Filmkritik

M, die letzte Königin

Bond könnte sich keine bessere Chefin wünschen. Judi Dench brilliert in dieser Rolle seit Jahren.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Admiral wirkt unfroh. Die neue Chefin ist eine Frau. «Bei allem Respekt, M», sagt er: «Sie haben einfach die Eier nicht für diesen Job.» Der Vorteil dabei, gibt sie eisig zurück: «Ich muss nicht dauernd mit ihnen denken.»

Der Militär in «Tomorrow Never Dies» von 1997 erlebt, was James Bond zwei Jahre vorher in «Golden Eye» realisieren musste: dass man mit dieser Chefin besser keinen Streit anfängt. «Sie halten mich für eine Buchhalterin, die nichts von Ihren Instinkten hält», zischt sie ihn an, als die beiden einander zum ersten Mal begegnen. «Ich halte Sie für einen sexistischen, misogynen Saurier, ein Relikt aus dem Kalten Krieg.» Bond gibt sich locker, aber er ist beeindruckt. Das hat er nicht kommen sehen.

Sie schon. Nicht nur M, die Figur, sondern auch Judi Dench, die Schauspielerin. Sie verkörpert diese Art von Rollen immer wieder. Und sagt nach der Uraufführung von «Romeo and Juliet» im Londoner Globe-Theater: «Ich weiss, was es heisst, eine Frau zu sein in einer Männerwelt, ja bei Gott, ich weiss es.» Ihr weiss gekalktes Gesicht bleibt ausdruckslos, ihre Haltung durchgestreckt, als Queen Elizabeth I in «Shakespeare in Love» (1998). Ihre gesammelten Auftritte summieren sich auf eine knappe Viertelstunde, dennoch dominiert ihre Präsenz den Film. Und brachte Judi Dench den längst verdienten Oscar ein.

Unnahbar und verletzlich

Kaum eine Frau, mit Ausnahme vielleicht von Helen Mirren, spielt eine Königin wie Dame Dench. Die 77-jährige Engländerin brilliert seit über fünfzig Jahren in Theater, Film und Fernsehen, immer wieder mit Shakespeare und exquisiten Kostümdramen, aber auch mit modernen Stoffen. Die Königin Elizabeth gibt sie bald hart, dann wieder ironisch, aber immer mit einer Autorität, der sich alle unterordnen. Als Königin Victoria tritt sie in «Her Majesty, Mrs. Brown» (1997) verletzlich auf, beinahe zerstört von der Trauer um den verstorbenen Gatten.

In «Skyfall» nun mimt Judi Dench die beiden Königinnenrollen gleichzeitig, mal die Unnahbare, dann die Verletzliche. Denn noch nie hatte M ihren ungezügelten Agenten so dringend nötig wie hier, noch nie standen die beiden Schauspieler so lange gemeinsam vor der Kamera; alleine diese Szenen zwischen Dench und Daniel Craig lohnen den Film.

Dessen Handlung löst ein, was die vorangehenden Bond-Filme angedeutet haben: wie sich zwei Charaktere, die einander nicht ausstehen können, weil sie sich selber am anderen nicht ertragen, widerwillig näherkommen. Denn James Bond und seine Chefin sind sich ähnlicher, als beide zugeben wollen. Sie begehren gegen die Starrheit eines Systems auf, dem sie gleichzeitig loyal zudienen. Sie agieren eigensinnig, risikofreudig und bei Bedarf auch skrupellos. Und beide können, wie sich das für Engländer gehört, ihre Gefühle nicht zeigen. Am wenigsten füreinander.

Erstellt: 24.10.2012, 13:00 Uhr

Film

«Skyfall» läuft ab 1. November in den Schweizer Kinos.

Artikel zum Thema

James Bond ist ein Berner

Video Sie gingen in die Filmgeschichte ein: Die gefährlichen Stunts für den James-Bond-Film «Im Geheimdienst Ihrer Majestät». Rare Filmaufnahmen zeigen die Dreharbeiten im Berner Oberland. Mehr...

«Bester Bond in vierzig Jahren»

Ausgewählte Filmjournalisten durften sich in London das neue 007-Abenteuer ansehen. Die Fachleute sind begeistert. Mehr...

Das Quiz für Bond-Kenner

Quiz Testen Sie, wie gut Sie die Filme mit dem britischen Geheimagenten kennen. Unter den Teilnehmern verlosen wir zwei Tickets für eine VIP-Gala zum neuen Bond-Film am 26. Oktober in Zürich. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Keine Berührungsängste: In der Dinosaurierfabrik von Zigong in China wird ein voll beweglicher Dinosaurier hergerichtet. China produziert 85% aller Dinosaurier weltweit. (13. November 2019).
(Bild: Lintao Zhang/Getty Images) Mehr...