Interview

«Haben Sie etwas dabei?»

Oliver Stone zeigt am Donnerstag in Zürich seinen neusten Film. Der US-Regisseur über Marihuana, Mitt Romney und Amerikas Vormachtstellung in der Welt.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Herr Stone, Ihr Film handelt von Marihuana-Züchtern...
(lacht) Haben Sie etwas dabei?

Sie sollten vorsichtig sein. Am Zurich Film Festival wurde schon einmal ein berühmter Regisseur verhaftet.
Ah ja, Polanski. Die Schweizer haben sich letztlich Amerikas Druck gebeugt. Wie alle. Nur die Chinesen und Araber sagen uns, wir sollen uns verpissen. Es ist ein Desaster, Amerikas Fingerabdrücke sind überall, in Afghanistan, Irak, Pakistan, auf der ganzen Welt.

Umso mehr erstaunt es, dass Ihr neuer Film apolitisch herausgekommen ist.
Ich hatte keine Lust auf einen politischen Film. Was bringt das schon? Die Kriegsgurgeln haben gewonnen. Da machte ich lieber einen Film über sechs spannende Figuren in einem hypothetischen Szenario. Ein Film über Menschen, die sich verändern.

Politik kann sich auch verändern. In Mexiko wird diskutiert, ob man die Drogen legalisiert, um den Kartellen das Wasser abzugraben.
Ich bin auch für die Legalisierung von Drogen, aber es ist zu spät. Wer sollte das tun? Niemand kann das tun. Medien und Opferfamilien würden Sturm laufen. Kein Politiker würde das überstehen.

In Ihrem Film heisst es mal: Marihuana ist der einzige Weg, um in einer verrückten Welt nicht verrückt zu werden. Ist das Ihr persönliches Credo?
Ich rauche seit 40 Jahren, habe in Vietnam damit angefangen, um meine Menschlichkeit zu bewahren. Andere wurden damals zu Rassisten oder töteten unnötig Menschen. In meinem Jahrgang in Yale war auch George Bush. Er hat nie Drogen genommen, bloss getrunken. Ich wurde ein Künstler, er ein Kriegstreiber, obwohl dieses rechte Arschloch nicht einmal im Krieg war. Was Bush dieser Welt angetan hat, ist Wahnsinn. Die Welt ist wahnsinnig. Ist Marihuana die rationale Antwort auf Irrationalität? Ja, das glaube ich.

Das klingt resigniert.
Nun, sie haben uns 68er und unsere Ideen geschlagen. Und wenn Romney zurückkommt, haben wir wieder Bush-Zeit. Der führt als Erstes neue Währungsgesetze mit China ein, dann fallen Bomben im Mittleren Osten. Und das ist erst der Anfang.

In Ihrem neuen Film ist viel Gewalt zu sehen, Folter auch. Wie bestimmten Sie, wie viel Brutalität der Zuschauer zu sehen bekommt?
Es war schwierig, die richtige Dosis zu erwischen. Man will die Leute ja nicht abschrecken, gleichzeitig darf man die Gräueltaten der mexikanischen Kartelle nicht verharmlosen. Aber am Schnittpult lässt sich das gut justieren.

Wie empfanden Sie die Diskussion um die dargestellte Gewalt in «Batman»?
Die Gewalt kommt in meinem Film aus den Figuren heraus. Das war bei Batman nicht der Fall. Leute starben da in Dutzenden, einfach weil es toll aussah. Die Gewalt ist natürlich der Comic-Vorlage geschuldet, aber als Film funktioniert das für mich nicht. Ich mochte den letzten Batman-Film nicht.

Sie sind jetzt 66. Hat Sie das Alter als Filmemacher verändert?
Der Ehrgeiz lässt nach. Die körperliche Leistungsfähigkeit natürlich auch, aber auch die Energie, sich im Filmbusiness durchzusetzen und das Geld aufzutreiben.

Dennoch haben Sie sich an ein Mammut-Projekt gewagt – Oliver Stone’s «Secret History of America».
Ja, das ist das grösste Projekt meines Lebens. Eine zehn Stunden lange Geschichtsstunde fürs Fernsehen. Eine provokative Geschichtsstunde, die aber auf Fakten beruht.

Was ist provokativ daran?
Den Leuten zu zeigen, dass Amerika nicht die Mitte der Welt ist. Dass es nichts zählt, die grösste Armee zu haben. Weltreiche kommen und vergehen. Die meisten Amerikaner wissen das nicht. Ich will sie aufklären. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.09.2012, 18:59 Uhr

Trailer zu «Savages»

Film

Oliver Stones neuste Produktion ist der Eröffnungsfilm des Zurich Film Festivals, das heute Donnerstagabend beginnt. Die Geschichte handelt von zwei Freunden, die in Kalifornien Gras züchten und mit einer Frau eine Ménage à trois leben. Doch dann fordert die mexikanische Drogenmafia knüppelhart ihren Tribut. «Savages» ist Stones apolitischster Film seit Jahren – ein Hochglanz-Drogenthriller mit wenig Moral und viel Brutalität.

Schweizer Kino-Start ist im Oktober.

Artikel zum Thema

«Die Schweiz soll den USA nicht gehorchen»

Oliver Stone verurteilt die Gier der Banker. Dennoch hält der «Wall Street»-Regisseur das Bankgeheimnis für wertvoll. Mehr...

Oliver Stone: «Medien sind jüdisch dominiert»

Der umstrittene Regisseur sprach in einem Interview von den «jüdisch dominierten Medien». Nun hat er sich entschuldigt. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Kommentare

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Das grösste Kunstwerk der Welt aus Strohhalmen: Zwei Frauen aus Vietnam posieren für ein Foto vor der Kunstinstallation «Abschied des Plastik-Meeres» des kanadischen Künstlers Benjamin Von Wong, die aus 168'000 Plastik-Strohhalmen besteht. (17. März 2019)
(Bild: Thanh NGUYEN) Mehr...