Das fette Phantom von Cannes

Alle wollten ihn sehen, manche konnten ihn sehen, die meisten wussten nicht, wo sie ihn sehen konnten: Der Film «Welcome to New York» über Strauss-Kahns Sexaffäre bot eine Farce an der Seitenlinie in Cannes.

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Gérard Depardieu als dauerkopulierender Dominique Strauss-Kahn: Kein Wunder, redeten alle über «Welcome to New York», obschon der Film in Cannes gar nicht offiziell programmiert war. Das Studio Wild Bunch zeigte ihn am Samstagabend in winzigen Kinos an der Geschäftsstrasse, alle anderen waren ja schon ausgebucht. Vor den Kassen kam es zu Gebrüll und Stampeden, und besser hätte diese Uraufführung aus marketinglogischen Gesichtspunkten nicht ablaufen können.

Mai 2011: Dominique Strauss-Kahn (DSK), Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), wird in New York verhaftet. Man wirft ihm die versuchte Vergewaltigung eines Zimmermädchens im Sofitel vor. Ein Ernstfall des saftigen Skandals, der rasch Kreise zieht. Im Film spielt Gérard Depardieu das politische Schwergewicht DSK als Mann der Triebe und der Macht, als einen grunzenden Fleischhaufen mit raumgreifender Anspruchshaltung. Über Strauss-Kahns Schuld lässt der Film des zuverlässig verrückten Regisseurs Abel Ferrara wenig Zweifel, und auch sonst zeigt «Welcome to New York» manches explizit, vor allem Schweinigeleien in Hotelzimmern. Und das, obwohl sich der Film eine Erfindung nennt und Strauss-Kahn darin Monsieur Devereaux heisst.

Die Ex-Frau drohte

Die Tickets gingen dann schnell zur Neige. Aber nach der Premiere wurde der mit einem 3-Millionen-Euro-Budget gedrehte Film schon als Download feilgeboten, etwa auf iTunes. Das Studio ärgerte damit nicht nur Strauss-Kahns Ex-Frau Anne Sinclair, die verlauten liess, sie werde es sich zur Aufgabe machen, das Leben des Wild-Bunch-Chefs Vincent Maraval zu zerstören. Es düpierte auch die französischen Kulturbehörden, die es nicht vertragen konnten, dass ein Film statt im Kino im Netz angeboten wird.

Wirbel, Schwurbel. Und der Film? Regisseur Ferrara will gar kein Drama über DSK gedreht haben. Sein Film, sagte er, handle vom Zusammenbruch einer Ehe im Zeichen öffentlicher Beobachtung. Jacqueline Bisset spielt Strauss-Kahns Frau, und die Auseinandersetzungen am Küchentisch inszeniert Ferrara als hoffnungslos überdrehte Streitszenen einer Ehe. Man konnte es dann sehen, aber man wollte nicht mehr.

So kriegte ein Machtmensch, der sich ins Gespräch brachte, einen Film, der zum Gespräch wurde. Und das flüchtige Phantom, dem alle nachrannten, entpuppte sich als Sack aus Haut, Fett, Gewalt und Lust. Man hätte es sich denken können.

Erstellt: 19.05.2014, 11:07 Uhr

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Trailer (französisch): «Welcome to New York».

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