«Klar ist mein Aussehen mein Kapital»

Nadine Vinzens über ihre Hauptrolle im Film «Mary & Johnny», ihre Karriere in Hollywood und Melanie Winiger.

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Frau Vinzens, Sie versuchen Ihr Glück bekanntlich in Hollywood. Wie kam es nun zur Zusammenarbeit mit Schweizer Theaterregisseuren?
Wie das so läuft: Ich kriegte eine Anfrage fürs Casting.

Wieso, glauben Sie, hat man Sie angefragt?
Vielleicht weil ich, wie die Hauptfigur, meinen eigenen Weg gehe? Aber das müssen Sie die Regisseure fragen.

Haben Sie als Ex-Miss Schweiz für den Film nicht auch eine PR-Funktion inne?
Sicher habe ich auch eine PR-Funktion inne. Im Idealfall - wie im vorliegenden Film - ergänzt sich diese Funktion mit der Rolle und inspiriert dadurch den Zuschauer.

Was reizte Sie am Drehbuch?
Ich konnte mich gut in die Figur hineinversetzen.

Inwiefern?
Kompliziertes Beziehungsgeflecht, verlassen werden, falsche Freunde.

Ihre Figur ist nonstop alkoholisiert und unter Drogeneinfluss. Das ist für einen Schauspieler nicht einfach. Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?
Mit Method Acting. Man versucht, ein Gefühl hervorzurufen, das man mal gehabt hat.

Robert de Niro hätte zwecks Recherche wohl selber Drogen genommen.
(lacht) Nein, das wäre kein sauberes Method Acting. Und auch nicht nötig. An der Schauspielschule musste ich mal ein Huhn spielen - das war ich ja auch noch nie.

«Mary & Jonny» basiert auf dem Theaterstück «Kasimir & Karoline» von Horvath. Glauben Sie, dass das Theaterstück als Film funktioniert?
Auf jeden Fall. Gelungene Literaturverfilmung gibts ja viele, es kommt auf die Umsetzung an. Natürlich kann man ein Stück nicht 1 zu 1 umsetzen. Indem wir den Film während des Zürifäschts und an der Fussball-WM gedreht haben, spricht er sicher auch junge Menschen an. Die Handlungszeit des Originals, die 20er Jahre, weist ausserdem wirtschaftliche Parallelen zu unserer Zeit auf.

Nachdem es in Hollywood nicht geklappt hat, haben Ihnen viele Leute das Schauspieltalent abgesprochen: Ist «Mary & Johnny», in dem sie stark aufspielen, auch eine Genugtuung?
Nein, Schauspielerei ist meine Leidenschaft, die mir niemand wegnimmt. Zudem ist es nicht so, dass ich es in Hollywood nicht geschafft habe.

Hat sich Hollywood denn für Sie gelohnt?
Auf jeden Fall. Ich habe drei Projekte, die nächstes Jahr beginnen. Und natürlich habe ich viel gelernt.

Was für Projekte?
Filmprojekte, mehr darf ich zurzeit leider noch nicht sagen.

Viele Missen, die es in Hollywood versuchten, kamen pleite zurück. Wie sieht das bei Ihnen aus?
Nun, ich pendle immer noch zwischen der Schweiz und Hollywood. Ich sehe das als Investition, von nichts kommt nichts.

Würden Sie bestätigen, dass Ihr Aussehen Ihr Kapital ist?
Klar ist mein Aussehen mein Kapital, ich bin ja auch Model. Im Film würde ich aber gerne mehr Rollen übernehmen, die nicht über das Aussehen definiert werden.

Als was bezeichnen Sie sich: Model oder Schauspielerin?
Model und Schauspielerin.

Womit verdienen Sie das Geld?
Das Hauptstandbein ist das Modeln.

Sie waren bisher nicht in SF-Filmen zu sehen, im Gegensatz zu Melanie Winiger. Warum?
Ich sehe mich nicht in Konkurrenz zu Melanie. Wenn ich auf die Erfolge von anderen Schauspielerinnen schauen würde, dann wäre ich in Amerika sicher am falschen Ort.

Aber sie würden schon gerne häufiger am SF zu sehen sein?
(lacht) Ja, klar, das wäre toll. Aber das kommt alles noch.

Erstellt: 27.09.2011, 10:38 Uhr

Nadine Vinzens

Nadine Vinzens wurde 1983 geboren und wuchs in Chur auf. 2002 gewann sie den Miss-Schweiz-Titel. In den letzten Jahren versuchte sie in Hollywood, wo sie eine Ausbildung zur Schauspielerin absolvierte, Fuss zu fassen. Aktuell ist sie im Drama «Mary & Johnny» zu sehen, das am Zurich Film Festival läuft (Filmkritik siehe Link-Box). Ausserdem steht sie im Herbst für das Musical «Wie fünf Mädchen jämmerlich im Branntwein umkommen» auf der Bühne der Zürcher Gessnerallee.

Trailer Mary & Johnny

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