«Der sieht ja aus wie ein Huhn»

Michael Cimino hat den Ehrenleoparden von Locarno erhalten – und das Design des Preises kritisiert.

Regenfest: Michael Cimino setzte sich nach der Ehrung trotz schlechtem Wetter stundenlang auf die Piazza.

Regenfest: Michael Cimino setzte sich nach der Ehrung trotz schlechtem Wetter stundenlang auf die Piazza.

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Der legendäre Michael Cimino, Regisseur von Filmklassikern wie «The Deer Hunter» und «Heaven’s Gate», hat am Filmfestival von Locarno den Ehrenleoparden bekommen. Bei der Verleihung gestern Abend war der 76-Jährige sichtlich gerührt. Das Design des Leoparden, den er erhielt, gefiel ihm allerdings nicht: «Der sieht ja aus wie ein Huhn», sagte er dem Publikum auf der Piazza Grande.

Michael Cimino hatte für seinen Vietnam-Film «The Deer Hunter» 1979 den Oscar für die beste Regie und den besten Film gewonnen. Sein 1980 produzierter gigantischer Spätwestern «Heaven’s Gate» galt lange als einer der grössten Flops der Filmgeschichte, der zum Zusammenbruch des traditionellen Hollywoodstudios United Artists führte. Unterdessen wird auch dieser Film, besonders in Europa, als Meisterwerk gefeiert. Cimino selber wurde aber die Arbeit danach schwer gemacht, 1996 drehte er seinen letzten Kinofilm.

Mit Pelerine mitten ins Publikum

Umso bewegender sind die raren Auftritte des Regisseurs wie derjenige gestern Abend in Locarno. Er sei eigentlich gar kein Filmemacher, sagte er dem Publikum, er habe Architektur und Kunst studiert. Und habe oft in seiner Karriere gezweifelt, ob er auf dem richtigen Weg sei. Manchmal zweifle er noch heute.

Keinen Zweifel hatte er allerdings angesichts des Tieres, das er überreicht bekam. «Ich habe dem Festivalpräsidenten Marco Solari vorhin vorgeschlagen, das Design der Statuette zu ändern», sagte er auf der Piazza: «Damit das ein richtiger Leopard wird, müssen da wenigstens ein paar Tupfer drauf.» Dann sprach er ernsthafter über seine Kino-Dreifaltigkeit: die Regisseure John Ford, Akira Kurosawa und Luchino Visconti, dessen Film «Il gattopardo» – «Der Leopard» – ihm ganz besonders gut gefällt.

Cimino ist aber nicht nur ein Mann der schönen Worte, sondern auch der Tat. Er werde später zurückkommen und sich um Mitternacht mit dem Publikum den als zweiten Film programmierten «The Deer Hunter» ansehen, versprach er bei der Preisverleihung. Das tat er dann tatsächlich. Setzte sich mit Pelerine ins Publikum. Und blieb, trotz heftigem Gewitterregen, bis zum Ende des Films um drei Uhr in der Früh. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.08.2015, 11:05 Uhr

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