Der Schweizer James Dean

Der Schweizer Radfahrer Hugo Koblet war ein Popstar - bis er mit seinem Wagen in einen Baum raste und starb. Am Donnerstag kommt der Spielfilm über ihn ins Kino.

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Die Geschichte ist so bekannt wie faszinierend. Hugo Koblet war ein Idol, wurde als James Dean des Radsports bezeichnet. Und sein Leben nahm ein ähnliches Ende wie jenes des amerikanischen Schauspielers – mit einem Autounfall.

Mit jenem grauen Tag am 6. November 1964 beginnt der Film «Hugo Koblet – Pédaleur de charme». Mit jener fatalen Fahrt Koblets zwischen Mönchaltorf und Esslingen im Zürcher Oberland. Mit jenem Bild des weissen Alfa Romeo, der an einem Birnbaum wie eine Handorgel zusammengestaucht wurde. So beginnt die Retrospektive auf das wohl bewegendste Leben eines Schweizer Spitzensportlers.

Einstige Rivalität lebt noch immer

Manuel Löwensberg, der Sohn von Bundesrat Moritz Leuenberger, verkörpert Koblet und drehte seine Runden auf der offenen Rennbahn in Oerlikon. Hier begann die schnelle Karriere des schnellen Bäckersohns aus dem Kreis 4. Im Zentrum Zürichs trug er mit dem Velo Brote aus. Auf der Rennbahn wurde sein Talent erkannt.

Mit einer geschickten Mischung aus Originaldokumenten, aktuellen Interviews mit Zeitgenossen und fiktionalen Szenen wird dem Phänomen Koblet in einer gleichsam tiefgründigen und unterhaltsamen Weise auf den Grund gegangen. Vor allem die Aussagen von Ferdy Kübler, seinem damaligen Konkurrenten, erwecken die einstige Rivalität wieder zum Leben. Und es ist dem ältesten noch lebenden Tour-de-France-Sieger anzumerken, wie sehr ihn jede Niederlage gegen das Talent aus der Stadt auch heute noch schmerzt.

Das Leben als Frauenheld und Lebemann

Wenn Kübler erzählt, dass er einen Vertrag habe unterschreiben müssen, Koblet als Helfer zu unterstützen, spürt man die Verbitterung in den Worten. Kübler war nicht mit dem Talent von Koblet gesegnet gewesen, war nicht jener Lebemann. Kübler war der verbissene Athlet, der Trainingsstunde um Trainingsstunde absolvierte, um seine Erfolge feiern zu können. Es war Teil dieser Rivalität. Und diese wiederum ist ein wunderbar herausgearbeiteter Aspekt im Film.

Ebenso deutlich wird Koblets Leben als Frauenheld. Nicht umsonst wurde der Zürcher schon vor seinem tragischen Tod als Schweizer James Dean bezeichnet. Dem weiblichen Geschlecht konnte er ebenso nicht widerstehen, wie er (finanzielle) Bitten seiner vermeintlichen Freunde ablehnte. Darunter litt auch die Beziehung zu seiner Frau. Sonja Bühl war ein attraktives Model, das er auf der offenen Rennbahn in Oerlikon kennenlernte und um das er erfolgreich warb.

Frage nach dem Selbstmord bleibt offen

Und kann dem Film eine Schwäche vorgehalten werden, so ist es der fehlende Auftritt der Witwe Koblet. Die strapazierte Beziehung zwischen dem Model und dem Radprofi, dessen Stern sank, wird zwar nachgezeichnet, doch als Zeitzeugin tritt Sonja Koblet nicht vor die Kamera. So wird letztlich auch die Frage (bewusst) nicht beantwortet, ob der «Pédaleur de charme» seinem Leben freiwillig ein Ende setzte oder nicht. In einer Biografie vertrat sie die Suizid-These. Nur über das letzte Gespräch mit ihrem Ex-Mann schwieg sie sich aus: «Ich hab ihm noch versprochen, dass das in mir bleibt. Ich bin dann mit Tränen aus diesem Zimmer gegangen.»

Erstellt: 14.09.2010, 14:26 Uhr

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