Kurzfilm der Woche

Gottverlassene Zwinglistadt

Staubige Stiefel, finstere Blicke und fast unerträgliche Spannung im Raum: Der heutige Kurzfilm macht auf Western. An der Limmat.

«Django Superstar» von Ivana Radmilovic und Viviane Leupin.


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Ein Kerl, eine Frau, unsägliche Anziehung. So weit, so magisch. Blöd nur, wenn es die falsche Frau ist, beziehungsweise: da noch ein zweiter Kerl im Spiel ist, der gegen besagte Anziehung so seine Einwände hat.

Es ist die alte Geschichte, die Ivana Radmilovic und Viviane Leupin in ihrem 8-Minuten-Western «Django Superstar» aufrollen. Und man sieht sie sich, einmal mehr, verdammt gerne an. Vor allem, weil sie mit all dem garniert ist, was so ein Western nun mal braucht. Als da wären: eine staubige Strasse, die schnurstracks zum Saloon führt; ein verschrobener Barkeeper; das Hochprozentige, das gegen die auf den Tresen geknallte Münze über selbigen wandert.

Dann: Auftritt der Femme fatale samt ihrem ungemütlichen Begleiter. Blicke werden getauscht – feurige zwischen Frau und Held, finstere zwischen Held und Kontrahent –, der Raum vibriert vor Spannung. Fast könnte man vergessen, dass die atemberaubende Szene nicht im hintersten Eckchen eines gottverlassenen US-Tals spielt – sondern in einer Zürcher Kneipe. Putzige Lampenschirme und ein ausgestopfter Gamskopf an der Wand liefern Fingerzeige hin zur Zwinglistadt zuhauf, doch egal: Wir wollen einzig wissen, wie es mit Django und seiner Herzensdame ausgeht.

Und herrje, was soll man sagen, es ist nun mal ein (Züri-)Western, und also muss der Held am Schluss ein einsamer bleiben, und Happy-End-Fanatiker müssen einmal mehr ganz, ganz stark sein. Was bleibt, sind dieser schöne, ziehende Schmerz in der Brust, etwas Staub am Stiefel und die unerschütterlichen Riffs der E-Gitarre. (psz)

Erstellt: 24.04.2015, 14:45 Uhr

Produktion

«Django Superstar» von Ivana Radmilovic und Viviane Leupin, 2012, 8 Minuten.

Swiss Films

Die Stiftung Swiss Films ist die Promotionsagentur des Schweizer Filmschaffens. Als Partnerin der Filmschaffenden verstärkt sie die Sichtbarkeit und positive Wahrnehmung der helvetischen Filmkultur im Ausland und in der Schweiz. Kernaufgaben der Stiftung sind Verbreitung, kulturelle Vermittlung und Vernetzung des Schweizer Filmschaffens.

Kurzfilm der Woche

Der Kurzfilm gilt als die offenste, schnellste und oft auch mutigste Filmkunstform. Obs an der schnelllebigen Zeit liegt, in der wir leben? Auf jeden Fall erfreuen sich die Minifilme gerade an Festivals einer immer grösseren Beliebtheit – auch in der Schweiz, wo es eine lebendige Kurzfilmszene gibt. Tagesanzeiger.ch/Newsnet zeigt in Zusammenarbeit mit der Filmpromotionsagentur Swiss Films jeden Freitag einen exklusiven Schweizer Kurzfilm. Die Produktionen sind jeweils mindestens 24 Stunden online.

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