Die besten Filme des 21. Jahrhunderts

Streaming belebte das Kino der letzten 20 Jahre. Wir erlebten neue Genres – und die Hochzeit des smarten Blockbusters: Das sind unsere Favoriten.

«Eternal Sunshine of the Spotless Mind» mit Kate Winslet und Jim Carrey (2004).

«Eternal Sunshine of the Spotless Mind» mit Kate Winslet und Jim Carrey (2004).

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Das Kino in den letzten 20 Jahren? Es ist viel passiert, die Digitalisierung hat Vorführtechnik und Distribution umgewälzt, seither ist die Zahl der Filmstarts explodiert. Parallel entstanden riesige Streamingplattformen. Vital waren in den letzten 20 Jahren das Genrekino und hybride Formen zwischen Fiktion und Doku, aber auch grosse Hollywood-Filmreihen blieben potent, die zudem mit kultureller Vielfältigkeit experimentierten, während der europäische Autorenfilm langsam überaltert. Erlebt haben wir auch die Hochzeit des intelligenten Blockbusters. Hier sind unsere Highlights.

20. «Sehnsucht» (Deutschland, 2006)
Die Sehnsucht ist ein unverfilmbares Gefühl. Wirklich? Der deutschen Regisseurin Valeska Grisebach gelingt es in diesem Film über die Liebe(n) eines Feuerwehrmannes. Zum Porträt der Regisseurin; zur DVD.

19. «Paradies: Liebe» (Österreich, 2012)
Der österreichische Menschenstudierer Ulrich Seidl hat seinen Spielfilm über Sextourismus in Kenia mit echten Beach-Boys gedreht, getragen wird dieses herausragende Werk über das Verlangen und die lächerliche Realität aber von der umwerfenden Hauptdarstellerin Margarethe Tiesel. Zur Besprechung; Stream auf Netflix.

18. «Once Upon a Time in Anatolia» (Türkei, 2011)
Wo ist bloss die Leiche? Die Polizei fährt einen Verdächtigen durch die anatolische Nacht. Der Türke Nuri Bilge Ceylan entwickelt einen Thriller in Superzeitlupe. Der Zuschauer rätselt, und wann immer er denkt, jetzt habe er den Fall gelöst, bleibt sein Herz fast stehen. Stream bei Filmingo.

17. «Le quattro volte» (Italien, 2010)
Die Berge von Kalabrien, ein Ziegenhirt stirbt, ein Zicklein wird geboren, das legt sich unter eine Tanne und stirbt ebenfalls, die Tanne lebt, dann wird auch sie gefällt, am Ende bleibt die Kohle. Michelangelo Frammartinos Vierakter verbindet archaische Bilder mit tierischem Slapstick. Stream bei Lekino.

16. «Le goût des autres» (Frankreich, 2000)
In der Gesellschaftskomödie von Agnès Jaoui verguckt sich ein Industrieller in eine nicht mehr ganz junge Theaterdarstellerin und entdeckt so die Welt der Kunst. Wie er versucht, ihr Eindruck zu machen, obwohl er eindeutig nicht dazugehört, ist von allerfeinster Komik. Ausleihen in der Videothek.

15. «Spirited Away» (Japan, 2001)
Die 10-jährige Chihiro muss in einem Zauberschloss Fronarbeit leisten, weil ihre Eltern in Schweine verwandelt wurden. Der Animationsfilm von Hayao Miyazaki ist halb Albtraum, halb Wundertüte. Eine Fantasy mit Referenzen an «Alice im Wunderland» und «Metropolis». Zum Porträt des Regisseurs; zur DVD.

14. «4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage» (Rumänien 2007)
Zwei Studienkolleginnen, ein Plan: illegale Abtreibung. Im kommunistischen Rumänien – der Film spielt 1987 – steht darauf eine hohe Haftstrafe. Cristian Mungiu macht daraus eine subjektive Zwangserfahrung und zeigt den psychologischen Folterparcours in nüchtern-distanzierten Bildern. Zum Interview mit dem Regisseur; mieten bei Apple oder Google Play.

13. «Home» (Schweiz/Frankreich 2008)
Eine fünfköpfige Familie wohnt unbeschwert an einer unfertigen Autobahn. Doch als der Autoverkehr einsetzt, ist es mit dem Zusammenhalt vorbei – man mauert sich ein. Ursula Meiers Spielfilmdebüt ist ein Paradebeispiel an Bilderreichtum und Deutungstiefe. Zum Gespräch mit der Regisseurin; streamen über Filmo.

12. «Eternal Sunshine of the Spotless Mind» (USA, 2004)
Der scheue Joel (Jim Carrey) wird von der impulsiven Clementine (Kate Winslet) verlassen und aus dem Gedächtnis gelöscht. Eine luschige Firma machts möglich. Drehbuchautor Charlie Kaufman denkt das in Möglichkeitsformen schwindlig, Regisseur Michel Gondry hats in herrlichem Schmuddellook inszeniert. Zur Besprechung; leihen bei Apple.

