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Das Grosi-Girlie

Viel Botox und noch mehr Ehrgeiz: Wie sich die 64-jährige Cherilyn Sarkisian immer wieder in das ewig junge US-Sexsymbol Cher verwandelt.

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Es gibt da diesen Witz: Wer überlebt den nächsten Atomkrieg? Kakerlaken und Cher! Dieser Tage muss sich die als Cherilyn Sarkisian geborene Sängerin den Spruch besonders oft anhören – wie immer, wenn sie eines ihrer Comebacks gibt: Am Donnerstag startet der Film «Burlesque» in den Kinos, Cher spielt darin die Chefin eines Revuetheaters. «Trotz maskenhafter Mimik – Botox und Schönheitsoperationen fordern ihren Tribut», so ein Kritiker, «absolviert sie ihren Part mit Grazie.»

Wie ein Kommentar auf Chers eigenes Leben erscheint diese Rolle; die 64-Jährige ist das Ur-Showgirl der amerikanischen Unterhaltungsindustrie. Schon in den 60ern war sie mit ihrem Mann Sonny Bono erfolgreich als Sonny & Cher unterwegs. In den 70er-Jahren moderierte sie ihre eigenen TV-Shows und wurde zur Ulknudel der Nation. Umso erstaunter war man, als Cher 1983 im Atomkraftwerks-Drama «Silkwood» ihren Einstand als Charakterdarstellerin gab. Danach spielte sie in verschiedenen Filmen mit und gewann 1987 für «Mondsüchtig» den Oscar.

Vergleich mit Céline Dion

In den 80ern zementierte Cher mit dem Videoclip zum Song «If I Could Turn Back Time» lange vor Madonna das Image als alterslose US-Sexgöttin. Im Clip reitet sie in einem durchsichtigen Netzbody und schwerer Lederjacke auf dem Kanonenrohr eines Schlachtschiffs der US-Marine – zur Freude der 20 Jahre jüngeren Soldaten. Das Bild passt zu Chers Umgang mit Männern. Nach der Trennung von Sonny konservierte sie ihren Superstar-Status durch aufsehenerregende Affären, unter anderem mit Kiss-Chef Gene Simmons, dem Bon-Jovi-Gitarristen Richie Sambora oder Label-Boss David Geffen. Und gefiel ihr ein Nobody, soll sie ihren Assistentinnen befohlen haben: «Zieht ihn aus, wascht ihn und bringt ihn in mein Zelt.» Glücklich wurde sie im Privatleben allerdings nicht. Heute lebt sie allein, lange haderte sie mit der Homosexualität ihrer Tochter (die sich kürzlich zu einem Mann umwandeln liess).

Cher, optisch eine Art aufgedonnerte Kleopatra , gehörte auch lange zu den gefragtesten Models der Welt und zierte die Covers von «Vogue» oder «Cosmopolitan». In die Wiege gelegt wurde dem Spross einer Indianerin und eines Truckfahrers der Erfolg nicht. «Meine Mutter», sagte sie in einem Interview, «hat mir eingebläut: ‹Honey, du bist nicht die Hübscheste, nicht die Klügste und auch nicht die Talentierteste – also mach das Beste daraus›.» Der Ratschlag hat gewirkt. Chers Vermögen wird auf über 600 Millionen Dollar geschätzt, sie ist die weltweit reichste weibliche Musikerin. Für einen Auftritt im Caesars Palace in Las Vegas kassiert sie heute 1 Million US-Dollar. «Ich weiss, dass ich nicht so eine tolle Stimme habe wie Celine Dion oder Whitney Houston», analysiert Cher ihr Erfolgsgeheimnis, «aber ich bin eine verdammt gute Performerin.»

Ein dreckiger Job

Und dazu gehört die entsprechende Verpackung. Mehrere Stunden sind nötig, bis aus Cher die Diva wird, wie man sie kennt. Der alternde Star gibt Unmengen für Gesichtsbehandlungen und spezielle Wohlfühlkuren aus, unter anderem für Lichttherapien, um dunkle Pigmentflecken zu entfernen und Blutäderchen in der Haut zu unterstützen. So erst wird aus Cherilyn Sarkisian die ewig junge Ikone der amerikanischen Popkultur.

Und ja, natürlich gehören neben kosmetischen Meisterleistungen auch chirurgische Eingriffe dazu. Nach den ersten 25 hat die Presse aufgehört mitzuzählen. Sogar zwei Rippen soll man Cher herausgebrochen haben. «Unsinn», meint sie: «Nur Nase, Busen und Zähne sind gemacht.» Auch dass sie unter Jugendwahn leide, streitet das Grosi-Girlie ab. Den Schönheitstorturen unterziehe sie sich nur noch, wenn Fernsehkameras oder Konzertbesucher auf sie warten. «Es ist ein dreckiger und lächerlicher Job, Cher zu sein», sagt die Entertainerin, die seit 45 Jahren auf der Bühne steht, «aber irgendeiner muss ihn ja machen.»

Erstellt: 03.01.2011, 13:48 Uhr

Film

«Burlesque» mit Cher, Christina Aguilera, Regie: Steven Antin. Ab Donnerstag im Kino.

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