Analyse

«Ich sehe Parallelen zur Synchronfassungsdebatte»

Steht das 3-D-Format vor dem Aus? Leo Baumgartner, Chef von Warner Schweiz, über «The Great Gatsby» und andere 3-D-Filme.

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Herr Baumgartner, wo ist die Saalauslastung bei «The Great Gatsby» grösser: bei 3-D oder 2-D?
Alle Filme, die wir bisher in beiden Formaten herausgebracht haben, liefen besser in 3-D. «The Great Gatsby» steht im Moment bei 62 Prozent 3-D-Anteil. Naturgemäss nimmt dieser Anteil bis zum Ende der Kinoauswertung noch ab, weil die grossen 3-D-Säle neuen Filmen Platz machen.

Beim Start laufen die Filme vermehrt in grossen 3-D-Sälen – wird das Publikum so zu 3-D gezwungen?
Die meisten neuen Filme laufen beim Start grundsätzlich in grossen Sälen. Auch 3-D-Produkte. Mit ganz wenigen Ausnahmen bieten wir auch 2-D-Versionen an. Genauso wie wir fast immer auch untertitelte Versionen anbieten.

Wieso sollte man sich ein Drama wie «The Great Gatsby» in 3-D ansehen?
Weil die 3-D-Version sehr sorgfältig und qualitativ gut gemacht ist. Aber das Publikum soll selber entscheiden. Ich sehe Parallelen zur Synchronfassungsdebatte. Filmkritiker verteufeln das Format, aber die Mehrheit des Publikums mag es. Die Studios reagieren auf die Nachfrage.

Wie sieht es bei Arthouse-Filmen aus? Ergibt 3-D dort Sinn?
Eigentlich spricht nichts dagegen, auch solche Filme in 3-D zu machen. Werner Herzog hat das schon getan, Wim Wenders auch. Da das Arthouse-Publikum aber eher die Inhalte als die Machart eines Films beachtet, ist dort die Nachfrage kleiner.

Nun wird 3-D immer wieder totgesagt. Seit «Avatar» nehmen die Euphorie und das Publikum für 3-D-Filme ab.
Totgesagte leben länger. Natürlich ist der Reiz der Neuheit weg. Doch das Format ist nach wie vor gefragt.

«Avatar»-Regisseur James Cameron gibt den schlampigen Produktionen die Schuld an der nachlassenden 3-D-Euphorie: Filme würden in 2-D gedreht und dann in der Postproduktion in 3-D nachbearbeitet. Hat er recht?
Teilweise schon. Aber alle 3-D-Filme werden doch in der Postproduktion in die dritte Dimension hochgerechnet. Auch bei «Avatar» kamen die 3-D-Kameras nur bei einzelnen Szenen zum Einsatz. Mies produzierte Filme gibt es leider auch unter den 2-D-Filmen.

Wird die Qualität von 3-D-Filmen in Zukunft besser sein?
Im 3-D-Bereich wird es schwierig, noch Potenzial auszuschöpfen. Spezielle Kameras zu entwickeln, ist enorm aufwendig, und die elektronische Nachbearbeitung ist meines Erachtens auch sehr weit fortgeschritten. Der nächste Schritt wird wohl die höhere Bildfrequenz wie etwa in «The Hobbit» und das brillenlose 3-D-Filmvergnügen sein. Was aber bestimmt bleibt, ist die Notwendigkeit guter Inhalte und spannender Umsetzungen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.06.2013, 11:50 Uhr

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