Interview

«Ich musste mein Geld ja irgendwo deponieren»

Heute startet «The Croods» mit Nicolas Cage im Kino. Im Interview spricht der einstige Oscar-Gewinner über seine durchwachsene Karriere und wie er sein Vermögen verlor.

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Mr. Cage, in «The Croods» leihen Sie Ihre Stimme einem risikoscheuen Steinzeitmenschen, der sich in seine Höhle verkriecht. Reden wir über Risiken: Ihre Rollenwahl wirkt manchmal riskant.
Ich bereue nichts, falls Sie darauf hinauswollen. Alles, was ich getan habe, hat sich ausbezahlt.

Wie hat es sich ausbezahlt?
Ich bin durch die Erfahrungen emotional gereift. Ich behaupte auch, dass ich heute ein besserer Schauspieler bin, obschon das manche Leute anders sehen. Das grosse Risiko, das ich in meiner Karriere auf mich genommen habe, war, dass ich mich als Drama-Schauspieler aufs Actiongenre verlegt habe. Das war eine Herausforderung. Niemand dachte, dass ich das schaffen könnte. Aber wenn mir die Leute sagen, dass ich etwas nicht kann, dann steigere ich mich umso mehr hinein.

Davor hatten Sie sich in anspruchsvollen Dramen wie «Leaving Las Vegas» profiliert. Für diese Rolle erhielten Sie sogar einen Oscar. Schwelgen Sie nie in Erinnerungen?
Nein, ich lebe nicht in der Vergangenheit. Meine Preise habe ich auch nicht zu Hause herumstehen.

Wo dann?
Verstaut an einem sicheren Ort. Ich nehme Lob genauso wenig ernst wie Kritik. Heutzutage kann man verrückt werden durch die Kritik, die über das Internet auf einen hereinbricht.

Es interessiert Sie also nicht, dass mit Actionfilmen kaum Lorbeeren zu ernten sind?
Viele dieser Filme haben fast so etwas wie Kultstatus erlangt. «The Wicker Man» zum Beispiel hat im Internet eine ganz eigene Fangemeinde gefunden. Darauf bin ich stolz. Und Lob macht einen sowieso nur faul. Es ist wichtig, dass man sich immer ein bisschen unwohl fühlt. Das habe ich von David Bowie gelernt. Ich habe ihn gefragt, woher er die Motivation nehme, sich immer wieder neu zu erfinden. Er sagte: «Ich weigere mich, es mir bequem zu machen. Sobald mir etwas leicht fällt, wende ich mich Neuem zu.» Das sind weise Worte eines grossen Künstlers. Daran halte ich mich. Irgendwann sagte ich zu mir: «Du hast ‹Leaving Las Vegas› gemacht, du hast ‹Lord of War› gemacht, jetzt muss etwas Neues kommen.»

Aber wieso diese B-Movie-Schiene?
Ich fand Gefallen an den alten Horrorfilmen aus den Hammer-Studios. Deshalb habe ich bei Filmen wie «Season of the Witch» und «Drive Angry» mitgemacht. Mir imponieren Karrieren wie die von Christopher Lee oder Vincent Price. Diese Schauspieler haben einen Stil begründet, der mich anspricht. Nur weil damit keine Oscars zu gewinnen sind, heisst es nicht, dass es nicht relevant wäre.

Finden Sie aber nicht auch, dass aus Hollywood früher mehr Substanzielles kam? Heute dreht sich doch fast alles nur noch um Glamour.
Nein, ich sehe das nicht so. Auch heute haben wir sehr mutige Filmemacher. Der Glamour war doch immer schon Teil der Traumfabrik. Schauen Sie sich die Dreissigerjahre an, nehmen Sie eine Marlene Dietrich! Ich sehe ganz interessante Entwicklungen im Indie-Kino. «Drive» mit Ryan Gosling war ein sehr guter Film. Ich finde, die Industrie ist in Form.

Trotzdem verlässt Hollywood manchmal der Mut. Denken wir an Ihr «Superman»-Projekt mit Tim Burton, das begraben wurde.
Wir waren sehr, sehr nahe dran. Ich bin kein Jammerlappen, aber natürlich war das eine Riesenenttäuschung. Tim Burton ist einer meiner Helden, und die Skizzen sahen fantastisch aus. Aber offensichtlich hatte man bei Warner Bros. Schiss, zwei radikale Künstler wie Tim und mich an den Stoff zu lassen.

Sie nehmen auch im Finanziellen Risiken auf sich. Auf Wikipedia sind fein säuberlich sämtliche Häuser, Schlösser und sogar Inseln aufgelistet, die Ihnen gehört haben sollen, ehe Sie in Geldnöte gerieten. Stört es Sie nicht, dass alles öffentlich ist?
Was soll ich dagegen tun? Es stört mich natürlich, dass sich die Leute falsche Vorstellungen machen. Ich musste mein Geld irgendwo deponieren, und ich traue den Banken nicht, also habe ich in Immobilien investiert, aber dann ging der Schlamassel auf den Märkten los. Die Medien haben es dann so gedreht, als hätte ich über meine Verhältnisse gelebt. Vieles wurde aufgeblasen. Ich musste einfach erkennen, dass Immobilien keine gute Anlage sind, denn man wird sie nicht schnell genug los, wenn eine Krise einsetzt. Aber hey, alles geschieht aus einem Grund. Mir geht es gut, und ich spüre immer noch viel Leidenschaft in mir.

Was motiviert Sie nach Jahrzehnten in dem Beruf noch?
Ich sehe mich immer noch als Student. Ich will mich weiterentwickeln und suche immerfort nach Herausforderungen. Mich interessieren Figuren, die es mir erlauben, negative Erfahrungen aus meinem Leben zu verarbeiten. Meine Methode zielt darauf ab, beim Spielen eigene Erfahrungen zum Ausdruck zu bringen. Ich versuche, meine Technik zu verfeinern, und als Mensch kann man immer weiter wachsen. Man muss lernbegierig sein. Ich gehe nicht hin und sage: «Ich bin der Grösste, ich bin der Meister, mir muss keiner mehr etwas sagen.»

Erstellt: 21.03.2013, 11:45 Uhr

Trailer: The Croods

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