Im Klimagestöber

Wer, wenn nicht Wintersportler, sollten daran interessiert sein, dass die Klimaerwärmung gestoppt wird? Das fragt ein neuer Schweizer Film.

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700 Leute sassen im riesigen Kinosaal in Helsinki, als Sten Smola (33), Snowboarder aus Biel, den Finnen vor wenigen Wochen seinen neuen Film «Steps» vorführte. Smola stand unten vor der riesigen Leinwand, ganz klein. «Steps» wird an Festivals in ganz Europa, in den USA und in Kanada gezeigt.

Sten Smola hat seine Vision, seine Lebensphilosophie in einen Film gepackt. Er will die Zuschauer für seine Idee gewinnen. Smola hat zusammen mit Coupdoeil Film, seiner Produktionsfirma, einen Film gegen den Klimawandel gedreht. Einer, der nicht belehrt, aber zum Nachdenken anregt. Einer, der unterhält und begeistert, aber nachwirkt. Der Film hat alles, was einen Snowboardfilm ausmacht: stiebenden Tiefschnee, spektakuläre Effekte, waghalsige Sprünge, perfekt abgestimmte Musik. Plus eine Botschaft: Werdet euch bewusst, was ihr da tut. Und zwar schnell.

«Steps» ist CO2-neutral produziert; die knapp zwei Tonnen, die an Ausstoss nicht vermeidbar waren, haben die Macher kompensiert. Der Film beginnt vor einer Karte in Sten Smolas Wohnzimmer und endet bei einem Fondue am Berg. Zwischen den Tiefschneeabfahrten macht der Geograf Smola auf den Klimawandel aufmerksam. Er führt in Berndeutsch und mit ruhiger Stimme aus dem Off durch den Film. Um seine Botschaft zu verstärken, lässt Smola Bergführer Martin Nellen zeigen, wie sich der Aletschgletscher zurückzieht. Er lässt Reto Knutti von der ETH Zürich erklären, warum der Klimawandel real und grösstenteils menschengemacht ist. Und er lässt René Estermann, Chef von Myclimate, Hoffnungsvolles sagen: Die Möglichkeiten, alleine mit den heute vorhandenen Mitteln, seien gigantisch. Man müsse sie nur nutzen.

Grün und doch spektakulär

Sten Smola selber reist immer mit öffentlichen Verkehrsmitteln statt mit dem Auto. Und er stellt die Materialschlacht in seinem Sport infrage: Ist es wirklich nötig, jedes Jahr ein neues Brett, eine neue Jacke zu kaufen? Braucht es immer die neusten Gadgets? Jeder sei sich selber eine Antwort auf diese Fragen schuldig, findet Smola. Meist fährt er nicht mit dem Skilift oder der Gondelbahn auf den Berg: Smola steigt hoch. Die anschliessende Abfahrt, sagt er, sei dann auch unendlich viel mehr wert.

Sten Smola ist gelungen, was er sich vorgenommen hat: Er wollte einen professionellen Film produzieren, CO2-neutral und trotzdem spektakulär. Das sagte er im Dezember 2012 dem «Tages-Anzeiger». Nun, vielleicht wäre mehr möglich gewesen. Denn «A Journey to the Edge of Climate Change» ist zwar ein spektakulärer Film und so schön wie ein realer Ausflug in den Tiefschnee. Aber nicht mehr. Eine Geschichte erzählt er nicht, am Schluss bleibt (zu) wenig hängen. Sten Smola weiss, wie wichtig Planung ist, um ein solches Unterfangen durchzuführen: «Eine versaute Einstellung bedeutet, nochmals hochzusteigen.» Schade, dass er nicht noch einmal hochsteigen kann.


Steps – A Journey to the Edge of Climate Change: Schweizer Premiere heute Mittwoch, 20 Uhr, Kino Corso Zürich, in Anwesenheit von Sten Smola. www.stepsfilm.com (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.11.2013, 18:40 Uhr

Trailer zu «Steps»

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