11. «The Wolf of Wall Street» (USA, 2013)
Jordan Belfort hat sich in den 80er-Jahren zu einem der berüchtigsten Broker emporgetrickst. Regisseur Martin Scorsese setzt dessen Aufstieg und Fall ein Denkmal und macht den Börsenwahnsinn jener Zeit in parodistischer Überspitzung erlebbar. Leihen z.B. bei Swisscom.

10. «Oldboy» (Südkorea, 2003)
Ein Mann wird in einem Hotelzimmer eingesperrt, scheinbar grundlos. 15 Jahre später buddelt er sich frei und nimmt Rache. «Oldboy», der zweite Teil von Park Chan-wooks Rachetrilogie aus Korea, ist als Thriller unvergesslich und unübertrefflich, schliesslich wird in diesem Film ein noch zappelnder Tintenfisch verspeist. Gibts bei Apple.

9. «White Material» (Frankreich, 2009)
In einem afrikanischen Land bricht der Bürgerkrieg aus, doch die weisse Kaffeeplantagenbesitzerin Maria (Isabelle Huppert) will bleiben. Die Französin Claire Denis dreht so intensive wie intime Filme, dieser ist ein fieberhafter Trip in den kolonialen Wahnsinn. Zur DVD.

8. «Un prophète» (Frankreich, 2009)
Knastfilme sind, besonders in den USA, ein eigenes Genre. Aber mit dieser französischen Version etablierte sich Jacques Audiard als grosser Kinoautor. Zum Gespräch mit dem Regisseur; zur DVD.

7. «Hable Con Ella» (Spanien, 2002)
Pedro Almodovar drückt mit seiner verwinkelten Geschichte um einen Krankenpfleger und eine Stierkämpferin voll auf die Tränen. Und bleibt trotz dem wunderbaren Kitsch wahrhaftig wie selten. Stream bei Cinefile.

6. «Toni Erdmann» (Deutschland, 2016)
An Toni, diesem traurigen Witzbold, gibt es kein Vorbeikommen: In Maren Ades Tochter-Vater-Geschichte ist jede Szene ein kleiner Höhepunkt. Zur Kritik; leihen bei Cinefile.

5. «Boyhood» (USA, 2014)
Zwölf Jahre lang hat Richard Linklater an diesem Porträt eines Jungen zwischen 6 und 18 Jahren gedreht. Aber nicht dieser Rekord macht «Boyhood» einmalig, sondern die auffällig-unauffällige Art, wie das Vergehen der Zeit eingefangen wird. Zur Besprechung; mieten bei Apple.

4. «The Hurt Locker» (USA, 2008)
«Krieg ist eine Droge», heissts im Vorspann. Kathryn Bigelow, die für diesen Film als bislang einzige Regisseurin einen Oscar erhielt, zeigt ein Bombenentschärfungsteam im Irak mit solcher Heftigkeit, dass man sich mitten im Gefecht wähnt. Und sich seines Adrenalinrausches fast schämen mag. Zum Porträt der Regisseurin; Stream auf Netflix oder Sky Show.

3. «The Dark Knight» (USA 2008)
Batman will sein Fledermauskostüm an den Nagel hängen, doch dann besetzt der Joker ein Machtvakuum in der Unterwelt. Ein Film, heisst es, sei immer so gut wie sein Bösewicht. Hier, bei Christopher Nolan, ist er in seiner sinnlosen Zerstörungswut – gespielt von Heath Ledger – überragend. Zur Besprechung; Stream auf Teleclub.

2. «A Separation» (Iran, 2011)
Ein Meisterstück aus Teheran, weit weg vom typischen «iranischen Film»: Asghar Farhadi erzählt eine moderne Scheidungsgeschichte aus der Grossstadt, sie will weg, er will bleiben. Das könnte überall spielen, ist aber doch präzise verwurzelt. Stream auf Filmingo.

1. «Mad Max: Fury Road» (Australien, USA, 2015)
Über 30 Jahre nach dem ersten «Mad Max» drehte Regisseur George Miller eine Aktualisierung, und was für eine: Im höllischen Wüstenstaub jagt die karnevalistische Armee eines Schreckensherrschers die Rebellen Max (Tom Hardy) und Furiosa (Charlize Theron). Vielleicht der prägnanteste Blockbuster der letzten 20 Jahre, weil er den Überblick behält über die hysterische Unordnung der Welt – mit analogen Stunts und grossartig grotesken Einfällen. Diese Zeitung schrieb: «Surreal eingespritztes Actionkino zwischen Hieronymus Bosch und den Looney Tunes.» Zur Kritik; Stream auf Netflix und Amazon Prime.

Diese Auswahl und ihre Reihenfolge ist natürlich subjektiv. Welche Filme hätten Sie gewählt? Bitte unten eintragen.


Hier finden Sie alle unsere Top 20

Erstellt: 26.11.2019, 08:19 Uhr

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