auch die aus Hongkong stammende Galerie Blindspot eröffnete ihre Gruppenausstellung Holy Mosses, die gut besucht war.

Hoffen Sie auf eine Beruhigung der Lage?
Selbstverständlich. Wir hoffen, dass ein friedlicher und besserer Weg für alle Beteiligten gefunden wird. Es war ermutigend, zu sehen, dass die Wahlen in die Bezirksräte am Wochenende in einer ruhigen Atmosphäre stattfanden.

Sind alle Anmeldungen der Galerien definitiv, und gibt es auch Rückzugsklauseln?
Seit der Bekanntgabe der Galerienliste für Hongkong 2020 hat keine Galerie ihre Teilnahme abgesagt. Bei jeder unserer Messen ist es möglich, dass Galerien aus verschiedenen Gründen ihre Teilnahme zurückziehen. In solchen Fällen würde dann eine Galerie, die sich auf der Warteliste befindet, nachrücken.

Wir sehen die Art Basel als eine globale Plattform, um den Dialog über zeitgenössische und moderne Kunst zu fördern.Marc Spiegler

Kann Kunst in einer Diktatur wie China etwas in Richtung Demokratisierung bewirken?
Seit 2013 ist die Art Basel in Hongkong zu Hause. Wir sehen die Art Basel Messe nicht nur als eine kommerzielle Aktivität, sondern auch als eine globale Plattform, um den Dialog über zeitgenössische und moderne Kunst zu fördern. Die Art Basel bietet Kunstliebhabern aus ganz Asien und dem Westen eine Plattform, um sich zu begegnen und voneinander zu lernen.

Nächste Woche findet die Art Basel Miami Beach mit vielen Galerien aus Südamerika statt. Haben die sozialen Unruhen in Südamerika eine Auswirkung auf die Kunstmesse, oder ist «business as usual» angesagt?
Da unsere Messe in Miami Beach stattfindet, ist diese Messe aus organisatorischer Sicht «business as usual». Wir leben jedoch in turbulenten Zeiten, und das zeigt sich natürlich auch auf unserer Messe, denn Künstler thematisieren die Welt, in der wir leben. Diese Themen behandeln wir auch in unserem Talks Program. In Miami Beach zum Beispiel veranstalten wir einen Vortrag zum Thema «The Global Art Market in a Nationalist World».

Zeigen sich die sozialen Konflikte auch in der aktuellen Kunstproduktion?
Ja. Wenn wir uns die Werke ansehen, die nach Miami Beach kommen, haben wir zum Beispiel Pippy Houldsworth Gallery aus London, die historische und sehr politische Werke der bekannten amerikanischen Künstlerin Faith Ringgold zeigen wird. Die Arbeiten behandeln verschiedene Aspekte der amerikanischen Politik und Geschichte – betrachtet durch eine sehr persönliche Perspektive von Selbstporträts. Die Galerie Walden aus Buenos Aires reaktiviert die Installation «Violencia» von Juan Carlos Romeros, die sich mit dem Diskurs der Massenmedien und ihren Darstellungen von Gewalt beschäftigt. Romeros Installation ruft den Betrachter zum Handeln auf und fordert ihn auf, sich den Mechanismen der Gewalt und ihren verborgenen oder subtilen Manifestationen zu stellen und darüber nachzudenken.

Die Art Basel hat ihre vor zwei Monaten angekündigte neuartige Kunstkonferenz in Abu Dhabi, die für Februar 2020 geplant war, vor zwei Tagen überraschend abgesagt. Man sprach von Ticketpreisen in der Höhe von 15’000 Dollar. Waren die Preise zu hoch?
Art Basel inside in Abu Dhabi im Februar war immer ein ambitioniertes Projekt mit einer sehr kurzen Vorbereitungszeit. Die Ticketpreise sind allerdings nicht der Grund für unseren Rückzug, wir hatten sehr viele Anmeldungen für diesen Event. Wir haben den Entscheid eng abgestimmt mit der MCH Group und dem Abu Dhabi Departement of Culture and Tourism.

Hat der Rückzug politische und/oder wirtschaftliche Gründe?
Nein, es gab keine politischen Gründe. Es war ein sehr ambitioniertes Projekt, das wir nun leider absagen mussten.

Erstellt: 28.11.2019, 21:22 Uhr

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