Kurzfilm der Woche

Kurzfilm der Woche: Am Ende bleibt nur die Trompete

«Ich bin's Helmut» ist einer der aussergewöhnlichsten und erfolgreichsten Schweizer Kurzfilme: Eine berührende Ode an die Absurdität des Lebens.

Nichts ist, wie es scheint: «Ich bin's Helmut» von Nicolas Steiner.

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Fröhlich sind wir an Geburtstagen, der Wein fliesst, Lieder werden gesungen, aber irgendwann nach dem 50. Jubiläum ist man froh, wenn sich die Geburtstage nicht so schnell wiederholen würden. Das gilt besonders für Helmut, die Hauptfigur des heutigen Kurzfilms. Er feiert seinen 60. Geburtstag – allerdings ist er erst 57, seine Frau hat sich verrechnet.

Deprimiert sitzt er mit der Gattin, von der er sich längst entfremdet hat, in einem kleinbürgerlichen Wohnzimmer. Veränderungen hat Helmuts Leben offenbar schon lange nicht mehr gesehen. Doch plötzlich bröckelt die Fassade seiner unglücklichen Existenz – buchstäblich: Möbel verrücken, Wände fallen weg. Gleichzeitig schauen alte Freunde und Bekannte vorbei und erinnern Helmut an Vergangenes. Alsbald findet sich dieser an einer Busstation wieder und sagt zum Zuschauer: «Es ist schon erschreckend, wie man sein Leben verpasst, nur weil der Bus nicht kommt, wann er soll.»

Wie Steiner seine Geschichte über das Leben respektive dessen Vergänglichkeit inszeniert, ist berührend, absurd und vor allem clever. Der Film kommt nämlich ohne einen einzigen Schnitt aus – und trotzdem verändert sich die Szenerie ständig.

«Ich bin's Helmut» ist einer der aussergewöhnlichsten Schweizer Kurzfilme. Nur logisch ist da die beeindruckende Festivalkarriere mit 30 internationalen Auszeichnungen. Gespannt sein darf man also auf Steiners nächste Arbeit. Der Walliser, der übrigens in «Achtung, Fertig, Charlie!» den bekifften Rekruten Schlönz spielte, arbeitet zurzeit an der Filmakademie Ludwigsburg an seinem Abschlussfilm «Above and Below», ein Dokumentarfilm, der vom Mars zur Erde und unter die Oberfläche geht.

Erstellt: 20.09.2013, 14:13 Uhr

Kurzfilm der Woche

Der Kurzfilm gilt als die offenste, schnellste und oft auch mutigste Filmkunstform. Obs an der schnelllebigen Zeit liegt, in der wir leben? Auf jeden Fall erfreuen sich die Minifilme gerade an Festivals einer immer grösseren Beliebtheit – auch in der Schweiz, wo es eine lebendige Kurzfilmszene gibt. Tagesanzeiger.ch/Newsnet zeigt in Zusammenarbeit mit der Filmpromotionsagentur Swiss Films jeden Freitag einen exklusiven Schweizer Kurzfilm. Die Produktionen sind jeweils mindestens 24 Stunden online.

Die Stiftung Swiss Films ist die Promotionsagentur des Schweizer Filmschaffens. Als Partnerin der Filmschaffenden verstärkt sie die Sichtbarkeit und positive Wahrnehmung der helvetischen Filmkultur im Ausland und in der Schweiz. Kernaufgaben der Stiftung sind Verbreitung, kulturelle Vermittlung und Vernetzung des Schweizer Filmschaffens.

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