Die Hübsche mit dem Shrek-Gesicht

Ist sie nun die neue Keira Knightley? Oder die neue Audrey Hepburn? Viele Namen mussten schon dafür herhalten, um die 25-jährige Britin Carey Mulligan zu beschreiben.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Vor einem Jahr war sie plötzlich da. Die junge britische Schauspielerin mit dem noch jüngeren Gesicht. Mit dem Kinofilm «An Education», ihrer ersten Hauptrolle überhaupt, spielte sich Carey Mulligan gleich auf die Nominationsliste für den Oscar 2010. Seither ist sie der Liebling Hollywoods, Schauspielkollegen wie Kristin Scott Thomas oder Emma Thomson überhäufen sie mit Komplimenten, Anna Wintour setzte sie aufs Oktober-Cover der amerikanischen «Vogue».

Diesen Donnerstag läuft Carey Mulligans neuer Film in den Schweizer Kinos an. Sie bringt ein bisschen Gefühl ins sonst ziemlich kalte Finanzmilieu von «Wall Street 2: Money Never Sleeps». Sie spielt die Tochter von Michael Douglas alias Gordon Gekko und Freundin von Shia LeBeouf alias Jacob, der auch in ihrem richtigen Leben eine Rolle spielt.

«Heirate einen Anwalt»

Den Machern der amerikanischen Serie «Glee», die ab kommendem Januar auch bei SF laufen soll, ist das alles völlig egal. Obwohl Carey Mulligan unbedingt mitspielen möchte, habe man ihr gesagt, sie sei noch zu wenig bekannt für einen Gastauftritt. Das passt zur 25-Jährigen. Keine der Londoner Schauspielschulen, bei denen sie sich – hinter dem Rücken ihrer Eltern, einem Hotelmanager und einer Collegedozentin – beworben hatte, wollte sie haben. Sie sei zu jung. Und der britische Schauspieler Julian Fellowes, den sie um Tipps gebeten hatte, wie sie ihren Schauspieltraum verwirklichen könne, habe zu ihr gesagt: «Heirate einen Anwalt.»

So jobbte Carey Mulligan in einer Bar, als Putzhilfe und in einem Filmstudio, in der Hoffnung, entdeckt zu werden, und besuchte zwischendurch Theaterworkshops. Dann endlich: 18-Jährig sprach sie bei «Pride and Prejudice» vor und bekam die Rolle als Keira Knightleys jüngere Schwester, die dafür eine Oscarnomination erhielt. Auch sie war eine dieser vielversprechenden Newcomerinnen. Hochgelobt. Ihr soll Mulligan die Hauptrolle im Remake von «My Fair Lady» weggeschnappt haben, das 2012 in die Kinos kommen soll.

Carey wollte Kevin sein

Carey Mulligan: Die neue Keira Knightley. Die neue Michelle Williams. Die neue Audrey Hepburn. Viele Namen mussten schon dafür herhalten, um die 25-jährige Britin zu beschreiben, die ab dem dritten Lebensjahr in deutschen Hotels aufgewachsen ist. Sie selber will von diesen Vergleichen nichts wissen. «Audrey Hepburn ist eine Göttin und hatte keinen schiefen Mund und Wangen wie Shrek, wie ich.»

Dass diese Bescheidenheit keine Masche ist, sondern vermutlich echt, scheinen ihre öffentlichen Auftritte zu beweisen. Da steht sie immer ein wenig schüchtern herum, kichert verlegen, gibt bescheiden und fast schon naiv Auskunft. Etwa, dass sie davon geträumt habe, eine Rolle wie die des Kevin in «Kevin allein zu Haus» zu spielen, oder dass sie als Kind viel Zeit in diesen Hotelwägelchen mit der dreckigen Bettwäsche verbracht habe. Carey Mulligan ist keine laszive Schönheit wie Scarlett Johansson, keine starke Frau wie Kate Winslet. Und sie soll also die Zukunft Hollywoods sein? Diese junge Frau, die so jung ausschaut wie die 16-Jährige, die sie in «An Education» spielt? Die wirkt, als könne sie kaum glauben, was um sie herum geschieht?

Die zwei Extreme

Auf der Leinwand ist alles anders. Carey Mulligan hat tatsächlich etwas. Sie zieht einen in ihren Bann, wenn sie spielt. Ihre Anmut und ihre tiefe Stimme mit dem britischen Akzent wollen so gar nicht zu ihrem mädchenhaften Auftreten passen. Sie ist wandelbar. Die temperamentvolle Schülerin Jenny nimmt man ihr genauso ab, wie die verletzliche Journalistin und Kriminellen-Tochter Winnie Gekko. In ihrem neusten Film, «Never Let Me Go», der vor kurzem in den amerikanischen Kinos angelaufen ist, soll sie ihre Rolle so eindrücklich spielen, dass sie «bald allen ein Begriff sein wird als dieses grossartige Talent mit der aussergewöhnlichen Fähigkeit, eine emotionale Tiefe auszudrücken». Das schreibt zumindest die amerikanische «Vogue».

Vielleicht könnte Carey Mulligan es in Hollywood tatsächlich schaffen und zwar längerfristig. Sie scheint auf dem Boden geblieben zu sein, nimmt sich nicht so wichtig, wirkt selbstironisch. Zudem will Carey Mulligan unbedingt den Fehler vermeiden, in eine Schublade gedrängt zu werden. Sie habe Angst davor, sich zu wiederholen und dieselben Rollen zu spielen. «Ich will nicht das britische Mädchen sein, das Korsetts trägt.» So sagt sie lieber eine Rolle ab, statt alles anzunehmen, um im Gespräch zu bleiben. Das will sie sowieso nicht.

Mulligan hat Angst davor, eine «Persönlichkeit» zu werden. In Talkshows würde sie am liebsten einfach ein Schild mit den wichtigsten Fakten hochhalten und wieder gehen. «Wenn die Leute all diese Bilder und Stories mit dir verbinden, heisst das, dass sie sich mehr anstrengen müssen, damit sie dir einen Charakter abnehmen.» Vielleicht hat Carey Mulligan deshalb so lange wie möglich versucht, ihre Beziehung zu Shia LeBoeuf, ihrem Partner aus «Wall Street 2», geheim zu halten. Kurz darauf folgten schon die ersten Fremdgeh-Gerüchte. Der Beweis, dass die Britin interessiert. Wenn es mit der Karriere weiterläuft, wie in den vergangenen zwei Jahren, wird sie nicht darum herum kommen, eine «Persönlichkeit» zu werden. Aber es ist ihr zuzutrauen, dass sie diese auf der Leinwand wieder vergessen macht. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.10.2010, 12:41 Uhr

Film

«Wall Street 2» von Oliver Stone startet morgen in den Kinos.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Blogs

Sweet Home Best of Homestory: Junges Wohnglück in Luzern

Tingler Der Stau

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Er braucht ein gutes Gleichgewicht: Ein Gaucho reitet in Uruguay ein Rodeo-Pferd. (17. April 2019)
(Bild: Andres Stapff) Mehr...