Das sind die Favoriten für den Schweizer Filmpreis

Ein Debütfilm überrascht bei den Nominationen für den Schweizer Filmpreis.

Der Jung-Regisseur Jaquemet trat gegen renomierte Filmemacher an: Der Trailer von «Chrieg».


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An den Lippen von Isabelle Chassot hingen heute Abend Dutzende Schweizer Filmschaffende. Die Direktorin des Bundesamtes für Kultur (BAK) machte anlässlich der 50. Solothurner Filmtage den Auftakt zum Schweizer Filmpreis 2015. Einen klaren Favoriten wie im vergangenen Jahr «Der Goalie bin ig» gibt es für den Quartz, der am 13. März in Genf verlieren wird, keinen.

Beste Chancen

Zwei Spielfilm-Regisseure durften sich im Konzertsaal allerdings besonders freuen: «Chrieg» von Simon Jaquemet sowie «Der Kreis» von Stefan Haupt haben mit je fünf Nominationen die meisten Chancen auf einen Schweizer Filmpreis.

Besonders für den 1978 in Zürich geborenen Regisseur Jaquemet sind die fünf Nominationen eine Überraschung, trat er doch gegen renommierte Filmemacher an. Ein Vorbote für Jaquemets Erfolg an der Nacht der Nominationen war das Max Ophüls Nachwuchsfilmfest in Saarbrücken am vergangenen Wochenende: Dort gewann «Chrieg» den Hauptpreis.

«Chrieg» ist ein Drama über den 15-jährigen Matteo, der von seinem Vater in ein vermeintliches Erziehungscamp in die Berge geschickt wird. Nominiert ist «Chrieg» in den Sektionen «Bester Spielfilm», «Bester Darsteller» (für Nachwuchsschauspieler Benjamin Lutzke), «Beste Nebenrolle» (für Ella Rumpf), «Beste Kamera» und «Beste Montage». «Der Kreis» von Stefan Haupt

Dass auch «Der Kreis», Haupts Film über die Homosexuellen-Szene im Zürich der 1960er Jahren, zu den Favoriten des Filmpreises gehört, erstaunt wenig: Das Werk, das fiktive und dokumentarische Teile vereint, wurde vom BAK zum Schweizer Oscar-Beitrag für den besten ausländischen Film gewählt und erhielt bereits an diversen Filmfestivals eine Auszeichnung.

Je vier Nominationen erhalten haben Stina Werenfels' neuer Spielfilm «Dora oder die sexuellen Neurosen unserer Eltern» sowie «Pause» des Westschweizers Mathieu Urfer. «Electroboy» von Marcel Gisiger brachte es immerhin auf drei Nominationen.

Auffallend an der Liste sind die zahlreichen Nominationen für Debütfilme oder Jungdarsteller - dass die Schweiz derzeit über einen starken Filmnachwuchs verfügt, zeigt sich auch an den 50. Filmtagen, die am Donnerstag enden. Nominiert wurden neben «Chrieg» und «Pause» etwa auch «Unter der Haut» von Claudia Lorenz oder «Driften» von Karim Patwa.

Fast eine halbe Million Franken vergeben

Für den Schweizer Filmpreis 2015 wurden insgesamt 88 verschiedene Filme in den 11 Kategorien angemeldet. 300 Mitglieder der Schweizer Filmakademie sahen sich die Kandidaten an und beurteilten sie. Die Resultate der anonymen Abstimmung dienen der Nominationskommission jeweils als Empfehlung, wie das BAK in einer Medienmitteilung vom Mittwochabend schreibt.

Die Nominationen, die zum zweiten Mal auch in der Kategorie beste Montage erfolgten, sind bereits mit Preisgeldern verknüpft. Insgesamt wurden am Mittwoch 440'000 Franken vergeben. Der Schweizer Filmpreis Quartz bringt den Filmschaffenden nur noch Ehre und kein Geld mehr ein. (wid/sda)

Erstellt: 28.01.2015, 21:50 Uhr

Die Nominierten

Bester Spielfilm (25'000 Franken je Nomination)
«Bouboule» von Bruno Deville, «Chrieg» von Simon Jacquemet, «Der Kreis» von Stefan Haupt, «Dora oder die sexuellen Neurosen unserer Eltern» von Stina Werenfels, «Pause» von Mathieu Urfer


Bester Dokumentarfilm (25'000 Franken je Nomination)
«Electroboy» von Marcel Gisler, «Iraqi Odyssey» von Samir, «Tableau Noir» von Yves Yersin, «ThuleTuvalu» von Matthias von Gunten, «Yalom's Cure» von Sabine Gisiger

Bester Kurzfilm (10'000 Franken je Nomination)
«Discipline» von Christophe M. Saber, «En août» von Jenna Hasse, «La petite leçon de cinéma: le documentaire» von Jean-Stéphane Bron, «Petit homme» von Jean-Guillaume Sonnier, «Tisina Mujo» von Ursula Meier

Bester Animationsfilm (10'000 Franken je Nomination)
«Aubade» von Mauro Carraro, «Messages dans l'air» von Isabelle Favez, «Timber» von Nils Hedinger

Bestes Drehbuch (5000 Franken je Nomination)
«Bouboule» (Antoine Jaccoud, Bruno Deville), «Der Kreis» (Stefan Haupt, Christian Felix, Ivan Madeo, Urs Frey), «Dora oder die sexuellen Neurosen unserer Eltern» (Stina Werenfels, Boris Treyer)

Beste Darstellerin (5000 Franken je Nomination)
Ursina Lardi in «Unter der Haut», Sylvie Marinkovic in «Cure - The Life of Another», Sabine Timoteo in «Driften»

Bester Darsteller (5000 Franken je Nomination)
Baptiste Gilliéron in «Pause», Benjamin Lutzke in «Chrieg», Sven Schelker in «Der Kreis»

Beste Nebenrolle (5000 Franken je Nomination)
Nils Althaus in «Pause», Peter Jecklin in «Der Kreis», Ella Rumpf in «Chrieg»

Beste Filmmusik (5000 Franken je Nomination)
«Dora oder die sexuellen Neurosen unserer Eltern» (Peter Scherer), «Electroboy» (Balduin), «Pause» (Mathieu Urfer, Marcin de Morsier, John Woolloff, Ariel Garcia), «Yalom's Cure» (Balz Bachmann)

Beste Kamera (5000 Franken je Nomination)
«Chrieg» (Lorenz Merz), «Dora oder die sexuellen Neurosen unserer Eltern (Lukas Strebel), «ThuleTuvalu» (Pierre Mennel)

Beste Montage (5000 Franken je Nomination)
«Chrieg» (Christof Schertenleib), «Der Kreis» (Christoph Menzi), «Electroboy» (Thomas Bachmann)

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