«Diese Autos müssen zerstört werden – und da bin ich der richtige Mann»

An Michael Bay (48) scheiden sich die Geister: Für die einen ist er ein seelenloser Hollywood-Blockbuster, für andere ein Visionär. Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat den Amerikaner in Moskau getroffen.

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Gratulation, Herr Bay. «Transformers: Dark oft he Moon» wird als bester Teil der Serie gefeiert.
Danke. Ich sehe das auch so.

Was allerdings etwas relativiert werden muss, nachdem der Vorgänger als schlechtester Film aller Zeiten bezeichnet wurde.
Mit Verlaub – ich finde diese Aussage ein wenig beleidigend. «Revenge of the Fallen» war kein Meisterwerk. Aber der schlechteste Film aller Zeiten spielt sicher keine 800 Millionen Dollar ein. Wir hatten grosse Schwierigkeiten, den Film fertig zu machen. Wegen dem Autorenstreik stand die Produktion unter enormem Zeitdruck. Der Film hätte besser sein können – aber er war auch nicht das Fiasko, zu dem er gemacht wurde.

Warum ist Ihr neuer Film so düster geworden? Hatten Sie schlechte Laune?
Keineswegs. Wenn Sie eine Trilogie filmen, müssen Sie eine Steigerung hinkriegen. Wir wollten den Film von Anfang an realistischer und ernsthafter machen. Der Film sollte zwar immer noch Spass machen – aber der Tonfall ist ernst. Es geht schliesslich um das Ende der Welt.

Sie sind der Blockbuster-Spezialist in Hollywood schlechthin. Wollen die Leute im Jahr 2011 so etwas sehen?
Ich denke, ja. Es ist immer noch eine Heldengeschichte. Es hat Romantik drin, einen altmodischen Aufbau – ja, ich denke, der Film ist ein klassischer Sommer-Blockbuster.

Die Szenen in den Wolkenkratzern haben ein gewisses 9/11-Feeling…
… mit der alles zerstörenden Roboter-Riesenschlange? Hören Sie auf!

Weniger das, als vielmehr die Leute in Extremsituationen, die aus dem Fenster stürzen. Ist das Publikum dafür bereit?
Mit zehn Jahren Abstand – ja. Früher wäre das vielleicht heikel gewesen, das sehe ich auch so.

Die Roboter bluten diesmal und führen sich auf wie Killermaschinen – sogar die Guten.
Ja, Optimus Prime ist diesmal Dirty Harry. Es war eine spannende Entwicklung, wie unser Autoren-Team seine Figur an diesen Punkt gebracht hat. Aber am Ende waren wir uns alle einig: Er sollte diesmal mehr ein knallharter Typ sein. Es passt zur Geschichte.

Gibt es für Sie Grenzen bei der Zerstörung von Dingen?
Die gibt es. Wenn die Zerstörung zum Selbstzweck verkommt, sie inhaltlich keinen Sinn macht. Für «Tranformers 3» wurden übrigens über 500 Autos zerstört. Aber es sind alles Schadensobjekte von den Versicherungen, hauptsächlich von Überschwemmungen. Diese Autos müssen zerstört werden – und da bin ich der richtige Mann.

Keine Angst, dass der Film nicht mehr für Kinder geeignet sein könnte?
Nein. Wir haben den Film Familien vorgeführt und es gab keine Bedenken. Es ist immer noch Gut gegen Böse. Und das Gute gewinnt.

Interessant ist, dass Sie sich diesmal Chicago als Drehort ausgesucht haben.
Chicago ist als Szenerie noch sehr frisch, dabei ist es eine wunderschöne Stadt mit einem Fluss, alten und neuen Häusern und einer höchst abwechslungsreichen Skyline. New York beispielsweise ist sehr viel limitierter. Ich habe auf der ganzen Welt gedreht, aber nirgends war es so leicht wie in Chicago.

Kriegen Sie nie Probleme, weil Ihre Filme so laut sind?
Ich sag Ihnen etwas: Wir drehten in Chicago eine Massenszene mit zwei 50 Kaliber-Kanonen, die sind ungeheuer laut. Nicht gut für die Ohren. Ich hab den 4000 Zuschauern, die uns am Set zugeschaut haben, per Megafon zugerufen, sie sollen sich schützen, es werde höllisch laut. Also haben sich alle die Ohren zugehalten. Aber was haben sie gemacht, als es losging? Alle haben die Kameras hervorgeholt und wie wild geknipst. So sind die Leute. Technisch gesehen war das sicher der komplexeste Film, den ich je gemacht habe.

Auch der grösste?
Ja. Vor allem, weil das Filmen in 3-D eine ganz neue Dimension gebracht hat. James Cameron hat mich übrigens ermutigt, so zu drehen. Das war eine Herausforderung.

Erste Stimme sprechen bereits wieder vom Ende des 3D-Booms. Wie sehen Sie das?
Das Problem ist, dass viele Filme erst im Nachhinein für 3-D produziert werden. Dieser Film war von Anfang an als 3-D-Werk konzipiert. Das heisst unter anderem längere, sich steigernde Aufnahmen. Ich hoffe, dieser Film wird 3-D neues Leben einhauchen. James Cameron zumindest denkt, er werde es.

Was war eigentlich los mit Megan Fox? Stimmt es, dass sie Sie als Hitler bezeichnet hat?
Ach, Megan ist eine junge Frau, die gern ein bisschen für Unruhe sorgt. Ich habe mich durch nichts, was sie angeblich gesagt hat, beleidigt gefühlt. Wir sind eine Familie, wir hatten eine tolle Zeit, aber die Leute wundern sich natürlich, warum sie nicht mehr dabei ist.

Eben.
Es ist doch ganz einfach: Film 1 – sie lernen sich kennen; Film 2 – sie sind zusammen. Was hätten wir denn jetzt machen sollen? Ich habe mir darüber mit unseren Autoren den Kopf zerbrochen. Ich meine, die Figuren sind 24 Jahre alt. Heiraten und alt werden? Ich bitte Sie. Also haben wir entschieden, dass die beiden nicht mehr zusammen sind. Sie wurde verlassen. Wie viele Leute werden sich damit wohl identifizieren können?

Und was ist dran, dass Steven Spielberg sie höchstpersönlich wegen dem Hitler-Vergleich aus dem Film raus haben wollte?
Das ist nicht wahr. Das war ein Soundfetzen aus einem Interview, das aus dem Kontext gerissen wurde. Aber es ging um die Welt. Wir waren alle komplett erstaunt, was für Wellen das geworfen hat. Es schien die Leute mehr zu interessieren als der Film. Und das finde ich schon ein bisschen fragwürdig. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.07.2011, 12:43 Uhr

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