Miyazakis magische Welten

Mit Filmen wie «Prinzessin Mononoke» betörte Hayao Miyazaki die Welt. Nun hört er auf. Die Trickfilm-Branche verliert einen ganz grossen Künstler.

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«Ich liebe seine Filme. Ich studiere seine Filme. Ich schaue seine Filme, wenn ich Inspiration brauche.» Gesagt hat das Pixar-Chef John Lasseter, gemeint ist Hayao Miyazaki. Doch ausgerechnet der japanische Film-Magier gab nun am Filmfestival von Venedig seinen Entschluss bekannt, keine Filme mehr zu drehen. Dass Künstler «zurücktreten», passiert selten. Umso gespannter ist man auf die Pressekonferenz, an der Miyazaki nächste Woche seine Gründe erläutern will.

Mit dem 72-jährigen Miyazaki verliert die Trickfilm-Welt einen so bedeutenden wie erfolgreichen Vertreter. Für Werke wie «Das wandelnde Schloss», «Prinzessin Mononoke» oder «Chihiros Reise ins Zauberland» gewann Miyazaki wichtige Preise, unter anderem den Goldenen Bären und einen Oscar. Seine Filme über Waldwesen, magische Naturkräften und Geister aus Japans mythischer Welt spielten weltweit hunderte von Millionen Dollar ein.

An Heidi-Comics beteiligt

Miyazaki gilt im Westen als der Walt Disney Asiens. Eigentlich aber macht er in seinen Filmen das Gegenteil von Walt Disney: Die Welt, die Miyazaki in seinen Filmen entwirft, ist nicht herzig und behütend, sondern bedrohlich und kaputt. «Nausicaä aus dem Tal der Winde» erzählt die Geschichte einer Märchenwelt, die zugrunde geht. Und «Prinzessin Mononoke» erörtert die Frage, ob Mensch und Natur in Einklang existieren können. Mit seinen hintergründigen Geschichten und pazifistischen Appellen erreicht Miyazaki denn auch ein mehrheitlich erwachsenes Publikum.

Seine Faszination für Untergangsszenarien erklärt Miyazaki in Interviews mit seiner Kindheit. Als Fünfjähriger habe er im Zweiten Weltkrieg erlebt, wie Schönheit in Ruinen enden könne. Mit 20 warb er bei der Produktionsfirma Toei an und war an der heute noch beliebten Fernsehumsetzung der Heidi-Comics beteiligt. Wenig später heiratete er eine Arbeitskollegin, mit der er zwei Kinder hat.

Hayao Miyazaki verwendet für seine Animationsfilme keine Computer, sondern zeichnet die Bilder von Hand. Die Verweigerung moderner Technik passt thematisch zu seinen Filmen. Was ihn aber vor allem von amerikanischen Animationsfilmen unterscheidet, sind die Pausen zwischen den Actionszenen. «Ma» nennt Miyazaki diese, das Wort bedeutet auf japanisch «Leere». Konkret äussert sich das in seinen Filmen in Figuren, die inne halten und dabei vielleicht in einen Bach starren oder sonst etwas tun, das nicht unmittelbar mit der Handlung zu tun hat. Mit dem Resultat, dass der Zuschauer den Figuren emotional näher steht und ihren nächsten Erlebnissen umso gespannter entgegen fiebert.

Kriegerischer Flugzeugfilm

Am Wochenende hat Myazaki am Filmfestival von Venedig seinen neusten Film präsentiert. Um «The Wind Rises» entbrannte in den vergangenen Wochen eine Kontroverse - er sei nationalistisch. Tatsächlich erzählt der Film vom Erfinder eines japanischen Jagdfliegers, der im Zweiten Weltkrieg eine wichtige Rolle spielte. Ein kriegerischer Flugzeugfilm von Natur-Apologet Miyazaki? In Japans «beschämender Geschichte» des Zweiten Weltkriegs sei das besagte Flugzeug «eines der wenigen Dinge, auf die wir Japaner stolz sein können», meint Miyazaki zur japanischen Tageszeitung «Asahi Shimbun».

Erste Kritiken befinden den Film als gelungen und beanstanden auch keine ideologische Stossrichtung. Was fehle, sei die Magie. Es ist Kritik auf hohem Niveau, aber für Myazakis grosse Fangemeinde umso bitterer: Der Meister der Träume tritt mit einem Stück Realität ab.

Erstellt: 02.09.2013, 16:11 Uhr

The Wind Rises

Chihiros Reise ins Zauberland

Prinzessin Monokoke

Nausicaa

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