Kurzfilm der Woche

Leben säen, Tod ernten

Ein Schrebergärtner macht sich daran, Vollkommenheit zu züchten.

«Little Eden»: 6 Minuten. Von Nino Christen. Produktion: Hochschule Luzern.


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Er ist perfektionistisch, grimmig und allein. So würde sich die Hauptfigur in «Little Eden» selbst aber nicht beschreiben. Er geniesst die Gesellschaft seiner Pflanzen, die Ordnung und Stille im Schrebergarten, seinem kleinen Paradies.

«Little Eden» heisst der Animationsfilm von Nino Christen und zeigt einen Pensionär, der seine ruhigen Rentenjahre entspannt im Grünen verbringen will. Die Ruhe im vermeintlich idyllischen Reich währt aber nicht lange: Er wird gestört. Von Ungeziefer, einer Krähe und vor allem seinem Zwang, alles kontrollieren zu müssen.

Das Leben nicht zulassen

Nachdem er seine Eden-Samen in die Erde drückte, beginnt sein Paradies zu bröckeln. Das Ziel, sich ein perfektes Glück zu formen, es zu wahren und zu beherrschen, gelingt nicht. Er unterdrückt jegliches Leben, jedes natürliche Geschehen, jede noch so kleine Regung, die er nicht unter Kontrolle hat. Er scheitert daran.

Es ist eine Krähe, die ihn zur Weissglut treibt. Es ist das natürliche Leben, das ihn in den Tod treibt. Der Drang, in einer vollkommenen Welt leben zu wollen, jagt ihn so auch in sein tragisches Schicksal.

Mensch und Perfektion

Regisseur Nino Christen wurde 1984 in Nepal geboren. In der Schweiz schloss er sein Studium an der Hochschule Luzern – Design & Kunst im Fachbereich Animation ab. Dass er mit diesem Kurzfilm den Nerv der aktuellen Debatte zur Pränataldiagnostik trifft, wusste der Illustrator nicht. Die Hauptfigur in «Little Eden» strebt eine Perfektionierung des Lebens an. Nur, wohin führt das? (ama)

Erstellt: 29.05.2015, 17:11 Uhr

Produktion

«Little Eden»: 6 Min. Von Nino Christen. Produktion: Hochschule Luzern.

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