Die politisch korrekte Galaxie

Wieso mögen Filmkritiker «The Last Jedi» – und viele Fans nicht?

«The Last Jedi» mit Daisy Ridley als Jedi-Novizin Rey.

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450 Millionen Dollar hat der neue «Star Wars»-Film «The Last Jedi» an seinem Eröffnungswochenende weltweit eingespielt. Nur der erste Teil der neuen Trilogie, «The Force Awakens», ist noch erfolgreicher gestartet. Auch in der Schweiz hatte heuer kein anderer Blockbuster ein lukrativeres Eröffnungswochenende. Das Resultat erstaunt wenig, die Fan-Gemeinde ist gigantisch – «Star Wars» ist «too big to fail», auch weil die meisten Filmjournalisten «The Last Jedi» vorab als Meilenstein innerhalb der Saga bejubelten. Das Kritikerbarometer Rottentomatoes verzeichnet 93 Prozent Zustimmung, bei Metacritic sind es 86 Prozent.

Doch gemäss verschiedenen Publikumsbarometern sind die Zuschauer nach dem Kinobesuch alles andere als begeistert. Auf Rottentomatoes kriegt «The Last Jedi» nur 55 Prozent Zustimmung. Dass Kritiker und Fans gegenteiliger Meinung sind, kommt gerade bei Blockbustern oft vor. Bloss rümpfen sonst die Journalisten die Nase über Actionfilme, zum Ärger der Fans, die die Journaille dann jeweils ins nächste Arthouse-Kino wünschen, wo sie sich doch ob einem kirgisischen Lesbendrama ergötzen soll.

Bilder: «The Last Jedi»

Zwar gilt für Publikumsratings dasselbe wie für Online-Kommentarspalten: Es engagieren sich da auffallend viele Menschen mit einer wütenden Grundhaltung. Aber die Kollektiv-Wertung für «The Last Jedi» ist für einen «Star Wars»-Film derart tief, dass etwas faul sein muss in der Galaxie der Jedi-Ritter.

Jedi-Ritter? Genau genommen gibt es davon nur noch Luke Skywalker. Auf diesem gründet die Saga, seit er 1977 auf dem Wüstenplaneten Tatooine seine Aufwartung machte. Die Fans lieben Luke und dessen Schauspieler Mark Hamill, der über die Jahrzehnte immer wieder an «Star Wars»-Treffen auftaucht. Hamill kennt seinen Wert natürlich und scheute deshalb auch nicht davor zurück, «The Last Jedi»-Regisseur Rian Johnson öffentlich zu kritisieren. Hamill gefiel nicht, dass die Figur des Luke Skywalker von Selbstzweifeln geplagt wird und vor allem: dass er seine eigene Gattung, die Jedi, aussterben lassen will. Genau diese charakterliche Auslotung abseits des Gut-Böse-Schemas begeisterte aber die Filmkritiker.

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In Fan-Foren wird auch bemängelt, dass im neuen Film alle sympathischen Figuren weiblich oder schwarz oder asiatisch seien. «The Last Jedi» ist einigen Fans offenbar zu politisch korrekt. Ein weiterer Kritikpunkt sind die Witzchen, die Johnson immer wieder einstreut. Vor allem aber vermissen viele Fans das mystische Raunen, das die Reihe bisher ausmachte, zumal sie wohl von den Cliffhangern in TV-Serien geprägt sind und so erst recht einen Reigen von überraschenden Wendungen erwarten, um am Ende einen Megatwist zu geniessen: Alles ist ganz anders, als ihr es gedacht habt! Doch Johnson tut ihnen diesen Gefallen nicht – obgleich ihm sein Vorgänger J. J. Abrams in «The Force Awakens» einige Steilvorlagen lieferte. Ist Hauptfigur Rey die Tochter von Luke? Oder von Obi-Wan Kenobi? Woher kommt Oberbösewicht Snoke? Johnsons Antworten in «The Last Jedi»: Nein. Nein. Ist doch egal.

Das alles kann man kritisieren, aber verzweifelte Fans seien daran erinnert, dass «The Last Jedi» der Mittelteil einer Trilogie ist und als solcher der zweite Akt in einer übergeordneten Erzählung. Wer weiss, vielleicht taucht Luke, wie Yoda es ja gerne tut, dereinst als Hologramm auf und krächzt: «Ich bin dein Vater, Rey.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.12.2017, 20:21 Uhr

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