Auch das noch: Bruce gegen Clark

Im Kino bekämpfen sich nun Superman und Batman. Dabei wird viel besprochen.

Superhelden in neuem Kontext: Filmplakat zu «Batman v Superman». Foto: PD

Superhelden in neuem Kontext: Filmplakat zu «Batman v Superman». Foto: PD

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Man sollte am Tag, an dem echte Bomben explodierten in Brüssel, einer Stadt, die uns etwas angeht, nicht schreiben müssen über fiktive Explosionen in ­Gotham und Metropolis – zwei Städten, die einem eigentlich gestohlen bleiben können. Und man muss auch nicht, man wurde vom Filmverleih geradezu gebeten, es nicht zu tun, um keine Über­raschung preiszugeben, die über Titel und Trailer von «Batman v Superman: Dawn of Justice» hinausgeht. Da bleibt einem bei einem ohnehin überraschend überraschungsarmen Film nicht mehr viel. Nur, dass das, was explodiert – Irdisches und Überirdisches, Himmlisches und Höllisches –, sehr druckvoll und im harmlosen Rahmen eines grossen Unsinns irgendwie glaubwürdig tödlich wirkt. Die Glaser und Maurer in Gotham und Metropolis werden viel zu tun haben und die Bestatter auch.

Regie führte Zack Snyder, der schon «300» (2006) und den Film «Man of Steel» (2013) inszenierte, welcher tat, als sei er die erste Erscheinung, um nicht zu sagen: Epiphanie des Superman. Und von so was kommt nun eben so was: ­Batman (Ben Affleck) will jetzt dem ­Superman (Henry Cavill) übel, was seine Gründe im kryptonischen Krieg hat, den der General Zod in jenem ersten Film auf die Erde gebracht hat – was wiederum beim Kryptonen Superman, der als Clark Kent still und harmlos lebte, die Milch der frommen Denkart in gärend Gift verwandelte. Sodass es beim übermenschlichen Kampf zu menschlichen Kollateralschäden kam. Nicht nur in Metropolis, sondern auch in Gotham, wo dem Bruce Wayne, also Batman in ­Zivil, ein Bürohaus verschüttging und Angestellte zu Schaden kamen.

Dreck am Stecken

Daher nun die Ressentiments, die Batman über die Zeit ins Philosophische, ja Religiöse überhöht. Derart, dass er ­Superman in seiner Gottgleichheit zum natürlichen Menschenfeind erklärt, obwohl Batman ja auch Dreck am Stecken hat und ein paar neurotische Macht- und Göttlichkeitsfantasien. So schreitet der Film quasi einen psychologischen, theologischen und rechtsphilosophischen Raum aus und räsoniert über das mephistophelische Prinzip hinter der göttlichen Allmacht, die auch das Böse schaffen muss, wenn sie das Gute will. Es wird sogar sehr viel räsoniert, und man darf von amüsanter Langeweile reden und von komplizierter Einfältigkeit.

Dass sie sich verhauen, ist ja klar. Die Brachialität ist grob, stählerne Körper werden Abrissbirnen. Superman hat die Kraft, Batman die Technik. Und nebenbei spucken Himmel und Hölle, von ­denen auch viel die Rede ist, noch zwei erstaunliche Kreaturen aus, ein metamenschliches Wesen von archaischer Erotik und eine kryp­tonische Superspottgeburt. Die Götter schlagen sich, der Mensch schaut zu und weiss: Es wird die Mühe nicht wert gewesen sein. Aber vergnüglich ist es schon, wie Zack Snyder die Schwerkraft episch nützt. Ganz nach dem Prinzip, das Lessing vor grad 250 Jahren formulierte: «Wenn Götter einander mit Steinen bewerfen, so müssen diese Steine auch die Götter beschädigen können.»

In Zürich ab Donnerstag in den Kinos Abaton, Arena, Corso und Metropol. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.03.2016, 19:07 Uhr

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