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100'000 Dollar für Kim-Komödie

Die Nordkorea-Satire «The Interview» soll ihr Publikum finden. Dafür setzt sich nun ein weltbekannter Autor ein – und macht Sony ein Angebot.

Ist stolz auf seine Angestellten: Sony-Chef Kazuo Hirai. (5. Januar 2015)
Ist stolz auf seine Angestellten: Sony-Chef Kazuo Hirai. (5. Januar 2015)
AFP
Die USA beschuldigen Nordkorea offiziell des Hackerangriffs auf Sony: Barack Obama bei einer Pressekonferenz in Washington.
Die USA beschuldigen Nordkorea offiziell des Hackerangriffs auf Sony: Barack Obama bei einer Pressekonferenz in Washington.
Keystone
Terrordrohungen bei der Premiere und Ärger mit Nordkorea: Die Hauptdarsteller von «The Interview», James Franco (links) und Seth Rogen. (11. Dezember 2014)
Terrordrohungen bei der Premiere und Ärger mit Nordkorea: Die Hauptdarsteller von «The Interview», James Franco (links) und Seth Rogen. (11. Dezember 2014)
Kevork Djansezian, Reuters
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Nach dem Stopp der Nordkorea-Satire «The Interview» hat der brasilianische Autor Paulo Coelho dem Konzern Sony 100'000 Dollar für die Rechte an dem Film angeboten. Coelho kritisiert mit seiner Aktion, dass mit Terrordrohungen der Stopp eines Films erreicht wird.

«Ich möchte ihn kostenlos in meinem Blog veröffentlichen», schrieb Coelho am Donnerstag im Internetdienst Twitter. Er bat in seinem Eintrag die brasilianische Vertretung der Filmproduktionsfirma darum, mit ihm in Kontakt zu treten und stellte für sein Angebot eine Frist bis Freitagmittag.

Der Stopp des Films sei ein «furchtbarer Präzedenzfall», sagte Coelho der Zeitung «O Globo». Die Entscheidung von Sony bedeute, «dass die Terroristen gewonnen haben».

Sony hatte die für kommende Woche in den USA geplante Veröffentlichung von «The Interview» nach mysteriösen Terrordrohungen von Hackern abgesagt. Der Konzern reagierte damit auf die Entscheidung mehrerer Kinoketten, den Film wegen der Drohungen nicht zu zeigen.

«The Interview» - der Trailer. Quelle: Youtube

Nun reagiert auch Obama

Die Entscheidung der Filmproduktionsfirma Sony, wegen mysteriöser Terrordrohungen die Nordkorea-Satire «The Interview» zurückzuziehen, schlägt auch in Washington hohe Wellen. Das Weisse Haus erklärte am Donnerstag, US-Präsident Barack Obama halte die Drohungen für eine «ernste Angelegenheit der nationalen Sicherheit». Aus der US-Politik kam aber auch Kritik an Sony, während der Konzern seine Entscheidung verteidigte.

Obamas Sprecher Josh Earnest sagte, es werde eine «angemessene Reaktion» der US-Regierung geben. Eine Gruppe mit dem Namen Guardians of Peace (GOP) hatte Ende November einen Hackerangriff auf Sony gestartet und Interna veröffentlicht. Vor einigen Tagen sprach sie wegen des Films «The Interview» ominöse Drohungen aus und erinnerte an die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA. Sony zog den Film, in dem es um ein fiktives Mordkomplott gegen Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un geht, schliesslich zurück. Er sollte kommende Woche in die Kinos kommen.

Sicherheitsbehörden verdächtigen Nordkorea

US-Medien zufolge verdächtigen die Sicherheitsbehörden der USA eine auf Cyber-Attacken spezialisierte nordkoreanische Eliteeinheit, hinter den Vorfällen zu stecken. Earnest äusserte sich nicht zu dem Verdacht und sagte, er wolle die laufenden Ermittlungen der Bundespolizei FBI und des US-Justizministeriums nicht kommentieren. Anlass zur Sorge gebe aber, dass die Attacke von einem «fähigen Akteur» ausgeführt worden sei.

Sony selbst erklärte zu dem Verdacht, Pyongyang selbst könne hinter den Drohungen stecken: «Wir wissen es nicht, aber es scheint so zu sein.» Die Firma verteidigte zudem ihre Entscheidung, die Veröffentlichung des Streifens abgesagt zu haben. «Das hier ist sehr viel grösser als wir», hiess es aus Unternehmenskreisen. Es handle sich um einen «Terrorakt» und der werde nicht auf die leichte Schulter genommen. Die Kriegsführung habe sich ins Internet verlagert.

Kritik an Sony

Sony erntete aber auch Kritik für den Schritt. Der US-Senator John McCain erklärte, die Entscheidung schaffe einen «beunruhigenden Präzedenzfall», der die Täter nur stärke und dazu ermutige, künftig die Cyber-Waffe noch aggressiver einzusetzen. McCains republikanischer Parteikollege Newt Gingrich sprach im Internetdienst Twitter von einer «sehr gefährlichen» Entwicklung. «Diese Woche haben die USA ihren ersten Cyber-Krieg verloren.»

In «The Interview» geht es um ein fiktives Mordkomplott des US-Geheimdienstes CIA gegen Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un. Die USA vermuten das nordkoreanische Regime als Drahtzieher hinter der Attacke auf Sony.

sda/AFP/chk

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