Klauen bei Francis Ford Coppola

Der 80-jährige Regisseur des «Paten» wurde in Lyon geehrt und freut sich, wenn sich andere bei ihm bedienen.

Francis Ford Coppola mit einer historischen Kamera der Brüder Lumière in Lyon.

Francis Ford Coppola mit einer historischen Kamera der Brüder Lumière in Lyon. Bild: Corbis via Getty Images

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Was macht Francis Ford Coppola? Der Regisseur von «Apocalypse Now» und der «Godfather»-Trilogie sass am Wochenende zu einer Zeit, als andere noch Frühstückskaffee tranken, ganz allein in einer Hotelbar und ass einen grünen Salat. Die dazu gereichten Brote liess er gleich wieder zurücktragen, er sah abgemagert aus, als ob er in letzter Zeit auf grosse Schlemmereien habe verzichten müssen. Aber er stärkte sich so für seine Auftritte am Nachmittag und am Abend. Ehrungen waren angesagt.

Coppola erhielt den Prix Lumière am Festival in Lyon, das Cannes-Direktor Thierry Frémaux in seinem Zweitberuf leitet (oder im ersten, denn eigentlich ist er Direktor des nach den Kinoerfindern benannten Instituts). Damit verbunden war eine grosse Feier am Abend mit zahlreichen Huldigungen. Regisseur James Gray, dessen «Ad Astra» gegenwärtig im Kino läuft, erzählte zum Beispiel, er sei ein immenser Bewunderer und habe Coppola einmal gestanden, alles, was er mache, klaue er aus seinen Filmen. Dieser habe nur trocken geantwortet: «Dafür sind sie da.»

Fünf Kinogenerationen aus der Familie Coppola

Es ist eine Seltenheit, den Regisseur so allein zu treffen. Denn Coppola ist ein Familienmensch, in Lyon begleiteten ihn seine Frau Eleanor und sein Sohn Roman, beides ebenfalls Filmemacher. Seine Tochter Sofia arbeitet gerade in Tokio (nein, sie dreht keine Fortsetzung ihres Erfolgs «Lost in Translation») und schickte eine Videobotschaft. Der Geehrte selber sagte, sein Grosskind Gia habe gerade ihren zweiten Film als Regisseurin fertiggestellt. Und weil einer seiner Grossväter das erste Filmton-Aufnahmegerät erfunden habe und der zweite ein Kino betrieb, sei das schon die fünfte Generation, die vom Metier lebe – «das ist wohl einmalig in der Geschichte dieser erst 120 Jahre alten Kunst».

Francis Ford Coppola hat die Kinogeschichte geprägt, nicht nur mit seinen berühmten Filmen. In den in Lyon präsentierten Ausschnitten wurde zum Beispiel klar, wie stilbildend der Abhörfilm «The Conversation» (1974) mit Gene Hackman war. Und wie revolutionär «One From the Heart» (1982) mit Nastassja Kinski, bei dem Coppola sehr früh mit Videoaufnahmen experimentierte und dabei auch finanziell so viel investierte, dass er – einmal mehr – beinahe bankrott ging. Sich persönlich mit allem zu engagieren sei das Wichtigste beim Filmemachen, hatte er am Nachmittag Filmstudenten in einer Masterclass gesagt. Und: «Immer nur auf den Erfolg zu schielen, macht das Kino arm.»

Mit dem Mafiaepos wurde Francis Ford Coppola weltbekannt.

Inzwischen ist es ruhiger geworden um den Regisseur, der in den USA auch mehrere Weingüter betreibt. Sein letzter Film war «Twixt» aus dem Jahr 2011, der Horrorfilm mit Val Kilmer wurde nur auf DVD veröffentlicht. Ein letztes Projekt möchte er allerdings noch drehen, «in grossem Stil und mit grosser Besetzung». Es heisst «Megalopolis» und ist eine in New York angesiedelte, düstere Zukunftsvision.

Coppola hat selber bei Balzac geklaut

Das Wichtigste sei ihm aber, sich auch mit über 80 Jahren noch für die verschiedensten Dinge des Lebens zu interessieren, sagte Coppola in Lyon. Denn: «Lernen ist eine der wenigen Freuden, bei der man nicht fett wird, nicht Diabetes bekommt und die Ehefrau nicht wütend macht.»

Noch ein Geheimnis lüftete der Regisseur am späten Abend. Die Bemerkung, dass er froh sei, wenn seine Ideen gestohlen würden, weil sie dadurch weiter lebten, sei gar nicht von ihm. Er habe sie beim französischen Schriftsteller Honoré de Balzac geklaut.

Erstellt: 21.10.2019, 12:03 Uhr

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