Feminismus ist ganz schön kompliziert

Die Schauspielerin Emma Watson kann es niemandem recht machen.

Inspiration für Mädchen in aller Welt: Emma Watson, hier bei der Premiere von «Beauty and the Beast» Anfang März in Los Angeles. Foto: Mario Anzuoni (Reuters)

Inspiration für Mädchen in aller Welt: Emma Watson, hier bei der Premiere von «Beauty and the Beast» Anfang März in Los Angeles. Foto: Mario Anzuoni (Reuters)

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Wer für Millionen Menschen ein Teil der eigenen Jugend geworden ist, muss mit besonderer Aufmerksamkeit rechnen. Falls Emma Watson das zwischenzeitlich vergessen sollte – sie wird immer wieder daran erinnert. Erst gestern beispielsweise wurde bekannt, dass Hacker private Fotos von ihr im Internet veröffentlichten. Es seien keine Nacktbilder, beschwichtigte eine Sprecherin, sondern «Fotos von einer Kleideranprobe».

Daneben ist es so oder so. Und auch beruflich läuft es bei Watson nicht gerade unkompliziert. Seit kurzem läuft der neue Film der 26-jährigen Britin in der Schweiz: eine Realverfilmung von Disneys Zeichentrick-Klassiker «Die Schöne und das Biest». Was könnte kontrovers an der Darstellung eines wunderschönen, herzensguten Mädchens sein, das sich ins Kerkerverlies einer zotteligen, schlecht gelaunten Kreatur begibt, um den eigenen Vater zu retten, und sich in Gefangenschaft dann ins Monster verliebt? Wer so fragt, unterschätzt den Schatten, den Watsons frühere Rolle wirft: Als Hermine Granger trat sie im Alter von elf Jahren ins «Harry Potter»-­Universum ein. Acht erfolgreiche Kinofilme später ist die smarte, streberhafte Magierin Inspiration geworden für Mädchen in aller Welt. Und zur Vorlage des Bildes, das sich die Öffentlichkeit von Emma Watson macht.

Zu diesem Bild passt auch ihr Studium der englischen Literatur an der Brown University in Rhode Island, die Gründung ihres virtuellen feministischen Buchclubs «Our Shared Shelf» und ihre Tätigkeit als UNO-Botschafterin für die «HeFor­She»-Kampagne, die Männer für die Gleichberechtigung der Geschlechter gewinnen will. Nicht ganz so gut passt dazu aber der Job einer Schauspielerin, die in ihrer Rollenauswahl und Expressivität völlig frei sein möchte.

Wie sich denn die Rolle der gefangenen Disney-Belle mit Feminismus vereinbaren lasse, wurde Watson gefragt – ihre Entgegnung, die Figur sei auf ihren Wunsch zur Erfinderin umgeschrieben worden, die im Film etwa eine Waschmaschine konstruiere, überzeugte nicht alle. Noch grösser war der Aufruhr, als Watson sich für «Vanity Fair» mit nicht vollständig bedeckten Brüsten ablichten liess. «Aufmerksamkeitssuchende Heuchlerin» war noch eines der milderen Urteile in den sozialen Medien, wo auch gehässig registriert wurde, dass Watson ihrer Co-Feministin Beyoncé Knowles 2014 noch vorgehalten hatte, den «männlich voyeuristischen» Blick stark zu bedienen.

Feminismus sei die Wahlfreiheit für Frauen, sich so zu geben, wie sie möchten, antwortete Watson genervt – «und ich verstehe wirklich nicht, was meine Titten damit zu tun haben».

Vielleicht sollte sie von ihrem «Harry Potter»-Kollegen Daniel Radcliffe lernen. Der hat jeglichen Vorbildambitionen abgeschworen – und fühlt sich jetzt frei, furzende Leichen in obskuren Kunstfilmen zu spielen.

Emma Watson staunt: Sie sagt, sie sei über solche Auffassungen verwirrt. Video: Tamedia/Reuters (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.03.2017, 23:37 Uhr

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