Emmanuella geht nach Hollywood

Die 7-jährige Emmanuella Samuel Nigerianerin erhält eine Rolle bei Disney.

Die 7-jährige Emanuella Samuel aus Nigeria. Video: Mark Angel Comedy/Youtube


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Die Geschichte ist so herzerwärmend, sie wäre das perfekte Drehbuch für ein Disney-Märchen. Und gerade darum ist sie so schwer zu glauben: Eine mausarme 7-Jährige wird im schwärzesten Afrika von einem milliardenschweren Unterhaltungskonzern entdeckt. Die Moguln holen sie nach Hollywood. Dort soll sie ihr Naturtalent für Komik ausspielen, um die Kinder in den Kinos der Welt zu begeistern.

Der Anfang dieser Saga ist heute, in der Goldgräberzeit der sozialen Medien, hinreichend plausibel. Emmanuella Samuel wächst bei ihrem Onkel auf, in der von Korruption und Gewalt geplagten Ölmetropole Port Harcourt im Süden von Nigeria. Der Onkel ist ein Studienabbrecher mit Flair für Slapstick. Mit einfachen Mitteln und Amateurfreunden dreht er kurze Sketche. Er veröffentlicht sie auf Youtube – wie Horden anderer hoffnungsvoller Hobbyfilmer.

Der Durchbruch kommt, als Emmanuella mit fünf Jahren ihren ersten Auftritt hat. In dem Video bringt sie ihren Onkel in arge Verlegenheit. Der will sich vor seinem Vermieter verstecken – was sie aber kulleräugig und grossmäulig verhindert. Definitiv zu einer Youtube-Sensation wird das Mädchen durch den Sketch «My Real Face». Darin veräppelt die Primarschülerin putzfrech ihre Rektorin. Als Emmanuella merkt, dass deren Tochter zuhört, zerknautscht sie ihr Gesicht wie einen schlappen Gummiball. So will sie sich unkenntlich machen.

«Beste neue Komödiantin»

Ob und wie lustig das ist, darüber zu streiten lohnt sich nicht. Jedenfalls gehen die Zuschauerzahlen bei Emmanuella-Videos in die Millionen. Auftritte in Schulen und in Fernsehshows folgten, Auszeichnungen als «beste neue Komödiantin» und für die erfolgreichsten Youtube-Filme süd­lich der Sahara. In Afrika kennt den Youtube-Star heute jedes Kind, das einen Internetzugang hat.

Aber dann wird die Geschichte endgültig märchenhaft. Auf Instagram dankte Emmanuella vor drei Tagen überschwänglich den Disney-Studios und erklärte: «Ich hätte nie geglaubt, dass ich so bald schon hier sein würde.» Dazu Bilder, die sie bei Filmaufnahmen zeigen. Allerdings: Verraten, was denn überhaupt gespielt wird – das will, kann oder darf Emmanuella nicht. Ein grosser Film wie «Frozen»? Oder nur ein Auftritt auf einem der zahllosen Fernsehkanäle des Konzerns? Man weiss es nicht.

Für den nigerianischen Senatspräsidenten Bukola Saraki reichen die spärlichen Informationen jedenfalls schon aus, um Emmanuella öffentlich zu gratulieren. Er hat sie eingeladen, mit dem Parlament zu diskutieren, «wie wir das Potenzial unserer jungen Talente besser ausschöpfen können». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.02.2018, 19:50 Uhr

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