Lila Worte

Hat Hollywood bei Martin Suter abgekupfert? Der Film «The Words», gerade am Zurich Film Festival zu sehen, erinnert sehr stark an den Roman «Lila, Lila».

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Dieser Tage feierte der Hollywood-Film «The Words» am Zurich Film Festival internationale Premiere. Es geht darin um den Möchtegern-Schriftsteller Rory, der unter einem chronischen Schreibstau leidet. Als er auf ein altes Manuskript stösst, zeigt es seine Freundin, im Glauben er hätte es verfasst, einem Verleger. Im Nu ist der unbeholfene Schriftsteller berühmt. Dann aber meldet sich der wahre Verfasser des Bestsellers. Rorys Lügengebäude fällt zusammen.

Die Story dürfte Martin-Suter-Fans bekannt vorkommen. In seinem Roman «Lila, Lila» aus dem Jahr 2004 erzählt er dieselbe Geschichte. Ironischerweise bewirbt der Filmverleih Ascot-Elite die mit Jeremy Irons, Zoe Saldana und Bradley Cooper hochkarätig besetzte Produktion so: «Urheberrechtsstreitigkeiten sind heutzutage kaum mehr aus den Medien wegzudenken. Ständig hagelt es neue Vorwürfe über abgeschriebene Doktorarbeiten. Dass es aber auch in der Romankultur zu solchen Fällen kommt, zeigt der eindrucksvolle und subtile Film ‹The Words›».

Frappante Ähnlichkeiten

Nun sind Plagiatsvorwürfe in der Kunst stets heikel. Fast jede Geschichte ist in ähnlicher Form schon einmal erzählt worden - oft ohne dass ein Autor überhaupt davon wusste. Der Plot von «The Words» allerdings ähnelt jenem von «Lila, Lila» frappant. Zwar entpuppt sich der wahre Verfasser des Bestsellers nicht wie bei Suter als Erpresser. Doch hier wie da ist der eigentliche Verfasser, nicht der, der er vorgibt zu sein. Und beide Geschichten enden mit den reuevollen Möchtegern-Schriftstellern, wie sie ihre eigene Geschichte zu Papier bringen.

Dennoch wollen die Regisseure des Films Brian Klugman und Lee Sternthal, die auch als Drehbuchautoren fungierten, nichts von Suter oder dessen Buch gewusst haben. Brian Klugman sagte gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet, dass man die Idee bereits 1999 gehabt hätte. Im Jahr 2000 sei er damit am Sundance Screen Writer’s Lab gewesen – es bestehe also sogar ein Beweis. Bloss: Bis der Film fertig realisiert war, dauerte es weitere 12 Jahre, in denen die Amerikaner das Buch oder den «Lila, Lila»-Film gesehen haben könnten.

Wann hört Inspiration auf, wo beginnt das Plagiat? Die Frage ist so alt wie die Kunst selbst. Jedenfalls geben weder Martin Suter noch sein Verlag Diogenes in der Angelegenheit einen Kommentar ab. Vielleicht auch, weil Martin Suter sich wegen «Lila, Lila» einst selbst gegen Plagiatsvorwürfe wehren musste. 2004 behauptete das Nachrichtenmagazin «Facts», «Lila, Lila» sei beim französischen Comic «Zehn Gebote: Der Killer von Glasgow» abgekupfert. Suter beteuerte damals, er kenne weder die französische noch die deutsche Ausgabe des Comics. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.09.2012, 10:08 Uhr

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