Zum Hauptinhalt springen

Vom Wetteransager zum Multimillionär

Disney-CEO Bob Iger hat das Studio zum Riesen geformt. Und wird nun entsprechend entlöhnt.

Disney-CEO Bob Iger im Januar 2018, als Minnie Mouse einen Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood bekommt.
Disney-CEO Bob Iger im Januar 2018, als Minnie Mouse einen Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood bekommt.
Mario Anzuoni (Reuters)

Sein wohl bescheidenster Traum war es, vom Wetteransager zum TV-Nachrichtensprecher aufzusteigen. Das war Anfang der Siebzigerjahre, doch Bob Iger erkannte bald, dass er vor der Kamera nichts taugte. Der 1951 geborene New Yorker arbeitete sich danach hinter den Kulissen des TV-Senders ABC hoch, bis dieser in den Neunzigerjahren von Disney aufgekauft wurde. Im Jahr 2000 wurde Iger vom damaligen Disney-Chef Michael Eisner zur Nr. 2 gemacht, nach dessen Entmachtung kam Iger 2005 als neuer CEO zum Zug. Man traute ihm nicht viel zu.

Disney war zu jener Zeit ein Studio, das von seinem Ruf aus besseren Tagen zehrte und mit eigenen Animations- und Familienfilmen kaum noch punktete. Iger beendete diese Durststrecke, indem er eine beispiellose Expansionskampagne startete. Unter seiner Führung investierte Disney weltweit in Freizeitparks, Games und Merchandising.

Iger setzte zudem auf eine drastische Ausweitung der Angebotspalette. 2006 kaufte Disney das führende Animationsstudio Pixar, 2009 wurde das Superhelden-Haus Marvel geschluckt, 2013 kam Lucasfilm (und damit das «Star Wars»-Universum) hinzu. Pixar-Gründer und Apple-CEO Steve Jobs sagte damals: «Bob Iger ist der Aggressivste in dieser Industrie. Das Verhalten der Konsumenten ändert sich, aber er begreift das besser als jemand sonst.»

Disney, das Mass der Dinge

Tatsächlich hat Bob Iger Disney zum aktuell führenden Hollywoodstudio gemacht. 2018 belegt Disney in den USA zum dritten Mal in Folge Platz 1, der Marktanteil im eigenen Land beträgt stolze 26 Prozent, nicht weniger als fünf der Top-10-Filme stammen aus dem Maushaus. Igers Einkommen hat sich unterdessen in exorbitante Höhen geschraubt, wie jetzt das Fachblatt «Variety» berichtet. 2017 erhielt Iger total 36,2 Millionen Dollar an Lohn, Bonus und Aktien. 2018 war es beinahe doppelt so viel: 65,6 Millionen.

Dabei ist anzunehmen, dass Igers grösste Coups erst noch bevorstehen. Der 67-Jährige wird die Zusammenführung und Integration des Medienunternehmens 21st Century Fox überwachen, die bis 2021 abgeschlossen sein soll. Schon in diesem Jahr dürfte Disney Zugang zu Fox-Inhalten bekommen, darunter Oscarfilmen wie «The Shape of Water» oder ausbaubaren Blockbustern wie «Avatar».

Das ist insofern von Bedeutung, als Disney die Lizenzpartnerschaften mit Netflix demnächst beenden will. Der Grund: Unter Igers Führung startet man im Herbst 2019 den eigenen Streamingdienst Disney+. Mit der hauseigenen Filmpalette, den Pixar-Animationsfilmen, den Marvel-Superhelden und der «Star Wars»-Flotte im Gepäck hat der einstige Wetteransager Iger gute Chancen, die aktuellen Streaming-Platzhirsche Netflix und Amazon in Bedrängnis zu bringen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch