Er wird doch nicht etwa gut sein?

«Solo», das jüngste Werk aus dem Star-Wars-Universum, wurde in Cannes gezeigt. Doch fast noch mehr Aufmerksamkeit verdient das Geläster im Vorfeld der Premiere.

Mitten während der Dreharbeiten musste ein neuer Regisseur her. Hollywoodveteran Ron Wood schaffte es, den Film zu Ende zu bringen. Quelle: Youtube


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Schadenvorfreude ist wohl das richtige Wort, um zu beschreiben, wie in Cannes die Europapremiere des neuen «Star Wars»-Films erwartet wurde. Denn kein anderer Blockbuster sorgt schon seit Monaten so zuverlässig für Geläster in der Branche wie «Solo: A Star Wars Story». Der Film ist ein Ableger der offiziellen Sternenkriegsreihe und erzählt von den Abenteuern des jungen Weltraumpiloten Han Solo, der in den Originalfilmen von Harrison Ford gespielt wurde. Für deftigen Gossip sorgt aber weniger der Inhalt des Films als seine wilde Produktionsgeschichte.

Mitten in den Dreharbeiten hatte die Produzentin Kathleen Kennedy, die für das Disney-Studio die «Star Wars»-Fliessbandproduktion überwacht, die Regisseure des Films gefeuert. Phil Lord und Chris Miller waren ursprünglich engagiert worden, um ihren anarchischen Humor, den sie mit Filmen wie «21 Jump Street» bewiesen hatten, ins «Star Wars»-Universum zu bringen. Das scheint aber nicht so gut funktioniert zu haben, denn wenn eine Produzentin mitten im Dreh – wenn bereits Millionen von Dollar verpulvert worden sind – den Notstecker zieht, muss die Lage ernst sein. So ernst, dass Kennedy den 64-jährigen Hollywoodveteran Ron Howard («Apollo 13») rekrutierte, um die Sache irgendwie zu Ende zu drehen.

Für die Produzentin war die Affäre insofern besonders peinlich, als sie bereits bei den letzten «Star Wars»-Filmen aufgrund «künstlerischer Differenzen» Ärger mit ihren Regisseuren hatte. Wenig hilfreich war in dieser Situation vermutlich auch, dass diverse Branchenblätter in Hollywood berichteten, der Schauspieler Alden Ehrenreich, der als junger Han Solo besetzt worden war, habe sich am Set als so miserabler Darsteller erwiesen, dass er ständig einen Schauspielcoach an seiner Seite brauchte, um sich halbwegs würdevoll durch seine Szenen zu wurschteln.

Emilia Clarke relativiert

Diese Themen waren der Hauptgesprächsstoff in der Schlange vor dem Premierenkino. Wobei man dem Marketingteam von Disney hoch anrechnen muss, einen Film, von dem alle vermuten, er sei miserabel, ins Programm des wichtigsten Filmfestivals der Welt zu schmuggeln. Zwar nicht in den Wettbewerb, aber immerhin als «Special Screening». Was zur Überlegung führt, die man kaum auszusprechen wagt: Der Film wird doch nicht etwa gut sein?

Solo-Darsteller Alden Ehrenreich konnte in seiner Rolle als Han Solo nicht überzeugen. Bild: Keystone

Und wie sehen die Stars des Films die Sache? Noch kurz vor der Premiere hat die britische Schauspielerin Emilia Clarke, die durch ihre Rolle der Drachenmutter Daenerys Targaryen in der Serie «Game of Thrones» berühmt wurde, zum Gespräch im kleinen Kreis in einem Hotel gegenüber des Festivalpalasts geladen. Sie spielt die weibliche Hauptrolle in «Solo» und antwortet auf die Frage nach dem chaotischen Regiewechsel: «Die Berichte darüber klangen alle viel dramatischer, als es eigentlich war. Am Anfang war uns Schauspielern nicht richtig klar, wo das Ganze künstlerisch hingehen soll. Aber als dann Ron Howard ans Set kam, waren wir ziemlich erleichtert.» Während sie das sagt, setzt die 31-Jährige eine möglichst neutrale Miene auf und zupft sich dezent den weissen Rock zurecht, als habe sie die Antwort bereits mehrfach mit den PR-Strategen des Disney-Konzerns vor dem Spiegel geübt. Man kann sich sehr gut vorstellen, dass Clarke sich jetzt zurück ans Set der achten und letzten «Game of Thrones»-Staffel wünscht, die sie gerade dreht, um mit dem «Star Wars»-Theater abzuschliessen. Denn hat man an diesem Abend schliesslich den fertigen Film gesehen, muss man leider attestieren, dass alles Wünschen nichts geholfen hat: «Solo» ist eine ziemliche Nullnummer geworden.

Die Geschichte um die Jugendjahre des Han Solo, wie er Pilot wird und seinen besten Kumpel Chewbacca kennen lernt, wie er sich das erste Mal verliebt (in Emilia Clarke) und es mit ein paar üblen Gangstern zu tun bekommt, ist fad und vorhersehbar. Natürlich sehen die Actionszenen und Verfolgungsjagden ungeheuer spektakulär aus. Aber was nützt es, wenn man sich für keine der Figuren interessiert, weil sie alle blass bleiben?

Alden Ehrenreich von hinten

Das Hauptproblem ist tatsächlich der Solo-Darsteller Alden Ehrenreich, der die mimische Bandbreite eines degenerierten Waldwiesels besitzt. Er versucht den schelmischen Charme und das Lächeln des Ur-Solos Harrison Ford zu kopieren, sieht dabei aber so aus, als habe man ihm Mundwinkel und Augenbrauen in der entsprechenden Position festgetackert. Wenn man ihn denn überhaupt von vorne sieht. Für einen Hauptdarsteller ist Ehrenreich nämlich erstaunlich oft von der Seite oder von hinten zu sehen. Es stellt sich die Frage, ob Ron Howard allein dafür geholt wurde, um den Mann möglichst gut zu verstecken. Das Feuerwerk bei der Premierenparty hinterher, in einer überfüllten Strandbar neben dem Festivalpalast, war jedenfalls die deutlich eindrucksvollere Show. Oben bunte Lichtfontänen, unten lästernde Premierengäste. (Süddeutsche Zeitung)

Erstellt: 16.05.2018, 17:36 Uhr

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