«Ich habe so lange lügen müssen»

Eine Doku beschuldigt Michael Jackson des Kindesmissbrauchs – der Sender HBO wird deswegen auf 100 Millionen Dollar Schadenersatz verklagt.

Das Haupttor zu Michael Jacksons Neverland-Ranch im Jahr 2009. Die Doku «Leaving Neverland» soll am 3. und 4. März auf HBO (USA) sowie auf Channel 4 (England/Europa) ausgestrahlt werden. Foto: AFP

Das Haupttor zu Michael Jacksons Neverland-Ranch im Jahr 2009. Die Doku «Leaving Neverland» soll am 3. und 4. März auf HBO (USA) sowie auf Channel 4 (England/Europa) ausgestrahlt werden. Foto: AFP

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«Es war wie im Märchen. Es war alles, was man sich als Kind wünschen könnte, da kommt man doch nicht auf die Idee, dass das irgendwie falsch sein könnte. Doch dann sagte er, dass wir beide für den Rest unseres Lebens ins Gefängnis müssten, sollte jemals jemand herausfinden, was wir da tun.» Wade Robson sagt diese Sätze in der zweiteiligen Dokumentation Leaving Neverland, die am 3. und 4. März auf dem amerikanischen Pay-TV-Kanal HBO ausgestrahlt werden soll. Er spricht über seine Kindheit, und «er», das ist der 2009 verstorbene Künstler Michael Jackson.

Es sind heftige Vorwürfe, die Robson, mittlerweile 36 Jahre alt, und James Safechuck, 40, unabhängig voneinander erheben. Die Dokumentation sorgt seit der Erstaufführung auf dem Sundance Film Festival im Januar für gewaltige Aufregung, nicht nur in den Vereinigten Staaten. Die Nachkommen von Jackson haben Time Warner, den Mutterkonzern von HBO, nun auf Schadenersatz in Höhe von 100 Millionen Dollar verklagt. Das Unternehmen verletze die Klausel aus einem Vertrag von 1992, sich nicht gegenseitig zu verunglimpfen. «Michael Jackson ist unschuldig», heisst es in der Anklage, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt: «Zehn Jahre nach seinem Tod gibt es noch immer Leute, die von seinem enormen Erfolg profitieren wollen. Michael ist ein einfaches Ziel, weil er sich nicht verteidigen kann.»

Der Film sorgt auch deshalb für heftige Debatten, weil der britische Regisseur Dan Reed gar nicht erst so tut, als wolle er eine ausgewogene Geschichte erzählen. Es geht in den 236 Minuten einzig und allein darum, wie Robson und Safechuck den Künstler damals kennen gelernt haben, was sie als Gäste auf der Neverland-Ranch und in Jacksons Privatflugzeug erlebt haben. Es ist die Sicht dieser beiden, die behaupten, als Kinder – Robson war damals sieben Jahre alt, Safechuck zehn – von Jackson missbraucht worden zu sein. Es kommen Familienmitglieder der beiden zu Wort, es gibt jedoch keinen, der eine andere Sichtweise der Dinge präsentiert.

Jackson ist im Jahr 2005 von Vorwürfen des Kindesmissbrauchs freigesprochen worden, Robson hatte damals vor Gericht angegeben, nicht von Jackson missbraucht worden zu sein. «Ich habe so lange lügen müssen, ich möchte jetzt endlich die Wahrheit sagen – so laut und so deutlich wie möglich», sagt er nun.

«Es ist die Geschichte dieser beiden Familien», sagt Reed: «Was würde es für diesen Film bringen, jemanden zu interviewen, der sagt, nicht missbraucht worden zu sein und nichts von möglichen Missbräuchen mitbekommen zu haben? Nur weil Jackson jemanden nicht missbraucht hat, bedeutet das nicht, dass er es mit anderen nicht doch getan hat.» HBO hat auf die Klage mit einem Statement reagiert, in dem es heisst: «An unseren Plänen hat sich trotz der immensen Anstrengungen, diesen Film zu diskreditieren, nichts geändert. Die Leute sollen den Film selbst beurteilen und sich dann eine Meinung zu den darin geäusserten Vorwürfen bilden.»

Erstellt: 24.02.2019, 19:50 Uhr

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