Kurzfilm der Woche: Schöner schlagen

In «Happy» zeigt Stefan Künzler, warum Teenager heute gut aussehen wollen beim Prügeln auf dem Pausenplatz.

Ungeschminkte Fiktion über Mobbing und Gewalt an einer Mittelschule: Stefan Künzlers «Happy».

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Vier Mädchen auf dem Schulhof. Drei Tussen, Bitches, Schlampen oder Scheissjungfrauen, wie sie sich wahlweise nennen, im gymnasialen Prüfungsstress. Denn fast täglich gibt es hier Tests in Sprachen, in Mathematik, in Coolness, in Sex. Und wir, wir sehen durch eine ihrer Handykameras zu, wir sehen, wie die Mädchen eskalieren. Stefan Künzler hat «Happy» vor vier Jahren für die Zürcher Hochschule der Künste gefilmt, sein Stil ist direkt, explizit und shaky wie die Psychen seiner Figuren.

Der knapp zehnminütige Film ist eine harte, ungeschminkte Fiktion über Mobbing, Gewalt, Sex und sexuelle Gewalt an einer Mittelschule. Künzler bezieht sich darin – schon im Titel – auf das Phänomen des Happy Slapping, das mit dem Aufkommen der Handykameras vor ein paar Jahren durch die Medien ging: Mehr oder weniger willkürlich werden dabei Unbeteiligte verprügelt, die Schläge werden gefilmt, die Bilder gepostet und viral verbreitet.

Wie neue mediale Möglichkeiten auch neue, durchsexualisierte Formen von Demütigung und Gewalt hervorbringen, davon erzählen «Happy» und seine unerschrockenen Darstellerinnen in kurzen, radikal subjektiven Blicken auf die Pausenplätze, hinter die Klotüren und in die Szenebars einer Generation, die nichts mehr geheim hält, nicht einmal ihre Abgründe. Unter dem Titel «Generation Handy» startet am 28. März in Zürich eine kleine, vom Branchenverband Swiss Films anberaumte Kurzfilm-Tour, die bis Ende Mai durch zahlreiche Deutschschweizer Städte führt. Das Programm zeigt mit sieben Kurzfilmen, wie das Mobiltelefon das Leben verändert hat. (cf)

Erstellt: 14.03.2014, 16:08 Uhr

Produktion

«Happy», 2010. 10 Minuten. Von Stefan Künzler. Produktion: Hochschule der Künste, Zürich.



Kurzfilm der Woche

Der Kurzfilm gilt als die offenste, schnellste und oft auch mutigste Filmkunstform. Obs an der schnelllebigen Zeit liegt, in der wir leben? Auf jeden Fall erfreuen sich die Minifilme gerade an Festivals einer immer grösseren Beliebtheit – auch in der Schweiz, wo es eine lebendige Kurzfilmszene gibt. Tagesanzeiger.ch/Newsnet zeigt in Zusammenarbeit mit der Filmpromotionsagentur Swiss Films jeden Freitag einen exklusiven Schweizer Kurzfilm. Die Produktionen sind jeweils mindestens 24 Stunden online.

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