Die Wahrheit über Woody

Vilmos Zsigmond glaubt nicht, dass Woody Allen noch Freude am Filmemachen hat. Das zeigt auch sein neues Werk «You will meet a tall dark stranger».

Dreht jedes Jahr einen Film, auch wenn er keine Freude mehr daran zeigt: Woody Allen bei einer Präsentation seines neuen Werkes in New York.

Dreht jedes Jahr einen Film, auch wenn er keine Freude mehr daran zeigt: Woody Allen bei einer Präsentation seines neuen Werkes in New York. Bild: Keystone

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Ein Angestellter, der sich seinem Vorgesetzten gegenüber nicht loyal zeigt, verdient eigentlich keine Anerkennung. Wie in der kommunen Arbeitswelt gilt das auch in der Kunst, wenn der Vorgesetzte, sagen wir, Woody Allen heisst und der Angestellte sein Kameramann ist.

So gesehen hat sich Vilmos Zsigmond nicht gerade wie ein Ehrenmann verhalten, als er am diesjährigen Zurich Film Festival von dem sehr verehrten Woody Allen erzählte, für den Zsigmond immerhin schon bei drei Filmen die Kamera geführt hat, zuletzt eben auch bei «You Will Meet A Tall Dark Stranger». So heisst das neuste Werk des Berufsneurotikers, der heute seinen 75. Geburtstag feiert. Es ist Allens weissnichtwievielter Film, und der ungarische Kameramann erlebte auf dem Set einen Regisseur, der, wie ihm schien, nur noch deshalb jedes Jahr einen neuen Film drehe, weil er das Geld brauche (die Alimente, wahrscheinlich). Dabei, so Zsigmond weiter, sei es offensichtlich, dass Woody Allen überhaupt keine Lust mehr habe am Filmemachen, weshalb jede Szene so zügig abgedreht werde wie nur irgend möglich. Kamera läuft, Klappe, ein Take, und die Sache ist im Kasten.

Lauter Belanglosigkeit

Wie gesagt: Eigentlich gehört sichs nicht für einen Angestellten, so über seinen Chef zu lästern. Aber dann sieht man sich diesen Film im Kino an, und wie bei allen von Woody Allens neueren Filmen freut man sich dabei auf so schillernde Schauspieler wie Anthony Hopkins und Antonio Banderas, und erst wundert man sich noch, dass man ihnen so völlig unbeteiligt zuschaut in diesem amourösen Reigen, aber dann wundert man sich auch darüber nicht mehr, weil man eingenickt ist vor lauter Belanglosigkeit. Und als man sich beim Abspann die Augen reibt, weil die Lichter angehen im Saal, denkt man müde, dass man doch besser zur Retrospektive im Filmpodium gegangen wäre, wo nur die guten Filme von Woody Allen laufen, nicht die neuen. So erinnert man sich unweigerlich wieder an die Worte des Kameramanns, denn er mag zwar nicht eben ein treu ergebener Untergebener sein, der Herr Zsigmond, aber wahrscheinlich sprach er bloss die Wahrheit aus, die sonst niemand zu sagen sich traut. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.12.2010, 08:25 Uhr

Woody's Neuer

«You Will Meet A Tall Dark Stranger»läuft ab dem 2. Dezember 2010 in Zürich in den Kinos Arthouse Le Paris, Capitol und Arena. Filmkritik morgen im «Züritipp».

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