«Joker» geht als Favorit ins Oscar-Rennen

Der Film von Todd Phillips führt die Liste der Oscar-Nominationen an. Von Gleichberechtigung ist man bei der Akademie aber noch weit entfernt.

Todd Phillips’ Comicverfilmung ist der Favorit: «Joker» wurde elfmal nominiert. Bild: Warner Bros. Pictures/Keystone

Todd Phillips’ Comicverfilmung ist der Favorit: «Joker» wurde elfmal nominiert. Bild: Warner Bros. Pictures/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen bei den diesjährigen Oscars: «Joker» von Todd Phillips steht an der Spitze mit 11 Nominationen; und es ist – nach «Black Panther» (2019) – überhaupt erst die zweite Comicverfilmung, die eine Nomination als bester Film holte. Dicht dahinter folgen gleich drei Werke mit 10 Nominationen: der Kriegsfilm «1917» von Sam Mendes, das Mafiaepos «The Irishman» von Martin Scorsese und «Once Upon a Time ... in Hollywood» von Quentin Tarantino, eine Liebeserklärung ans Kino der Sechzigerjahre.

Die spannende Ausgangslage kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es die Oscarakademie abermals nicht geschafft hat, eine Frau in der Kategorie Beste Regie zu nominieren. Diesbezüglich bleibt alles beim Alten. Bei den Oscars wurden ja überhaupt erst fünf Frauen für die beste Regie nominiert, eine davon war Greta Gerwig («Lady Bird», 2018). Und diese Greta Gerwig wäre jetzt mit ihrer Literaturverfilmung «Little Women» abermals eine gute Option gewesen, sie muss sich jedoch mit einer Nomination fürs beste adaptierte Drehbuch begnügen.

Auch punkto Diversität ist die oft gescholtene Akademie (wir erinnern uns an #OscarsSoWhite) nicht wirklich weitergekommen: Von den zwanzig Schauspielnominationen ging nur eine Einzige an eine Afroamerikanerin (Cynthia Erivo, «Harriet»). Alle andern Nominationen haben sich weisse Darstellerinnen und Darsteller gesichert, wobei Scarlett Johansson gleich doppelt zuschlug: Sie ist sowohl als beste Hauptdarstellerin («Marriage Story») wie auch als beste Nebendarstellerin («Jojo Rabbit») nominiert. Immerhin bemerkenswert punkto Diversität: Der Südkoreaner Bong Joon-ho konnte sich für seinen Thriller «Parasite» gleich sechs Nominationen sichern, darunter in den Hauptkategorien Bester Film und Beste Regie.

Und apropos Zuschlagen: Bei Netflix dürften bereits jetzt Champagnerkorken knallen, hat man es doch mit Filmen wie «The Irishman», «Marriage Story» und «The Two Popes» auf insgesamt 24 Nominationen gebracht – mehr als jedes Hollywoodstudio. Zum Vergleich: Disney holte 23, Sony 20 Nominationen. Die 92. Oscarverleihung findet am 9. Februar statt – und zwar wie letztes Jahr ohne Moderator.

Erstellt: 13.01.2020, 14:15 Uhr

Oscar-Nominierungen in den wichtigsten Kategorien

Bester Film:
«Le Mans '66», «The Irishman», «Jojo Rabbit», «Joker», «Little Women», «Marriage Story», «1917», «Once Upon a Time in Hollywood», «Parasite»

Beste Regie:
Martin Scorsese («The Irishman»), Todd Phillips («Joker»), Sam Mendes («1917»), Quentin Tarantino («Once Upon a Time in Hollywood»), Bong Joon-ho («Parasite»)

Beste Hauptdarstellerin:
Cynthia Erivo («Harriet»), Scarlett Johansson («Marriage Story»), Saoirse Ronan («Little Women»), Charlize Theron («Bombshell»), Renée Zellweger («Judy»)

Bester Hauptdarsteller:
Antonio Banderas («Dolor y Gloria»), Leonardo DiCaprio («Once Upon a Time in Hollywood»), Adam Driver («Marriage Story»), Joaquin Phoenix («Joker»), Jonathan Pryce («The Two Popes»)

Beste Nebendarstellerin:
Kathy Bates («Richard Jewell»), Laura Dern («Marriage Story»), Scarlett Johansson («Jojo Rabbit»), Florence Pugh («Little Women»), Margot Robbie («Bombshell»)

Bester Nebendarsteller:
Tom Hanks («Der wunderbare Mr. Rogers»), Anthony Hopkins («The Two Popes»), Al Pacino («The Irishman»), Joe Pesci («The Irishman»), Brad Pitt («Once Upon a Time in Hollywood»)

Bester internationaler Spielfilm (ehemals Auslands-Oscar):

«Corpus Christi» (Polen), «Honeyland» (Nordmazedonien), «Les Misérables» (Frankreich), «Dolor y Gloria» (Spanien), «Parasite» (Südkorea)

Artikel zum Thema

Oscars finden ohne Moderator statt

Zum zweiten Mal in Folge wird der «Host» in diesem Jahr fehlen. Mehr...

Mafiamorde, Mafiamorde

Martin Scorsese hat einen neuen Film, wir haben ihn bereits gesehen: «The Irishman» mit Robert De Niro und Al Pacino erzählt von der Vereinsamung eines Auftragsmörders. Mehr...

Golden Globes: Grosse Sieger und ein Klima-Abwesender

Das Kriegsdrama «1917» und «Once Upon a Time in Hollywood» räumten bei der Award-Show ab. Ein wichtiger Star setzte ein Statement und blieb zu Hause. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sie wollen täglich die besten Beiträge aus der Redaktion?
Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter «Der Morgen».

Kommentare

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Ganz schön angeknipst: Ein Mitglied des Bingo Zirkus Theater steht anlässlich des 44. internationalen Zirkusfestivals in Monte Carlo auf der Bühne. (16. Januar 2020)
(Bild: Daniel Cole ) Mehr...