Cotillard verdient am meisten

Erstmals führt eine Frau, Marion Cotillard, die Rangliste von Frankreichs bestbezahlten Schauspielern an. Sie hat letztes Jahr 2,35 Millionen Euro verdient.

Hat letztes Jahr 2,35 Millionen Euro verdient: Schauspielerin Marion Cotillard.

Hat letztes Jahr 2,35 Millionen Euro verdient: Schauspielerin Marion Cotillard. Bild: Keystone

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Es ist eine schreckliche Macho-Branche, die französische Filmindustrie. Das jedenfalls schreibt der «Figaro». Und der muss es wissen. Jedes Jahr veröffentlicht die Tageszeitung die Rangliste der bestbezahlten Schauspieler und Schauspielerinnen des Landes. Man, vor allem aber frau, musste lange warten, bis das Blatt nun diese Neuigkeit verkünden konnte: Erstmals ist eine Frau auf Platz eins gelandet, genauer gesagt: erstmals, seit der «Figaro» die Gagen addiert und vergleicht.

Demnach verdiente die Oscar-Preisträgerin Marion Cotillard 2010 mit 2,35 Millionen Euro mehr als all ihre Kollegen in Frankreich, die Kerle mit eingeschlossen. Allerdings ist der Abstand zu dem sehr männlichen Draufgängertypen Jean Dujardin («OSS 117 – Er selbst ist sich genug», «Neununddreissigneunzig», «Brice de Nice») mit 50'000 Euro hauchdünn. Aber wieso sollte es im Kino anders zugehen als beim Skirennen? Es gelten am Ende die Zahlen hinter dem Komma.

Unprätentiöser Star

Der «Figaro» könnte freilich unterschätzen, dass es sich bei dieser Art von Wettbewerb um eine sehr männliche Veranstaltung handelt. Cotillard wäre zuzutrauen, dass sie es für zweitrangig hält, auf dem Siegertreppchen zu stehen. Die Schauspielerin gilt als ein vergleichsweise unprätentiöser Star in ihrem Land. 2007 war zu sehen, wie sie neben anderen Kollegen ungeschminkt und in Jeans der damaligen Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal im Pariser Fussballstadion Charléty zujubelte. Royal verlor die Wahl, aber Cotillard kam gross heraus. Sie gewann im gleichen Jahr einen Oscar für ihre Rolle als Edith Piaf in «La vie en rose». Seitdem sie den dramatischen Aufstieg und Fall der Piaf, Frankreichs bekanntester Chanson-Sängerin, spielte, ist sie auch in der Schweiz und vor allem in Hollywood einem breiteren Publikum bekannt. Weitere Angebote für grosse Produktionen folgten. 2010 war sie in «Inception» von Christopher Nolan als die grosse Liebe von Leonardo DiCaprio zu sehen. Und ohne «Inception» stünde sie jetzt nicht auf dem Siegertreppchen des «Figaro».

Hinzu kam der Ende letztes Jahr in Frankreich angelaufene Film «Les petits mouchoirs», den ihr Lebensgefährte Guillaume Canet drehte. Der ehemalige Schauspieler ist einer der aufsteigenden Stars am französischen Regisseurhimmel und der Ex-Mann der deutschen Schauspielerin Diane Kruger. Die Hildesheimerin erreichte im Frankreich-Ranking einen Platz noch vor Isabelle Huppert und Catherine Deneuve. Ihre Jahresgage: 572'000 Euro. Damit landete sie auf Rang 8 der Frauenwertung.

Wenige Hits

Im Gesamtklassement schaffte es nur noch Vanessa Paradis mit 1,3 Millionen Euro unter die Top Ten. Paradis wiederum ist die Lebensgefährtin von Johnny Depp, der laut dem US-Magazin «Forbes» derzeit der bestbezahlte Schauspieler der Welt ist, und zwar mit umgerechnet 55 Millionen Euro im Jahr. Die bestverdienende US-Schauspielerin ist Sandra Bullock mit einer Jahresgage von 41 Millionen Euro.

Da zeigt sich, wie «wenig» französische Schauspieler im Vergleich verdienen, vermutlich ebenso wie ihre Schweizer Kollegen, deren Bezüge nicht Gegenstand der öffentlichen Diskussion sind. Hier wie da gilt: Nur wenige Produktionen schaffen den Sprung über die Landesgrenzen – trotz massiver Subventionen. In Frankreich schreiben die wenigsten Filme schwarze Zahlen. Im vergangenen Jahr gelang es nur drei Produktionen, die Kosten über den Ticketverkauf hereinzuholen. Der rentabelste Film darunter war zugleich einer der politischsten: die Verfilmung des Massakers an französischen Mönchen in Algerien. Es war ein Film mit dem geringen Budget von 4 Millionen Euro.

Lukrative Angebote

«Mammuth» mit Gérard Depardieu, der Platz 5 belegt, war mit 2,5 Millionen Euro noch günstiger – und spielte ebenfalls Gewinn ein. Canets Film mit Cotillard in der Hauptrolle hingegen kostete 17 Millionen Euro und konnte die Ausgaben nur zu 88 Prozent über den Ticketverkauf decken. Bleibt die Hoffnung, Einnahmen über den Verkauf von Videos, an Fernsehsender oder ins Ausland zu erzielen. Was das lehrt? Die Gage der Schauspieler korreliert nicht mit dem finanziellen Erfolg des Films.

Ist jedoch ein Film einmal ein Kassenschlager, erhöht das die Chancen der Darsteller, künftig hohe Gagen zu verlangen. Das scheint auf Kad Merad zuzutreffen. Er spielte 2008 in dem bisher erfolgreichsten französischen Film «Willkommen bei den Sch’tis» die Hauptrolle neben Dany Boon. Damit hatte er ausgesorgt. Im vergangenen Jahr machte er bei einer misslungenen Musikkomödie mit. Trotzdem reichte es für Platz 3 im Ranking – 100'000 Euro hinter Cotillard. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.02.2011, 15:51 Uhr

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